Tour 2010 - Support: Alberta Cross
Lange elfeinhalb Jahre ist es her, seitdem die Dave Matthews Band (DMB) zum letzten Mal deutsche Bühnen betreten hat. Mitte Februar machten die Jam-Rocker aus den Staaten ihrer selbst gewählten Diaspora ein Ende und läuteten mit einem gefeierten Auftritt in Hamburg ihren wohl erfolgreichsten Europa-Stint der Bandgeschichte ein. Fünf Deutschlandtermine standen 2010 auf dem Programm und am heutigen Donnerstagabend steht in Frankfurt der letzte dieser fünf Auftritte an.
Nachdem die skandinavisch-englischen Americana-Rocker von Alberta Cross den Abend als eine Art "My Morning Jacket in engen Jeans" gut aus den Startlöchern katapultieren, wird es um kurz nach 20 Uhr zum ersten Mal richtig, richtig laut in der Jahrhunderthalle. DMB betreten die Bühne und man hat das Gefühl, dass sich von nun an all die Anspannung entlädt, die sich in den vielen Jahren des Wartens aufgestaut hat.
Gleich zu Beginn erreicht Matthews seine treuesten Fans in der nicht ausverkauften, aber gut gefüllten Halle. Im Gegensatz zu Hamburg, München oder Köln, bei denen die Setlisten der DMB zum Leidwesen mancher Fans nicht mit so viel Abwechslung glänzten, wie man das von US-Konzerten der Band gewöhnt ist, leuchtet Matthews in Frankfurt genügend Ecken seines Backkatalogs aus, um die meisten seiner langjährigen Anhänger auf seine Seite zu ziehen. Der Non-Album-Track "Granny" eröffnet einen im Vergleich zu den anderen Deutschlandkonzerten abwechslungsreicheren Gig.
Die aktuelle Platte "Big Whiskey And The GrooGrux King" und Songs aus den letzten sechs bis acht Jahren der DMB-Albumgeschichte – nur drei der 18 gespielten Tracks sind Matthews-Originale aus den 90ern – nehmen den Hauptteil der Songzusammenstellung des gebürtigen Südafrikaners ein. Da die Band – allen voran Tim Reynolds (E-Gitarre), Jeff Coffin (u.a. Saxofon) und Carter Beauford (Schlagzeug) – allerdings auch bei den neueren Stücken ins Jammen gerät und man Zeuge von Soloeinlagen wird, die Mund und Augen weit offen stehen lassen, feiert die versammelte DMB-Gemeinschaft von "Granny" bis "Seven" oder "Shake Me Like A Monkey" alles, was die sieben Musiker heute in Frankfurt veranstalten.
Neben Matthews und den eben erwähnten Solispezialisten heizen Boyd Tinsley (Geige), Stefan Lessard (Bass) und Rashawn Ross (Trompete) der versammelten Meute ein. Keine Note vergeht, bei der nicht irgendjemand im Innenraum fast ausflippt und keine Nummer geht zu Ende, bei der zum Schluss nicht tosender Applaus und Jubelschreibe auf die US-Amerikaner warten. Virtuoses Zusammenspiel und Songs, die nicht selten die 10-Minuten-Marke überschreiten, funktionieren also auch vor deutschem Publikum. Wer in der Vergangenheit andere Befürchtungen hatte, wird in Frankfurt eines Besseren belehrt.
Definitive Highlights der genau zweieinhalbstündigen Show sind das improvisationslastige "Loving Wings", eine herausragende Version von "The Stone", das bärenstarke "Cornbread" und ein Schlusspunkt, der sich gewaschen hat. Die Besucher des äußerst energiereichen Konzerts werden von Dylans "All Along The Watchtower" in die Frankfurter Nacht verabschiedet. Dave Matthews und seine Kollegen haben das Cover seit schieren Ewigkeiten im Programm und hauchen der legendären Nummer trotzdem jedes Mal, wenn sie auf der Setlist steht, neues Leben ein.
Ein letztes Mal geht heute der Volume-Regler an seine Grenzen, ein letztes Mal feiert die Meute "ihre" Band. Auf eine Fortsetzung der mittlerweile funktionierenden DMB-Europa-Beziehung freuen sich deshalb 99 % der gekommenen Fans. Dass die Band uns so lange hat warten lassen, haben ihnen die meisten spätestens nach "Granny" vergeben. Was jetzt zählt, ist der Blick nach vorne.
Setlist:
Granny
Bartender
Funny The Way It Is
Seven
Shake Me Like A Monkey
The Stone
Why I Am
Loving Wings
You Might Die Trying
Spaceman
Corn Bread
Lying In The Hands Of God
You And Me
Ants Marching
Time Bomb
So Damn Lucky
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Sister
All Along The Watchtower