Tour 2010 - Support: Sex Jams
Wer zum ersten Mal das Hafenklang besucht wird sich wohl etwas wundern über das für einen Undergroundclub eher untypische Ambiente in der unmittelbaren Umgebung. Nicht weit von der Reeperbahn gelegen zwar, dennoch im mittlerweile luxussanierten Hafenviertel zwischen Modeboutiquen und Hummerrestaurants, da ist eben für jeden was dabei. Mit gerade mal neun Euro Eintritt erkauft man sich dann ein kleines Aufatmen, herrscht im Hafenklang doch die gewohnte Undergrundatmosphäre, mit entsprechend fairen Getränkepreisen, Aufklebern und Flyern, die zum politischen Protest auffordern, soweit das Auge reicht. Gleich wird klar, dass hier nicht viel Publikum reinpasst, und sich die Band auf der Bühne gut aufteilen muss, damit alle samt Equipment Platz haben.
Die Stimmung ist bereits bei der Vorband sehr gut, Sex Jams aus Österreich geben sich alle Mühe das Hamburger Publikum entsprechend einzustimmen, und schaffen es auch. Vor allem Sängerin Katarina Trenk tanzt im Publikum herum und gibt ihre recht schrille Stimme zum Besten, was enorm auf die zunächst herumstehenden Leute abfärbt, sodass man einfach mittanzen muss. Klar, für eine Vorband ist es immer schwierig, aber den vier Österreicher(inne)n kann man nicht vorwerfen einen miesen Job gemacht zu haben. Im Gegenteil, die Stimmung ist sehr gut, vor allem wenn man bedenkt, dass gerade mal Dienstagabend ist.
Dennoch freut sich das Publikum nach einer kleinen Umbaupause erst recht auf Dead To Me, die im Zuge einer kleinen Europatour extra aus dem fernen Kalifornien, genauer gesagt aus San Francisco, angereist sind. Man muss bereits nach ein paar Strophen sagen, dass sie live ein wenig härter klingen und mehr Gas geben als auf CD, was die Band aber keinesfalls unsympathisch wirken lässt. Den Fans wird eine anständige Portion rotziger Punkrock um die Ohren gehauen und wenn man sich so umsieht scheinen die Fans damit zufrieden, schließlich sind ja alle nur aus diesem Grund hier. Passend zur Stimmung lässt es sich Sänger Tyson "Chicken" nicht nehmen, das Konzert zum Anlass der politischen Aufklärung zu nehmen. Wie man der Reaktion des Publikums entnehmen kann, findet er gerade bei Themen wie der Kritik an der Einwanderungspolitik der USA zum Beispiel viel Zustimmung.
Nebenbei merkt man der Band tatsächlich den Spaß an ihrer Sache an, bezogen auf die Musik und die politischen Texte. Die Songs lassen sich kreuz und quer auf beiden Alben und der EP wiederfinden, die die Band veröffentlicht hat, ein guter Mix aus älteren und neueren, langsameren und schnellen Songs. Hinterher gibt es noch eine Zugabe, obwohl Tyson betont, sie nicht geplant zu haben, mit der Begründung, dass die Band schlicht eine gute Show und jede Menge Spaß abliefern will, ohne viel Schnickschnack, zu dem er gewöhnlicherweise auch eine Zugabe zählt. Dennoch spielt sie die Band zur Begeisterung der Fans. Abschließend kann man auf jeden Fall sagen, dass Dead To Me eine typische, recht unbekannte Punkband ist, die gerade deshalb diese gewisse, unverwechselbare Atmosphäre erzeugt.
Zu einem guten Hamburger Abend gehört dann selbstverständlich noch der Schwenk über die Reeperbahn und ein Feierabend-Astra in einer gemütlichen Eckkneipe, um gemeinsam mit ein paar Freunden und alten Seemannsliedern den gelungenen Abend noch einmal Revue passieren zu lassen.