Death Cab for Cutie

Tour 2008 - Support: Styrofoam

09.07.2008 Live Music Hall / Köln

Von: Simon Baranowski

Death Cab for Cutie Köln

Wo soll man anfangen, wenn man selber von der Musik begeistert ist, den Künstler oder die Gruppe schätzt und ihr aktuelles Album einfach bezaubernd findet, aber live vom Umfeld und vom Sound so beeinträchtigt wird, dass man dazu neigt ein Konzert von einer wirklich guten Band schlecht zu reden? Schwierige Sache. Betrachten wir es mal nüchtern und stecken persönliche negative Eindrücke in die Tasche.

Death Cab For Cutie gastierten in der Live Music Hall in Köln. Draußen war es frisch und verregnet. Drinnen dagegen war es drückend, heiß und klamm. Sytrofoam aus Belgien durften für den Vierer aus Seattle eröffnen. Eine Musik die an das Nebenprojekt von Death Cab For Cutie-Sänger und -Gitarrist Ben Gibbard, The Postal Service, erinnert. Zudem könnte man Styrofoam einen leichten The Notwist Hang zuschieben. Seichter Elektronik-Indie-Pop mit einer ähnlich zarten klaren Stimme, wie man die von Ben Gibbard kennt. Kein Wunder, dass Gibbard auch schon zur Unterstützung bei Styrofoam mitwirkte. Hinter Styrofoam verbirgt sich der Name Arne van Petegem. Der aus Antwerpen stammende Petegem stimmte mit seinen zwei Mitstreitern auf der Bühne das Publikum passend ein. Musik für den Kaffee am Morgen, mit lustigen Beats und traurigen Lyrics, wie Petegem auf seiner Homepage selber verlauten lässt. Styrofoam stellten in der knappen halben Stunde, die sie zur Verfügung hatten, ihr aktuelles Album „A Thousand Words“ vor. Das heißt, es war nur ein kleiner Einschnitt von fünf Liedern, die aber durchaus einen guten Eindruck machten. Styrofoam war mit großer Sicherheit vielen kein Begriff vor dem Konzert. Jetzt vielleicht schon eher.

Um Neun betraten dann Death Cab For Cutie die Bühne und begannen den Abend mit dem „Narrow Stairs“-Opener „Bixby Canyon Bridge“, der ohne Vorwarnung mit einem heftigen Basseinstieg nach anderthalb Minuten jeden Besucher wachrüttelte. Ein erstes Aufpusten gleich zu Beginn. „The New Year“ folgte, konnte jedoch den guten Einstieg nicht so recht toppen. Die klaren Gitarrenriffs kamen nicht ganz so rüber wie erhofft und der sonst erste Song des Jahres, verlor ein wenig an seiner Effektivität. „Why You’d Want To Live Here“ machte da ebenso keine Fortschritte. Schön war allerdings die Tatsache, dass man sich auf ein gut strukturiertes Set freuen konnte, da die ersten fünf Songs von jeweils unterschiedlichen Alben oder EPs kamen. Dass es mehr als heiß war in der Live Music Hall konnte man, wenn nicht am eigenen Leib, bestens am bereits nach drei Songs durchgeschwitzten Hemd von Sänger Ben Gibbard erkennen. Gitarrist Chris Walla blieb gewohnt in seiner zurückhaltenden Rolle auf der Bühne in seiner Ecke stehen, während Bassist Nicholas Harmer schon gleich zu Beginn zeigte, wer hier Lust hat zu tanzen und zu posen.

Death Cab For Cutie überzeugten vor allem durch die sehr variable Setlist. Es gab einen Querschnitt durch die letzten vier Alben. Hauptaugenmerk lag da vor allem auf den letzten beiden Tonträgern. So machten natürlich „Soul Meets Body“ oder „I Will Follow You Into The Dark“ die Runde. Aber auch Songs wie „Photobooth“ oder „A Movie Script Ending“ fügten sich im Set ein. Wie schon 2005 beendeten Death Cab For Cutie mit „The Sound Of Settling“ ihr Mainset. Eine gute Stunde lang wurde man von neuen Songs wie „Grapevine Fires“, dem fabelhaften und klanglichen Höhepunkt „CathÂ…“, oder dem Acht-Minuten-Epos „I Will Possess Your Heart“ musikalisch beeindruckt. Gibbards schwarzes Hemd klebte schon förmlich an seinem Körper, während Gitarrist Chris Walla wohl ein Anti-Schweiß-Novum zu sein scheint.

Nach kurzen Zugaberufen kamen alle dann wieder in die erdrückende Hitzeschlacht zurück. Mit „Title Of Registration“ und „Expo ’86“ wurden dann noch mal fast vierzig Minuten Death Cab For Cutie eingeleitet. Wiederum eine sehr gute Auswahl. Irgendwie wurde dadurch die Schönheit der älteren Songs an einigen Stellen unterstrichen. Als dann die Gruppe nach dem fulminanten „Marching Bands Of Manhattan“ die Bühne abermals verlassen hatte, gingen auch schon die ersten Besucher und flüchteten in Richtung „frische Luft“. Doch mit dem umwerfenden Closer „Transatlanticism“ verpassten dann einige den explodierenden Schluss. Der nicht nur im bildlichen Hintergrund agierende Schlagzeuger Jason McGerr brachte wohl am deutlichsten die tickende Bombe zum Ausdruck. Wie der Kerl bei „Transatlanticism“ auf seine Felle und Becken haute war schon beeindruckend. Das nenn ich mal „einen Song auf der Bühne leben“. Gänsehaut.

Death Cab For Cutie gaben ein gutes Konzert in Köln, jedoch bescherten die Umstände der Live Music Hall, die erdrückende Hitze und der nicht an allen Stellen der Halle ausgefeilte Sound, ein negatives Echo. Vor allem weil ich vermute, dass die Band selber mit dem Sound und den Umständen nicht ganz so glücklich war. Gibbard und Co. waren sehr redefaul und nicht gerade mitteilungsbedürftig. Es gab kaum Ansagen zwischen den Songs. Vielleicht irre ich mich auch, aber so hatte die Stimmung der Band auf mich gewirkt. Der Zuspruch und das Mitfühlen der Fans dürften aber für einiges entschädigt haben. Und beides scheint weiterhin zu steigen.

Setlist Styrofoam:
After Sunset
Microscope
Other Side Of Town
Ticket Out Of Town
Bright Red Helmet
No Deliveries List

Setlist Death Cab For Cutie:
Bixby Canyon Bridge
The New Year
Why You’d Want To Live Here
Crooked Teeth
Photobooth
Long Division
Grapevine Fires
A Movie Script Ending
Company Calls
Summer Skin
Soul Meets Body
I Will Follow You Into The Dark
I Will Possess Your Heart
Cath...
No Sunlight
The Sound Of Settling
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Title And Registration
Expo ‘86
Your New Twin Sized Bed
Marching Bands Of Manhattan
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Transatlanticism

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