Deichkind

Arbeit nervt-Tour 2009

18.01.2009 Palladium / Köln

Von: Simon Baranowski

Deichkind Köln

Nachdem Deichkind bereits gegen Ende letzten Jahres ihre Tour zum aktuellen Album „Arbeit nervt“ gestartet haben, folgt zu Beginn des neuen Jahres die Fortsetzung. Diesmal wird im Kölner Palladium Station gemacht. Durch den längst zum Kulthit avancierten Trash Dance Song „Remmi Demmi“, aber auch durch aktuelle Kracher wie den Titeltrack „Arbeit nervt“, erreichen Deichkind mittlerweile eine riesige Fangemeinde. Von jung bis alt, von Rocker bis Raver. Kleine Bühnen, Clubs und Bars sind für das aufwendige Deichkind-Paket gar nicht mehr vorstellbar. Unlängst bekannt sind die Festivalauftritte vergangener Jahre. Mit Trampolin, Hüpfburg und Bierdusche begeistert das organisierte Chaos auf der Bühne die Massen.

Zum Warmmachen werden bei dieser Tour auf einer großen Leinwand ältere Musikvideos gezeigt. Songs die jeder kennt und die schon vor Beginn zum Rumhüpfen und Tanzen animieren. Darunter befinden sich nationale Kollegen wie Das Bo oder auch die Elektroniker Egoexpress. 90er Jahre Klassiker wie House Of Pain, Beastie Boys oder Cypress Hill erinnern an die entfernte Vergangenheit. Daft Punk und Fatboy Slim an die etwas näher liegende.

Pünktlich um halb neun erblickt das voll besetzte Palladium dann die Intro-Videosequenz des Deichkindensembles. Ein nicht aufhörender Walk durch Kellergänge, Backstagebereiche und Treppenhäuser. Bis man letztendlich durch ein grelles Licht auf die Bühne tritt und hinter der großen Leinwand die Schatten von Phillip, Ferris MC und Porky erkennbar sind. Die Leinwand fällt und „23 Dohlen“ macht den Anfang. „Remmi Demmi“ folgt gleich hinterher und setzt natürlich zum ersten Höhepunkt an. Leuchtstäbe, Klamotten und Bierbecher fliegen durch die Luft. Für die Leute auf dem Balkon im Palladium wahrscheinlich ein echtes Spektakel die Masse vor der Bühne abgehen zu sehen. Die Party hat nun wirklich begonnen und man kommt selten zum kontrollierten Luftholen. Es wird gesprungen, gepogt und mitgesungen. Von wegen faul und fett, ich fühl mich gut dabei. Das ist hartes Training.

Jeder Song besitzt seine eigene Choreographie und immer wieder lässt sich die Electric Super Dance Band, wie Deichkind sich selbst im gleichnamigen Song betitelt haben, was Neues einfallen. Bei „Hovercraft“ wird ein Schlauchboot auf einem Meer aus Händen getragen, bei "Travelpussy" wird aus dem Führerhaus eines Lastwagens performed. Der Voodoopriester darf ebenso wenig fehlen, wie Sarah Walker, die den Song „Ich betäube mich“ featured. Beim Song „Computer“ erfolgt eine kleine Hommage an die Elektronikpioniere Kraftwerk, in dem nicht nur die Agierenden auf der Bühne wie Roboter wirken, sondern in dem auch ein Sample des Kraftwerk Songs „Computerliebe“ mit eingebaut wird, welches schon Coldplay zu einem Reisenerfolg verhalf. Auch wenn die Textzeile „Sanduhr! Sanduhr! Sanduhr! Sanduhr!“ eine Pause darstellen sollte, geht es ohne Rücksicht auf Verluste weiter. Es folgt wirklich ein Highlight nach dem anderen. Es gibt insgesamt wenig Aussetzer. Da erholt man sich noch von „Metro“ und „Krieg“ und bekommt direkt mit „Arbeit nervt“ wieder ein Brett vor den Kopf geschmiert. „Luftbahn“ entwickelt sich zu einem feinen Discosong, der durchaus zugänglicher für die breite Masse sein dürfte, als zum Beispiel die Saufparolen bei „Hört ihr die Signale“. Gegen Ende wird noch mal an die alte Zeit, den Höhenflug des Hamburger Hip-Hops gedacht. „Bon Voyage“ und Ferris MC`s „Reimemonster“ werden ineinander verschachtelt. Zum Schluss wird dann noch mal ans „Limit“ gegangen. Als krönender Abschluss ein „Remmi Demmi“-Vocal-Mix des Kölner Publikums. Deichkind verabschieden sich schließlich mit einer Art südosteuropäischen Volkstanz von der Bühne.

Als Resümee ist auf jeden Fall zu sagen, dass der Abend in Köln besser war, als das im vergangenen Monat stattgefundene Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk. Allein schon wegen der Einlassproblematik in Düsseldorf, war der Beginn in Köln viel entspannter. Die Stimmung erschien mir durch den besseren Sound ebenfalls hochwertiger zu sein. An der Show selber wurde wenig bis gar nichts verändert. Deichkind ziehen ihr Ding durch und der Erfolg gibt ihnen Recht. Es ist sicherlich abzuwarten wie die Gruppe mit dem wachsenden Erfolg und der wachsenden Fangemeinde umgehen wird, ob sie auf ihrem Höhenflug irgendwann mal ausrutschen werden und in wie weit sich die ersten Neider bemerkbar machen. Ferris MC scheint sich endgültig als festes Mitglied etabliert zu haben und die Verwandlung vom Solo-Ego-Protz zum eingebetteten Teilhaber des Ganzen scheint funktioniert zu haben. Vielen Dank für die Party. Mal sehn wie die nächste wird.

Setlist:

23 Dohlen
Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)
Dicker Bauch
Aufstand im Schlaraffenland
Hoverkraft
Zelle des Zorns
Sex im Kopf
Urlaub vom Urlaub
Papillion
Computer
Voodoo
Metro
Krieg
Beweg dich
Arbeit nervt
Travelpussy
Luftbahn
Ich betäube mich
E.S.D.B.
------------------------
Hört ihr die Signale
Prost
Gut dabei
Bon voyage
Reimemonster
Limit
Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)

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