Dendemann

Vom Vintage Verweht Tour 2010 - Support: DJ Maxi

09.05.2010 Zakk / Düsseldorf

Von: Simon Baranowski

Dendemann Düsseldorf

Lang lang ist`s her, da haben solche fabelhaften Kombos wie Fettes Brot, Beginner, Fünf Sterne Deluxe, Massive Töne oder sämtliche Einzelrapper wie Ferris, Falk, Afrob und Co. unglaublich großen Anteil gehabt an der deutschen HipHop Szene. Auch Dendemann gehörte damals erst mit Armer Ritter, dann mit EinsZwo und dann Solo zu denselbigen und er ist heute einer der wenigen Überlebenden dieser Bewegung, die hauptsächlich in Hamburg und in Stuttgart ihre Mekkas hatte. Während der Kollege Eißfeldt sich dem Funk-Pop-Disco-Sound gewidmet hat und zu Recht ordentlich abkassiert - stellt er doch neben Peter Fox den einzigen Popstar dar, den Deutschland zur Zeit hat - ist Dendemann seiner Linie in etwa treu geblieben. Weiterhin setzt der Hamburger auf seine unglaubliche Wortakrobatik, die Witz und Charme so paart wie kein anderer deutscher Sprechgesangkünstler.

DJ Maxi, Dendemanns Tour DJ, eröffnet mit alten Klassikern und Skits den Abend im Düsseldorfer Zakk auf seinem Plattenteller. Das erste Kopfnicken im Zuschauerraum beginnt. Stimmung will aber noch nicht richtig aufkommen. Der im Gegensatz zu seiner wirklichen Größe eher kleine DJ Maxi, versucht ohne jegliches zutun die Songs wirken zu lassen. Der Funke springt nicht über. Aber was wird auch erwartet von einem angerissenen Warm-Up DJ Set zu Beginn einer Show? Erst als die alten Hamburger und Stuttgarter Kollegen vom Plattenteller das Zakk füllen, löst sich langsam die Stimmung. So wird "Hammerhart", "Reimemonster" und "Dein Herz schlägt schneller" noch einmal gefeiert.

Was neu ist bei dieser Dendemann Tour, ist offensichtlich. Neben aufgebautem Schlagzeug links steht mittig ein Bass und eine E-Gitarre. Es war auch nicht anders zu erwarten. Dendemanns neues Album "Vom Vintage verweht" geht etwas rauer und gitarrenlastiger zu Werke. Vor drei Jahren kündigte Dendemann eine Pause an und wollte erst dann zurückkehren, wenn sich das Rad des Raps neu erfunden hätte. Nun, neu erfunden hat es keiner, also versucht sich Dendemann durch eigene Offensive und ausgeklügeltem Imagewechsel selbst in Szene zu setzen. Als wenn wir nicht schon genug Retro in der Musikbranche hätten, setzt Dendemann noch einen drauf. Mit Schnurrbart und Vokuhila-Schnitt sieht der Enddreißiger sogar noch richtig gut aus.

Seine Band kommt im passenden 80er Jahre Outfit auf die Bühne und fängt nach und nach an, den harmlos wirkenden DJ Maxi zu unterstützen. Dann tritt Dendemann endlich selbst nach vorne und erlöst alle wartenden Fans in Düsseldorf. Es folgen drei bis vier Songs als Einsteiger, die mehr oder weniger ohne Pause durchgerappt werden. Wo der gute Mann zwischendurch Luft herholt bleibt mir ein Rätsel. Erster Kracher ist der Song "Freie Radikale GbRdH". Durch den für Hiphop-Verhältnisse härteren Sound wird der DJ zur überflüssigen Person auf der Bühne - er bleibt aber dennoch anwesend. Denn neben den aktuellen Songs aus "Vom Vintage verweht" gibt es natürlich auch ältere zu hören.

Bis auf die beiden EinsZwo Klassiker "Hand aufs Herz" und "Danke, gut" werden alle Songs mit Band performt. Und selbst da zeigt DJ Maxi in Form von fehlender Durchschlagskraft gegenüber Dendemanns Sprechgesang keine gute Figur. Doch auch die Band kann in den anderen Parts der Show nicht mithalten, mit dem was Dendemann ins Mikro schießt. Für die Standmusiker hätte sich Dendemann auch Leute aus der Altstadt holen können. Null Energie, null Leidenschaft und peinlich gekünzelte Komik. Das Publikum scheint dies nicht zu stören – hier konzentriert man sich einzig und alleine auf den Frontmann mit dem Mikrofon. Bleibt ja auch nix anderes übrig. Dendemann pfeffert Hits am laufenden Band über die Boxen. Besonders die eingängigen Nummern seines Vorgängeralbums wirken. "Gut und gerne" und "Endlich Nichtschwimmer" bekommen den stärksten Applaus.

"Hört nicht auf" bildet die erste von insgesamt drei Zugabeteilen. Schon beachtlich, dass Dendemann mehr als zwei Stunden durchhält und dabei weder an Schnelligkeit verliert, noch irgendwie nach Luft schnappen muss. Als die Band zum Schluss hin vorgestellt wird, wird wenigstens widerlegt, dass die Herren auf der Bühne eingeschlafen sind. "Stumpf ist Trumpf 3.0" ist wenigstens ein Song, der in allen Teilen überzeugen kann. Andere Songs wie "O Robota" oder "Es geht bergab" lassen von der Platte her was anderes voraussehen. Dendemann reißt seine Kollegen abermals raus. Bei "Es geht bergab" dürfen sich alle hinknien, um dann gemeinsam in die Luft zu springen. Der Protagonist am Mirko animiert die Leute zum Mitklatschen und Arme heben. Von rechts nach links und zurück. So wirken die HipHop Fans zwar irgendwie lustig und man fühlt sich eher wie auf einer Bravo-Super-Show, doch man will ihnen den Spaß ja auch nicht kaputt reden. Die Stimmung ist also so gesehen sehr gut. "Kein Platz im Tourbus" und "Papierkireg" bilden den Schluss des über zwei Stunden langen Konzertes.

Ich bin froh, als ich meine Beine endlich um kurz vor zwölf hochlegen kann. Dendemanns neue Rappolitik und Klamauk kommt bei seinen Fans an. Auf jeder Party und bei den kommenden Festivals wird Dendemann sicherlich auch rocken. Bei seiner Soloshow schwankt man zwischen fehlendem Elan auf der Bühne und Baffheit gegenüber diverser Reimkunst. Ein Hin und Her, ob man denn jetzt musikalisch betrachtet sagt, dass es grottig war oder dem letzten Mohikaner Respekt zollt und mit einem schlichten "gute Party" nach Hause geht.

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