Touring The Angel 2005 / 2006 - Support: The Bravery
Im Vorfeld des Konzerts wurde viel und dabei hauptsächlich über zwei Dinge diskutiert. Zum einen waren die Fans wegen gefälschter Tickets bei Ebay in Unruhe versetzt und zum anderen war einer der meist gehörten Sätze: Hoffentlich spielen die viele alte Sachen. "Touring The Angel" ist die Tour zum aktuellen, elften Studioalbum von Depeche Mode und so sind bei den Vätern des Elektropop im Laufe der Jahre natürlich schon viele Klassiker herausgekommen. Naturgemäß tut man sich dann mit den bekannten Songs etwas leichter und verbindet mit ihnen Erinnerungen aus der „guten alten Zeit“. So viel vorwegÂ… nicht nur die Setlist war top!
Den Support des Abends liefert die New Yorker Band The Bravery. Schon bei den US-Shows der Tour spielten sie als Vorgruppe und zum Glück für die deutschen Fans machen sie das auch hier. Der Sound passt einfach zum Main Act und macht Lust auf mehr – sowohl was ihre eigenen Stücke betrifft, als auch als Appetizer für Depeche Mode. 2003 spielten sie ihr erstes Konzert und im August 2005 wurde ihr Erstlingswerk auch in deutsche Plattenregale gestellt. Insgesamt sehr zu empfehlen.
Die Zeit zwischen den beiden Auftritten wird durch Elektro-Sounds überbrückt. Im Gegensatz zu manch anderem Konzert passt auch das und wird vielfach zum Eintanzen genutzt, während auf der Bühne die Umbauarbeiten laufen. Den kollektiven Jubelschrei gibt es dann jedoch als die Lichter ausgehen, das Intro beginnt und Martin Gore, David Gahan und Andrew Fletcher die Bühne betreten. Wie auch bei der Exiter-Tour 2001 werden Farben und Effekte eingesetzt und ein Wechsel von Rot über Violett und Grün taucht die Halle in ein stimmungsvolles Licht. Martin ist komplett in Schwarz, trägt Mottoflügel und etwas auf dem Kopf, das entfernt an einen römischen Legionärshelm erinnern kann. Letztendlich sieht das für mich zwar aus wie das verrückte Huhn auf Trauer aber zum Glück geht es heute abend ja um die Musik.
Die ersten beiden Stücke des Abends sind vom neuen Album und dabei ist auch mein persönlicher Favourite "John The Revelator". Wäre dieser Song auf einem der früheren Alben erschienen, wäre er inzwischen sicherlich ebenfalls ein Klassiker. Einfach ursprünglicher Depeche Sound. David wirbelt im Anschluss zu "A Question Of Time" über die Bühne und legt dann mit "Policy Of Truth" den nächsten Hit nach. Die Menge feiert begeistert, einzig seinen Aufforderungen zum Mitsingen kommt sie noch nicht richtig nach. Mehrfach versucht er das Publikum mitzuziehen, doch das will noch nicht so ganz.
Zwischenzeitlich übernimmt Martin Gore zu "Damaged People" und "Home" das Mikrofon und David kann sich eine kleine Auszeit gönnen. So man denn von einem „Hänger“ sprechen kann, dann während dieses Abschnitts des Konzerts. Mit einigen Stunden Abstand würde ich es jedoch eher „Stimmungskonsolidierungsphase“ nennen, denn auch hier gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Dafür geht es zum Ende des Mainsets wieder richtig rund. "Reach Out – Touch Faith" aus 45.000 Kehlen hört sich einfach nur richtig geil an und bei "Enjoy The Silence" ist nahezu jeder Besucher textsicher. Sollte der ein oder andere Nostalgiker jetzt noch was zu meckern haben, dann weiß ich auch nicht mehrÂ… Den ersten Zugabeteil eröffnet Martin mit "Somebody" und Wunderkerzen brennen im weiten Rund. Nach einem kurzen Seufzer geht dann die Party mit David über "Just Can´t Get Enough" und "Everything Counts" weiter.
Depeche Mode hat heute den Unterschied zwischen teuer und preiswert aufgezeigt. Die 65 € für eine Karte sind viel Geld. Doch diese Investition lohnt sich auf jeden Fall, denn dafür bekommt man neben den nostalgischen Aspekten eine Top-Show geboten und die ist den Preis schlicht wert. Die Merchandising Preise sind allerdings jenseits von Gut und Böse und meines Erachtens einfach nur lächerlich. Doch jeder hat die freie Wahl die Phantasiepreise zu zahlen oder es sein zu lassen.
Für mich war es das Debüt in der LTU Arena und ich bin sehr beeindruckt. Tolles Stadion mit einer auch für Konzerte sehr guten Akustik und vor allem Depeche Mode die auf ganzer Linie begeistern. Die Show ist nahezu perfekt inszeniert und die Musiker gehen aus sich raus. Die Mischung der Songs ist hervorragend und lässt nahezu keine Wünsche offen. Fanherz was willst du mehr? Spitzenauftakt in das Konzertjahr 2006!
Setlist:
Intro
A Pain That I´m Used to
John The Revelator
A Question Of Time
Policy Of Truth
Precious
Walking In My Shoes
Suffer Well
Damaged People
Home
I Want It All
The Sinner In Me
I Feel You
Behind The Wheel
World In My Eyes
Personal Jesus
Enjoy The Silence
----------
Somebody
Just Can´t Get Enough
Everthing Counts
----------
Never Let Me Down Again
Goodnight Lovers