Devil Side Festival 2009 - feat. Motörhead, Anthrax, Bloodhound Gang, Clawfinger, Sepultura u.v.m.
Auf dem Papier las sich das Ganze hervorragend: ein überzeugendes Line-Up, kaum Wartezeiten, keine Überschneidungen der Bands und vor allem "ein weitläufiges Gelände". Im Landschaftspark Nord angekommen erschien vor allem hinter dem letzten Punkt ein großes Fragezeichen. Das Gelände war pünktlich zum Kick-Off gegen Mittag bereits gut gefüllt als ANTHRAX (für diese Uhrzeit stilecht in Bademänteln) das Festival mit dem "Breakfast with Anthrax" eröffneten. Ein cleverer Zug des Veranstalters, um möglichst früh die Zuschauer auf das Gelände zu locken. ANTHRAX konnten auf der Hellstage den Fans bereits gut einheizen und diese bekamen mit Hits wie "Antisocial" und "I`am The Law" die volle Metal-Breitseite.
Apropos: In gewisser Weise feierte Metal auf diesem Gelände sein großes Comeback. Das letzte Metall gabs hier zuletzt 1985, als der letzte Abstich aus dem Hochofen 5 lief. Seitdem bietet das Gelände in Duisburg Meiderich mit den ehemaligen Thyssen Hochöfen eine grandiose Kulisse, die wie geschaffen für ein Metal- und Rockfestival ist. Nach dem Kick-Off konnte man also den ganzen Tag zwischen Devilstage und Hellstage pendeln um sich ein Schmankerl nach dem anderen auf der Zunge zergehen zu lassen. Wer allerdings dabei durstig geworden ist (bei 15 Stunden Aufenthalt auf dem Gelände und ca. 28°C im Schatten bei drückendem, schwülen Wetter konnte das schon mal vorkommen) konnte etwas sparsam aus der Wäsche schauen, denn die Getränkeversorgung war alles andere als gut gelöst. So stand man dann also mindestens 30 Minuten an den Bierständen um ein schlecht gezapftes Bier (wenn denn mal Becher da waren!) mit wenig Kohlensäure von einem sichtlich überforderten und pampigen HiWi hinter der Theke entgegenzunehmen. Verlassen durfte man das Gelände während der 15 Stunden ebenfalls nicht (jedenfalls ohne nachher wieder eintreten zu dürfen), was nicht nur wegen der Getränkeversorgung, sondern auch wegen den deutlich beengten Verhältnissen auf dem Gelände ein Segen gewesen wäre. Die einzige Möglichkeit ein kleines Päuschen einzulegen bot sich nur in der Mitte des Geländes, was wiederum ok wäre, wenn sich nicht alle 20 Minuten gefühlte 6.000 Menschen von der einen Bühne zur anderen an einem vorbeizwängen würden. Um nicht missverstanden zu werden, das soll kein Bash an den Veranstalter werden, sondern nur ein Tatsachenbericht. Das Line-Up ist zweifelsohne amtlich, das Gelände ist auch top, nur waren zu viele Menschen da, respektive zu wenige Getränke. Aber weiter im Text...
MILLENCOLIN gaben gegen 14.00 Uhr auf der Hellstage ihre Visitenkarte ab. Die Schweden hatten ebenso wie ANTHRAX später am Tag einen weiteren Gig, so dass sie ungewöhnlich früh die Bühne enterten. Dem Gros der Zuschauer im Pit schien die Mischung aus "Life On A Plate" und "Pennybridge Bridge Pioneers" Tagen und dem neuen Zeug ("Kingwood", "Machine 15") gut zu gefallen. Auftrag also erfolgreich ausgeführt. Allgemein muss man sagen, dass der Sound auf beiden Bühnen immer recht gut und druckvoll war. Beklagen konnte man sich daher auch nicht bei den Auftritten von HAMMERHEAD und SODOM. Gerade letztere spielten quasi in Duisburg ihr Heimspiel und konnten mit ihrem Set die Meute überzeugen. "Remember The Fallen", "The Saw Is The Law" und "Blasphemer" wurden mit Mosh-Pits und Fanchören frenetisch abgefeiert. Die MISIFTS, allen voran Jerry Only schienen etwas gelangweilt und spielten ihren Stiefel fast teilnahmslos runter, ganz im Gegenteil zu der BLOODHOUND GANG, die mit den beiden Vorturnern Jimmy Pop und Evil Jared loslegten wie die Feuerwehr. Neben dem obligatorischen Rumgekotze und anderem Ekelzeug durften natürlich auch Nummern wie "Bad Touch" oder "F.U.C.K." nicht fehlen, die aber bei den Amis wohl eher zum Nebenprogramm gehören.
Weiter gings auf der gegenüberliegenden Bühne mit CLAWFINGER, die zu fortgeschrittener Stunde nichts anbrennen ließen. Wirkliche Neuerungen im Set gab es nicht, aber dafür Rock mit Herzblut und ordentlich Bumms. Zurecht an einem populäreren Platz als seine Ex-Band SEPULTURA durfte Max Cavalera mit SOULFLY den Headlinerposten auf der Devilstage bekleiden. An den Reaktionen des Publikums konnte man auch schnell erkennen, dass dieser Posten mehr als gerechtfertigt war. Schon beim Opener "Blood Fire War Hate" herrschte rege Euphorie, die den kompletten Gig über andauerte. Genau das richtige Warm-Up für MOTÖRHEAD, den Headliner des Festivals, in Gestalt der Rock-Mumie Lemmy Kilmister, der mit seinen Kumpels Phil Campell und Mickey Dee mit einer Stunde Verspätung loslegte. Der Headlinerposten kann für so ein Festival eigentlich nicht idealer besetzt werden, denn MOTÖRHEAD war heute abend unter den verschiedenen Metal-, Punk- und Rockfans wohl der größte gemeinsame Nenner. Lemmy, diesmal ohne Hut, aber mit Cap und seine Band haben heute Abend ein eher rockigeres Set gewählt. Nummern wie “Stay Clean”, “Bomber” “Metropolis” schlugen ein – Klassiker wie "Ace Of Spades", "Killed By Death" und "Overkill" durften auch nicht fehlen. Gerade in den Abendstunden zeigte sich das Gelände mit den beleuchteten Industriedenkmälern von der besten Seite.