Dick Brave and the Backbeats

Rock'n'Roll Therapy Tour 2011

23.05.2011 Gloria Theater / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Dick Brave and the Backbeats Köln

Kaum Werbung, keinen Presseterminen, keinen Interviews, keines veröffentlichten neuen Materials hat es bedurft, um die sechs Konzerte der Dick Brave & The Backbeats "Rock´N´Roll Therapy"-Tour auszuverkaufen. So haben sich im plüschroten Gloria Theater rund 900 Rockabilly Fans, teils im authentischen 50er Jahre Look, versammelt, um die Rückkehr von Dick Brave zu feiern. MTV-Home Moderator Klaas rekapituliert per Videonachricht Dick Braves Biografie und erzählt wie Dick vor sieben Jahren von der Bildfläche verschwand – nämlich per Flugzeugabsturz – und natürlich auch, wie er Dick in den tiefsten kanadischen Wäldern wieder aufspürte und zurück nach Deutschland brachte.

Aber es scheint, als wäre Dick Brave niemals von der Bildfläche verschwunden. Als der Vorhang 15 Minuten verspätet fällt und Dick mit seinen vier Mitmusikern zwischen den vier großen D-I-C-K-Glühbirnen-Lettern erscheint, rockt er ab der ersten Minute, als sei er nie weggewesen. Nur einen kleinen Wechsel am Klavier gab es: statt Mike sitzt nun Jungküken Falko an den Tasten, André weiterhin an der Gitarre, Matt an den Drums und Phil zupft noch immer am Contra-Bass.

Der sexy Hüftschwung von Dick sitzt wie eh und je, die Haartolle ist akurat zurückgegelt und die Koteletten perfekt rasiert. Ab dem ersten Song "Rock´N´Roll Therapy" über weitere Klassiker wie "She´s The Most" und aktuelle Coversongs wie "Just The Way You Are" von Bruno Mars, welches sogar noch besser als das Original klingt, herrscht Rock´n´Roll Feeling im Publikum. Ein Gassenhauer nach dem anderen folgt Schlag auf Schlag, kaum nimmt sich Dick Brave Zeit für ein paar Worte an das Publikum und wenn dann doch mal ein paar englische Worte den Weg ins Mikro finden, dann sind diese total vernuschelt und kaum zu verstehen...

Manchmal bedarf es nur ein paar angestimmter Akkorde von Gitarrist André und er bekommt das Publikum sofort zum Mitklatschen und Fingerschnippen wie zum Song "Sitting, Waiting, Wishing". Oder La Ola-Wellen gehen bei "Get The Party Started" durch das Publikum und bei Chuck Berry´s "Come On" stimmt Dick Brave Mitsingspielchen an. Den Mikroständer locker in der Hand geschwungen, Elvis-Posen eingeworfen, Contra-Bass (!) in der Luft gewirbelt – wir fühlen uns alle in die 50er Jahre zurückversetzt. Dick springt auf das Klavier, surft oben auf zu Duffy´s "Rolling In The Deep" – von wegen O-Ton "seven years, I can feel it on my hips...". Nicht nur der volle Körpereinsatz ist einwandfrei beim Konzert, sondern auch der Instrumenteneinsatz – Dick zaubert Mundharmonika und Tröten wie zu "Have Love, Will Travel" und "Use Somebody" hervor, um den Sound zu vervollständigen.

Auch wenn einige im Publikum bei weitem zu jung sind, um "Lover Doll" oder "Long Legged Girl" (sogar Dick muss den Text ablesen) von Elvis zu kennen, wird trotzdem mitgerockt und mitgetanzt. Die Stimmung passt, nur die Band selbst kann ihr Glück kaum fassen – André ist noch ganz zaghaft am Mikrofon und stimmt "American Idiot" von Green Day an. Das Publikum selbst hält sich weniger zurück, wenn es Lieder wie "Black And White" oder "Take Good Care Of My Baby" erkennt. Eine nette Einlage zum letzteren Song: die Band geht beim Ausklingen des Songs mit den Instrumenten immer tiefer in die Knie, während die letzten Akkorde und Töne immer leiser werden. Die Jungs haben es noch drauf... und da wird auch bereits eine Rose auf die Bühne geworfen, bevor sich die Band mit "Give It Away" zunächst verabschiedet. Zwei Zugabenblöcke à drei Songs bedarf es, um das Publikum einigermaßen ruhig zu stellen. Der Höhepunkt ist dabei eindeutig "Great Balls Of Fire", bei dem die fünf Musiker eine Art Bäumchen-wechsel-dich mit den Instrumenten veranstalten. Fast wie die Reise nach Jerusalem – derjenige der übrig bleibt, bekommt die undankbare Aufgabe am Mikro zu stehen und den Refrain ins Mikro zu grölen. Als um 22 Uhr der letzte Vorhang fällt, heißt es "Dick Brave has left the building..." - ein Schelm, wer denkt, Popstar Sasha hätte sich da gerade vom Kölner Publikum verabschiedet...

Wie wohl sich Dick Brave wieder in deutschen Gefilden fühlt, davon kann man sich im November bei der zweiten und größeren Tour überzeugen. Vielleicht ist die Band dann auch gesprächiger auf der Bühne und nicht mehr sprachlos darüber, dass sie nach sieben Jahren Pause dort anknüpfen kann, wo sie aufgehört hat.

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