Die Nacht der Rebellen

Die Nacht der Rebellen mit Claude-Oliver Rudolph feat. Die Rebellenband

23.10.2009 Alter Wartesaal / Köln

Von: Karsten Kraemer

Die Nacht der Rebellen Köln

Als "Kinskis einzigen Erben" (BamS) oder "Den Prototyp des Bösen" (Der Spiegel) haben ihn findige Feuilletonisten einst bezeichnet. Dem ein oder anderen (älteren) Kinogänger ist Claude-Oliver Rudolph bereits seit Anfang der Achtziger mit "Das Boot" oder "Rote Erde" ein Begriff, spätestens jedoch als 007-Gegenpart im Bond-Streifen "The World Is Not Enough" (1999) dürfte auch ein jüngeres Publikum, und das über deutsche Grenzen hinweg, sein markantes Gesicht kennen. Gespielt hat er auch hier den Bösewicht - was sonst. Ebenso in unzähligen Rollen an renommierten Theatern wie dem Schauspielhaus Bochum oder der Freien Volksbühne Berlin sowie in Dieter Wedels TV-Mehrteilern oder einigen ZDF-Freitagabendkrimis.

Bis April kommenden Jahres tourt der 52jährige gebürtige Frankfurter nun mit seinem Programm "Die Nacht der Rebellen", einer Mischung aus Lesung, Konzert und medialer Vorführung, durch die Republik. Laut eigener Aussage in Studienzeiten als "politischer Rebell" aktiv, der Streiks organisiert und sich mit konservativen Burschenschaftlern geprügelt hat und vor dem Hintergrund seines bisherigen künstlerischen Werdegangs also eine Besetzung, die mehr als gelungen ist.

Bereits am 9.Oktober hatte ich die Gelegenheit, bei seinem kurzen Stargast-Auftritt im Rahmen des "Pogopoesieclubs" einen Vorgeschmack auf die offizielle Premiere im Alten Wartesaal zu bekommen. Was damals im Blue Shell noch unter anderem an der fehlenden Technik (defekter Beamer) scheiterte, entwickelt sich unter dem Kölner Hbf diesmal zu einer perfekten Multimedia-Show.

Unterstützt von der "Rebellenband", einem Trio bestehend aus Gitarre/Akkordeon, Bass und Drums, die mit eigenen sowie Coversongs im 60ties Surf- bzw. Rock'n'Roll-Stil der Tarantino-Filme zwischen Rudolph's gelesenen Texten und Anekdoten für musikalische Abwechslung sorgt, hat sich der Charakterdarsteller auch (heimische) "Gastrebellen" mit ins Boot geholt - am heutigen Abend den Pop-Theaterregisseur Franz-Josef (FJ) Heumannskämper und das "Fräuleinwunder der Untergrundliteratur", Katinka Buddenkotte.

Heumannskämper wird seinem eigenwilligen Ruf vollauf gerecht und sorgt mit einer etwas seltsamen Performance für einige Schmunzler, während Buddenkotte in ihrem Text "Anschlussfehler" gewohnt humorvoll den ewig währenden Kampf der Geschlechter beschreibt und damit nicht nur die weiblichen Gäste im Wartesaal zum Lachen bringt.

Rudolph selbst rezitiert Andersdenkende wie Heinrich Heine, den bedeutendsten Dichter des französischen Spätmittelalters, Francois Villon sowie den Lyriker Jacques Prévert, aber auch Pointen von Hans Albers, vom bayerischen Räuber Kneissl und den Marx Brothers baut er in die Lesung mit ein - einzig und allein der gebürtige Andernacher und in die USA emigrierte Schriftsteller Charles Bukowski - der literarische Aussenseiter schlechthin - bleibt im Gegensatz zum Auftritt im "Pogopoesieclub" zwei Wochen zuvor diesmal leider unerwähnt.

Nach einem Kurzfilm über den französischen Gewaltverbrecher Jacques Mesrine ("Frankreichs Staatsfeind Nummer 1"), der damals als moderner Robin Hood galt, und einem Auszug aus dessen im Gefängnis verfasster Autobiographie "L'instinct de Mort" (dt. Der Todestrieb) folgt das Highlight des Abends dann gegen Ende, als kein geringerer als Jürgen Zeltinger sein wohl bekanntestes Stück "Asi mit Niwoh" mit der Rebellenband zum Besten gibt - mehr Rebell, zumindest für Köln, geht nicht.

Als Zugabe dann noch obligatorisch die fast schon schmerzlich vermisste Kinski-Parodie ("Denkst du, es macht mir Spaß, du Hund?", eine von Kinski bearbeitete Fassung eines Villon-Textes) und die rebellische Nacht endet nach zwei überaus kurzweiligen Stunden gegen 22h.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Grease - Das Musical - Köln