Dimmu Borgir

Invaluable Darkness Tour 2007 - Support: Amon Amarth, Engel

25.09.2007 E-Werk / Köln

Von: Shirin K

Dimmu Borgir Köln Ein religiöser Tanzabend in Köln: Der Himmel hatte an diesem Tag schon auf die Erde herabgeweint, und während sich seine schweren Tränen in Strömen über Köln ergossen, drängten Massen von schwarz bekleideten Metal-Jüngern ins Kölner E-Werk, um einem exklusiven Tanz- und Gesangsabend beizuwohnen und ihren Göttern zu huldigen: Amon Amarth und Dimmu Borgir, unterstützt von der schwedischen Band Engel, die kurzfristig für Hatesphere eingesprungen war. Spitze Nieten und schwere metallische Gegenstände, Morgensterne und ähnliches mussten allerdings draußen bleiben und da sah manch Metaller schon ein bisschen nackisch ausÂ…Los ging es um Punkt acht Uhr mit Engel aus Göteborg. Dass die Band ihre Wurzeln in dieser Stadt hat, hört man auch. Die Musiker, die teilweise aus dem Dunstkreis von The Haunted und In Flames stammen, waren leider ziemlich fehl am Platze und hatten ihre liebe Not damit, dass Publikum für sich zu begeistern. Sie hielten sich dennoch wacker und lieferten eine solide Show, was für ihre Professionalität spricht. Sie musikalisch auf Grund der einen Show zu beurteilen, ist allerdings schwer, zumal die Band noch recht am Anfang steht. Der Sound ist meiner Meinung nach noch ein wenig uneigenständig, und der Wechsel zwischen Gekrächze und cleanem Gesang nervt so langsam bei der Menge an Bands, die das heutzutage praktizieren. Naja, man wird sehen, ob die Engel in den Metal-Himmel hinaufsteigen können.

Nach einer schnellen Umbauphase betrat dann der erste, mit Spannung erwartete Act die Bühne: Amon Amarth, die schwermetallischen Schweden, die seit Jahren nicht müde werden, Odin und Konsorten in ihren Texten zu huldigen. Ich hatte bisher nicht die Gelegenheit gehabt, sie zu sehen und war, wie ich erwartet hatte, auch ziemlich beeindruckt von der Statur der gut ernährten Nordmannen, die bestimmt schon als Babies von blonden Müttern mit weißen, schweren Brüsten mit Elch-Salami gefüttert wurden. Sie schmetterten auch direkt „Valhall Awaits Me“ in das sabbernde Publikum hinein, das nur auf den Moment gewartet zu haben schien und nun endlich explodieren konnte. Langhaar-Wackeln, Pommesgabel-Zucken und Gröleinlagen: über eine halbe Stunde gingen Band und Publikum eine faszinierende Symbiose ein. Johan Hegg und seine Musiker verzichteten auf der Bühne auf jegliche ablenkenden Schnörkel, sieht man von dem Trinkhorn ab, aus dem Herr Hegg zwischendurch „gutes Bierrr“ trank.

Die Band hatte auf dieser Tour auf ihre übliche Wikinger-Show, die ich nur von Hörensagen kenne, verzichtet, und konzentrierte sich nur auf die musikalische Darbietung ihres Materials. Hegg und seine Mitstreiter kommunizierten lebhaft mit dem Publikum und wurden von diesem bejubelt und gefeiert. Amon Amarth sind ohne Frage eine professionelle, technisch gute Band. Mir persönlich ist die Musik zu straight und redundant. Einzig „Pursuit of Vikings“ ist ein Song, der, wenn er sich einmal durch die Gehörgänge gefressen hat, nie wieder dort herauskommt. Nicht ganz umsonst wurde er als letzter Song zum Besten gegeben. Aber ehrlich gesagt kann ich mit dem Wikinger-Gefasel nichts anfangen, diesem doch etwas rückwärtsgewandten, nordischen Machotum, das zu allem Übel auch noch einen falschen Gott durch viele falsche Götter ersetzt und insofern im religiösen Sumpf der letzten Jahrtausende stecken geblieben ist. Ich sach nur: Vallhallaho- akbar!

Immerhin watscheln Amon Amarth nicht alleine in diesem Sumpf, sondern gemeinsam mit vielen anderen quasi-religiösen Bands wie z.B. Dimmu Borgir, die an diesem Abend die Headliner waren. Das erste Mal gesehen habe ich Dimmu vor vielen Jahren in der Bonner Klangstation, als sie gerade mit „Enthrone Darkness Triumphant“ einen Überraschungshit gelandet hatten. Damals noch mit anderer Besatzung - und um einiges schlanker - schrieen Shagrath und seine Mitsatanisten ihren Zorn in die Welt hinaus und trafen damit den Nerv der Zeit (und auch meinen). Einen Papst, ein paar Alben und Döner später sind die Herren immer noch wütend (vielleicht weil sie nicht mehr so in ihre Lederhosen reinpassen), ihre Alben überproduziert und ihr Sound überladen. Es dreht sich immer noch alles um Satan, Huren, Jungfrauen und Opfergedöns (gääääääähn). Warum bin ich hingegangen? Vielleicht war es Nostalgie, vielleicht weil ich wissen wollte, wie die Band jetzt auf mich wirkt.

Der Bühnenaufbau ging sehr schleppend voran, im Hintergrund hing ein Riesenausschnitt aus dem Cover des neuen Albums „In Sorte Diaboli“ mit dem etwas albernen Tittenteufel. Als dann das Licht ausging und das bombastisch-schaurige Intro ertönte, betraten zwei satanische, Weihrauch schwenkende Hohepriester mit Flunder-Masken die Bühne (choreographisch geschickt, einer von links, einer von rechts) und Shagrath erschien dann irgendwann samt Band auf der Bühne und ließ sich bejubeln. Waren Amon Amarth von der Kleidung äußerst schlicht, so glänzten hier Nietenstiefel, Lederklamotten und Theater-Schminke um die Wette. Ich persönlich war hoch erfreut über den Anblick von Galder, dessen Old Man’s Child Alben ich immer noch sehr schätze. (Mag er noch so sehr aussehen wie aus einem Bilderband von Tom of FinnlandÂ… immerhin macht er mit seiner Mimik des schelmischen Buben die Ausdruckslosigkeit von Shagraths Gesicht wett.)

Die Band fackelte nicht lange herum und eröffnete die Show mit dem schnellen und gnadenlosen „Vredesbyrd“ aus dem „Death Cult Amageddon“ Album. Was soll ich sagen, die Band in ihrer momentanen Besetzung hat nun mal hervorragende Musiker zu bieten, die einen wegpusten können, hat man sich denn einmal auf das Theater eingelassen. Die Keyboardparts klangen zwar hier und da ein wenig zu sehr nach Weihnachtsmusik und zeitweise gab es ein wenig Gitarrenbrei, aber insgesamt überzeugten die Dimmus mit einer hervorragenden Show und einer brillanten Performance. Unglaublich schön dazu die vom alten Borkenkäfer Vortex gesungenen cleanen Parts, die – leider viel zu selten – engelhaft über die Gitarrenriffs schwebten.

Zugegebenermaßen kenne ich die meisten neuen Songs nicht mit Titel, aber freute mich über alle Maßen über den uralten, norwegischen Titel „Sorgens Kammer“, „Mourning Palace“ und „A Succubus in Rapture“, den Shagrath, der alte Don Juan, all den „beautiful girls“ im Publikum widmete. Überhaupt war Shagrath sehr redefreudig an diesem Abend, ging schön aufs Publikum ein und bedankte sich herzlich für die gute Resonanz. Vielleicht lag es am Vollmond. Recht amüsant war es übrigens, als Shagrath nach einem der Songs vergaß, seine Stimme tiefer zu schrauben und mit seiner normalen, relativ jungenhaften Stimme „thank you“ ins Mikro hauchte. Auch schön: dadurch, dass ich recht weit links stand, konnte ich mit bekommen, wie die Band zwischen zwei Songs, während eine Keyboard-Melodie das Publikum einlullte, ganz schnell hinauseilte und sich die alten Raucher erstmal schnell eine Kippe anmachten, um dann wieder auf die Bühne zu hüpfen und weiterzuspielen. Jaja, diese weltlichen Süchte der weltlichen HülleÂ…

Fazit: Satan und die ganzen anderen Ersatzgötter können mich mal, aber wenn sie Musiker zu solchen Höchstleistungen inspirieren können, sind sie wenigstens zu etwas gut. Daumen hoch für Dimmu Borgir und Amon Amarth, trotz religiöser Allüren, und ein Trostapplaus für Engel für eine solide Show.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Joe Cocker Tickets bei www.eventim.de