Tour 2009
Pearl Jam´s Frontmann Eddie Vedder sagte vor kurzem in einem Interview mit 3Sat: "Wenn wir Musiker keinen Spaß haben mit dem was wir tun, wer dann? Der Klempner? Der ist doch total gearscht!". Auf der Bühne stehen und seine Songs zum Besten geben, bereitet also Freude. Ob das auch für J Mascis gilt, weiß man nicht so genau. Woraus sollte man das auch schließen? Keine Mimik, keine Gesten, kein gesprochenes Wort. Selbst auf den obligatorischen Wink ins Publikum, zum Beispiel beim Verlassen der Bühne verzichtet er. Hoffen wir mal, dass ihm sein Konzert im Düsseldorfer zakk gefallen hat, so wie dem Großteil der anwesenden Fans. Das sympathische Kulturzentrum ist ausverkauft und kann mit Stolz echten Kult präsentieren: Dinosaur Jr. in Originalbesetzung und mit zwei richtig guten Alben seit der Wiedervereinigung im Gepäck.
Eines ist klar: Dinosaur Jr. haben sich im Jahr 2005 nicht wiedervereinigt, um hauptsächlich ihre altbewährten Songs erneut zu zelebrieren. Für diese bleibt nur wenig Raum, denn das Mainset besteht zur Hälfte aus Stücken des aktuellen Albums "Farm". Von diesem gab es übrigens einige Exemplare, die die Käufer im Rahmen einer Rückrufaktion umtauschen konnten. Durch eine Fehlpressung kam es zu übersteuerten Tonspuren, die einige Dezibel zu laut waren. Aus anderen Gründen, aber im Effekt recht ähnlich, ist auch die Musik im zakk nah an den Limits. Übersteuerung und ein etwas zu hoher Lautstärkepegel prägen den Auftritt des Trios. Der Gesang ist je nachdem wo man steht kaum zu vernehmen, was für J ebenso gilt wie für Lou Barlow, der mit "Imagination Blind" schon früh am Abend ans Mikrofon darf. Drummer Murph hat immer wieder kleinere Probleme mit seinem Schlagzeug und so dreht er oft noch an den Flügelmuttern während J Mascis schon wieder in die Saiten haut. Der Klassiker "Kracked" und das für Dinosaur-Jr-Verhältnisse melancholische "Get Me" leiten über zur schönsten Phase des Abends. Dem perfekten Duo aus "Pieces" und "Plans" folgt mit "Feel The Pain" einer der besten Songs aus der Feder Mascis´. Die Tempowechsel bringen die Fans vor der Bühne in Bewegung, die sich leider nicht auf den Frontmann selbst überträgt. Der Mann kann doch seine Mähne so schön fliegen lassen! Und nach seinem Ergrauen hat das nochmal eine besondere Note. Aber die Haare bleiben ruhig. Trösten wir uns mit einer schönen Version von "Back To Your Heart", das erneut Lou Barlow singt. Der Mann geht mit und ist in harmonischem Kontakt mit Schlagzeuger Murph. Die einzigen Ansagen stammen an diesem Abend übrigens von Barlow, der sich sogar die Mühe macht, diese auf deutsch zu tätigen wie "Nein Danke, kein Bier für mich" oder "Welches Lied jetzt?". In der Zugabe führt diese Frage dazu, dass die Band "Almost Ready" zum Besten gibt.
Mein persönlicher Höhepunkt des Abends ist das launige "I Don´t Wanna Go There" mit seinem ausuferndem zweiten Part. J´s Gitarre breitet sich mal wohlig, mal wild auf dem ihr bereiteten Klangteppich der beiden Mitspieler aus. Das war heute nicht bei jedem Song der Fall, denn Mascis schien in manchen Momenten die akustische Leidensfähigkeit seiner Zuhörer(innen) ausreizen zu wollen. So sah man manch schüttelnde Köpfe in Momenten der kreischenden Gitarre.
Ich glaube, J Mascis hat auch (oder gerade?) in solchen Momenten Spaß. Dass er manchmal scheinbar unbeteiligt in seiner Ecke steht oder wie im äußerst amüsanten Video zu "Over It" auf der Treppe schmollt, gehört doch irgendwie zu seiner Gesamterscheinung und hat ja auch was. Hauptsache Murph und Barlow müssen nicht soviel einstecken wie Ende der Achziger als es zum Zerwürfnis kam. Dann werden wir uns noch häufiger an den eigentümlichen Dinosauriern erfreuen können.