Disco Ensemble

The Island Of Disco Ensemble Tour 2010 - Support: Jaakko Jay

06.10.2010 Logo / Hamburg

Von: Jessica Franke

Disco Ensemble Hamburg

In Finnland sind Disco Ensemble schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mehrere Top Ten Platzierungen gehen auf das Konto der sympathischen Finnen und mit ihrer dritten Platte "Magic Recoveries" schossen sie sogar auf Platz 1 in den finnischen Albumcharts. Auch hierzulande hat das Quartett schon seine ausgezeichneten Livequalitäten beweisen können. Daher ist die Vorfreude umso größer, dass sie heute die Reise nach Hamburg antreten, um ihr mittlerweile viertes Album "The Island Of Disco Ensemble" zu präsentieren. Schon vor Beginn des Konzertes ist das kleine Logo gut gefüllt und es herrscht eine wunderbar ausgelassene Stimmung. Wahrscheinlich ist es das Image der Band, das dafür sorgt, dass sich heute Abend eher jüngeres Publikum hier einfindet. Zumindest scheint hier der richtige Ort zu sein, um seine Festivalbändchen und Band T-Shirts auszutragen.

Pünktlich um 21:00 Uhr betritt schließlich das Duo um Jaakko Jay die Bühne, beide ebenfalls Finnen, die nach eigener Aussage bereits häufiger mit den Jungs von Disco Ensemble auf Tour gewesen und mittlerweile mit diesen befreundet sind. Sänger und Gitarrist Jaakko ist mit einer Akustik-Gitarre bewaffnet, der andere, Jay genannt, baut entspannt ein Schlagzeug auf, das diesen Namen eigentlich kaum verdient, da es lediglich aus einer Snare und einem Becken besteht. Wer hätte gedacht, dass die beiden Finnen mit diesem minimalistischen Set derart das Haus abbrennen, dass kaum ein Auge trocken und jetzt bereits so manche Schulter nicht ungepogt bleibt. Sie präsentieren dem Publikum einen Sound, der sich wohl am ehesten mit "Akustik-Punk" beschreiben lässt, der dynamisch nach vorn geht und den Zuschauern ziemlich schnell den Schweiß auf die Stirn treibt. Ungefähr eine dreiviertel Stunde werden die Besucher mit den Songs ihrer aktuellen Platte "War Is Noise" beschallt, wofür sie schließlich von diesen auch mit enthusiastischem Applaus belohnt werden. In jedem Fall sorgen die Jungs schon mal für den richtigen Einstieg, das Logo ist mittlerweile proppevoll und es herrscht bereits jetzt eine Hitze, dass es nur so von der Decke tropft. Da kommt eine Umbaupause von 15 Minuten gerade recht. Genügend Zeit zumindest, um an der frischen Luft neue Energie zu tanken oder an der Bar gemütlich ein Bierchen zu genießen.

Um kurz nach Zehn beginnt dann endlich die sehnsüchtig erwartete Show von Disco Ensemble mit ein paar begrüßenden Worten, dann wird auch schon ordentlich Gas gegeben. Die Jungs verstehen es, dem Publikum von der ersten Minute an einzuheizen. In der Menge gibt es schon jetzt kein Halten mehr, sofort wird gepogt und mitgesungen. Das reduzierte Licht, das hin und wieder durch Stroboskop und Nebelmaschine unterstützt wird, fügt das ganze Bühnenarragement zu einem authentischen Gesamtbild, das die Fans ganz offensichtlich zusätzlich in die richtige Stimmung katapultiert. Immer wieder sucht Sänger Miikka Koivisto sowohl den Kontakt als auch die Kommunikation zum Publikum und hat leichtes Spiel, dieses zum Klatschen und Pogen zu animieren. Dass es vor lauter Hitze immer wieder von der Decke tropft scheint hier wirklich niemanden zu stören. Leidenschaftlich und mit vollem Körpereinsatz gibt man sich sowohl auf der Bühne als auch im Publikum den dynamischen Songs hin, die regelrecht eine musikalische Aufforderung zum Gröhlen darstellen. Und dieser Aufforderung kommen die Zuschauer mit Bravour nach. Zumindest zu den Refrains fliegen hier die Arme in die Höhe, der kleine Raum ist mit kollektivem Gesang erfüllt. Aber auch der ein oder andere ruhigere Song wie zum Beispiel "Worst Night Out" wird von den Zuschauern mit Begeisterung angenommen, da wird dann sogar mal ein Feuerzeug gezückt.

Nach etwa einer Stunde verlässt das sympathische Quartett zunächst die Bühne, kann sich allerdings den Forderungen nach Zugabe aus dem Publikum nicht entziehen und betritt somit schon nach kurzer Zeit erneut die Bühne, um den Fans vier weitere Songs zu präsentieren. Von Müdigkeit ist weder auf der Bühne noch seitens der Zuschauer das Geringste zu spüren. Es wird noch einmal ordentlich Gas gegeben, die Songs werden von den Fans textsicher begleitet. Um 23:15 Uhr ist dann endgültig Schluss. Dankend und sichtlich gerührt von der positiven Resonanz der Zuschauer verlassen die charmanten Finnen die Bühne und beglücken die Fans noch einmal mehr, indem sie Drumsticks und Setlists verteilen. Dass schließlich der ein oder andere Fan vor der Bühne mit glücklicher Miene sein mit Schweiß durchtrieftes T-Shirt auswringt, spricht wohl eindeutig dafür, dass es sich um einen durchweg gelungenen Auftritt handelte. Und obwohl ich mich eigentlich im Post-Hardcore und Punkrock nicht so heimisch fühle, wird mir diese explosive Show unter Garantie in guter Erinnerung bleiben.

Setlist:

Pitch Black Cloud
Drop Dead Casanova
Semi-Eternal Flame/Undo
Threat Letter Typewriter
Protector
Black Euro
Bad Luck Charm
Lefty
We Might Fall Apart
White Flag For Peace
Headphones
---------------
Bay Of Biscay
So Cold
Worst Night Out
Magic Recoveries

Und wer leider nicht dabei sein konnte oder den Abend einfach nochmal Revue passieren lassen will, hat HIER die Gelegenheit dazu (mit freundlicher Genehmigung von Bettina Zimmermann).

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