Indestructible Tour 2008, Support: Shinedown
Im Mai diesen Jahres war es soweit. Etliche Fans durften sich nach 3 Jahren auf das vierte Album „Indestructible“ der Band aus Chicago freuen. Dass alsbald eine Tour folgen würde war mehr als nur eine Hoffnung - schnell war klar, dass Disturbed im Herbst Deutschland aufmischen würden.
Hamburg durfte Disturbed gleich zweimal empfangen. Nach dem enormen Andrang zum ersten Konzerttermin erfolte die entsprechende Reaktion der Konzertagentur und ein zweiter Auftritt wurde gebucht. Am komplett ausgebuchten Abend des 14. Oktobers bildete sich bereits 30 Minuten vor der offiziellen Einlasszeit eine lange Schlange vor der Konzertvenue Docks. Rund (oder eher im Rechteck) um den Spielbudenplatz, bis hin zur berühmten Esso Tankstelle warteten die Fans auf den Startschuss.
Die Türen wurden überpünktlich um kurz vor 20 Uhr geöffnet. War die Halle zu Beginn noch eine ganze Weile halb voll, so änderte sich dies in kürzester Zeit kurz vor Spielbeginn des Support Acts Shinedown. Dass die Band bereits jahrelang im Business unterwegs waren und einige Erfahrung mit sich bringen, konnte man von der ersten Sekunde an spüren. Energiegeladen und pausenlos das Publikum anspornend taute auch der letzte und in sich gekehrteste Zuschauer auf und rockte mit. Da wurden die Hände in die Höhe gerissen und die Pommesgabel in die Höhe gestreckt. Die Begeisterung war auch nicht verwunderlich, Sänger Brent Stewart begab sich bereits nach den ersten Song auf die Boxen im Security-Graben und die Gesichtsakrobatik sowie der wilde Blick in seinen Augen strahlte die pure Energie aus. Auch die beiden Gitarristen Zach Myers und Nick Perri, sowie Bassist Eric Bass übertrugen ihre Leidenschaft auf ihre Instrumente. Wenn die drei ihre Köpfe zum Headbangen ansetzten musste man befürchten sie schlügen sich die Köpfe am Bühnenboden so tief beugten sich ihre Oberkörper. Spätestens zu dem dritten Song „Cyanide Sweet Tooth“ haben Shinedown das Publikum vollkommen in ihren Bann gezogen, zu „Forty Five“ leuchten etliche Feuerzeuge während bei „Second Chance“ gekonnt die Akustik Gitarre zum Einsatz kommt. Dann scheint das Publikum gut in Form zu sein für den Hauptact des Abends.
Währen die komplette Bühne für Disturbed ab- und wieder aufgeräumt wird, verhält sich das Publikum vorerst geduldig. Doch nach einiger Zeit werden „Disturbed“ Rufe laut. Schließlich mussten die deutschen Fans einige Jahre auf eine neue Tour ihrer Helden warten, während die Hits der Band nach wie vor auf sämtlichen Playlists in Rockclubs gern gesehen werden. Als der Banner mit dem Dämon des Indestructible Covers enthüllt wird jubelt das Publikum auf. Nach der weiteren Enthüllung des Schlagzeuges, das zu Shinedown unter schwarzem Stoff verborgen blieb, wird die Spannung fast unterträglich. Bis schließlich das Licht erlischt und die Töne zum instrumentalen Intro erklingen.
Zwei Männer betreten die BühneÂ… bzw. nur einer betritt sie wortwörtlich, denn der zweite steht in eine Zwangsjacke gepackt und einem Hannibal-Lecter-Maulkorb versehen, auf einem Schiebekarren a la „Das Schweigen der Lämmer“ festgezurrt, hereingekarrt. Doch die Schutzmaßnahmen gegen Fressattacken eines Psychopathen/Kannibalen bleiben aus, als sich herausstellt, dass es sich bei dem geknebelten Mann auf der Karre um Disturbed Sänger David Draiman handelt. Schnell befreit ihn sein „Pfleger“ aus der beengenden Zwangsjacke und auch die Maske verschwindet. Während sich Drummer Mike Wengren hinter seinem Instrument Platz nimmt, erscheinen Gitarrist Dan Donegan und Bassist John Moyer je rechts und links von David. Nahtos geht das Intro in „Perfect Insanity“ über und die Menge beweist sich von erster Sekunde an als sehr textsicher.
Die Power der Disturbed Songs schwebt in der Luft und zu „Just Stop“ und „Voices“ wird das Publikum unerbittlich gefordert. Professionell aber nicht langweilig präsentieren Disturbed neue Songs wie „Indestructible“ als auch ältere laut bejubelte wie „Deify“ oder „Ten Thousands Fists“. Apropos Fists: die Fäuste und Hände schienen untentwegs in der Luft zu sein, um die Band im Takt anzufeuern. Auch die Crowdsurfer kamen auf ihre Kosten. Nach knapp einer Stunde schweißtreibenden Programms verlassen Disturbed die erhitzte und wilde Meute.
Natürlich sollten sie nicht so leicht davonkommen und nach wenigen – den Fans allerdings endlos erscheinenden – Minuten betreten Disturbed zum zweiten Mal an diesem Abend die Bühne des Docks. Nach einer kurzen Ansage, beweist Sänger David seine Deutschkünste mit dem Versprechen nun zu jeder Wiederkehr nach Deutschland ein wenig mehr gelernt zu haben. Nach dem zweiten Zugabesong „Stricken“ stellt Drummer Mike sein Können unter Beweis. Bereits zu Beginn des Drumsolos erklingen vertraute Töne und zum Ende hin wird klar in welchen großen Hit das Solo übergehen wird. Große Begeisterung bricht aus als alle „Down With The Sickness“ erkennen. Und obwohl vielen klar wird, dass dies mit Sicherheit der letzte Song des Abends darstellen würde (oder vielleicht auch genau deshalb), bebte die Halle erneut als gäbe es kein morgen.
Die Zuschauer scheinen auch nach dem letzten Stück noch ausreichend Energie für weitere 20 Zugaben zu besitzen, doch das Konzert neigt sich unwiderruflich seinem Ende zu. Gut dass am nächsten Tag noch ein Zusatzkonzert sein sollte. Wer sich also noch nicht am 14. verausgabt hatte, konnte dies tags darauf nachholen oder erneut erleben! Ein halsbrecherisches Konzert hinterlässt Fans mit der Hoffnung, dass Deutschland das nächste Mal nicht mehr so lange auf Tourdaten von Disturbed warten muss.