The Long Way Home Tour 2010 - Support: Royal Republic
Zum ganz aktuellen Album "The Long Way Home" gibt es natürlich auch eine entsprechend große Tour, so kennt man die vier Punkrocker aus Ibbtown Rockcity (Ibbenbüren, das ist in der Nähe von Osnabrück). Dass es sich um eine absolute Tour-Band handelt, wird spätestens dadurch bestätigt, dass viele Konzerte bereits im Vorfeld ausverkauft sind. Wer die Donots schon einmal live erlebt hat, weiß auch, dass es sich lohnt, nicht auf die entsprechende Abendkasse zu spekulieren. Als Support haben sich Royal Republic aus Schweden ankündigen lassen, die den Donots bereits seit Beginn der Tour am (Punk)Rockzipfel hängen. Gitarrist Guido hat sich seinerseits extra beeilt, sich von den Folgen eines allergischen Schocks zu erholen, um das Konzert in Hannover nicht absagen zu müssen.
Wer im Sommer schon mal ein Konzert im Musikzentrum besucht hat, wird sich langsam an die Taschenkontrollen vor Betreten des Hofs gewöhnt haben, wer nicht, dem wird spätestens nach dem Betreten klar, warum: Bei tollem Wetter gibt es eine Biergarten-ähnliche Atmosphäre vor dem Club, wo Leckeres vom Grill oder frisch aus dem Zapfhahn angeboten wird. Ein Angebot, was gut angenommen wird, zumal schon vor der ersten Show im Musikzentrum Temperaturen jenseits der gefühlten 30 Grad herrschen.
Los geht’s dennoch pünktlich mit Royal Republic, und nicht nur angesichts der Herkunft fühlt man sich ein wenig an The Hives erinnert. Auch optisch, in einheitlichen schwarzen Hemden und musikalisch eifern sie ihren Kollegen spürbar nach. Dem Publikum gefällt es, die Leute stehen dicht an dicht bis zur Bühne und bewegen sich zur Musik. Der Drummer erinnert in Spielweise und Sound stark an Animal, seines Zeichen Schlagzeuger in der Muppets Show, so ist es auch kein Wunder, dass er zum Ende des Auftritts nicht nur rot angelaufen ist, sondern es außerdem auch geschafft hat, seine Hi-Hat ungewollt zu zerlegen. Macht aber nichts, alles wird schnell wieder zusammengeflickt um für das Finale wieder hinhalten zu können. Klitschnass und absolut glücklich über so viel Applaus und positives Feedback aus dem Hannoveraner Publikum gehen Royal Republic nach circa einer halben Stunde von der Bühne. Die Fans nutzen die Umbaupause um der Hitze zu entfliehen. Zwar ist die Sonne längst weg, trotzdem ist es am bisher heißesten Tag des Jahres noch warm genug um den Sommerabend zu genießen. Tja Donots, so empfängt euch Hannover!
Das Banner im Hintergrund der Bühne erinnert stark an das CD-Cover der aktuellen, ausnahmsweise mal nicht in Hannover eingespielten LP. Gerne würde ich jetzt schreiben: "Das hört man", stimmt aber nicht. Die Farben des Booklets, rot, grau und schwarz, hängen im Hintergrund und vor ihnen der Schriftzug DONOTS, während jeder Buchstabe einzeln eingehängt ist, was wiederum eine dritte Dimension ins Bild bringt. Sieht toll aus. Aber hier ist niemand zum "nur gucken" gekommen, sondern auch zum Hören. Das Intro klingt wie auf dem Album, es handelt sich um die Sprachmemo des Anrufbeantworters der Band, gesprochen vom amerikanischen Musikerkollegen Chuck Ragan von Hot Water Music. Eine originelle Idee, die jedoch vom Applaus und dem Geschrei der Fans übertönt wird, sobald die Donots die Bühne betreten.
Wie auch auf der CD geht es los mit "Changes", dicht gefolgt von der Singleauskopplung "Calling". Der Pogopit hat sich mittlerweile fast bis zur Theke ausgebreitet und es ist im ganzen Musikzentrum niemand zu sehen, der nicht wenigstens mit dem Kopf nickt und ein wenig tanzt. Dabei fällt auf, dass die Fans aus einer total unterschiedlichen Zusammensetzung bestehen: ältere, jüngere, Hemdenträger, tätowierte Skater. Umso erstaunlicher, dass alle gleichermaßen mitmachen, so etwas sieht man (leider) selten. Spaß hat auf jeden Fall jeder im Saal und spürbar auch die Band selbst. Zwischen den Songs kann Ingo, der Sänger, seine Klappe einfach nicht halten, das macht aber nichts, denn man hört ihm gerne zu, vor allem wenn er das Publikum lobt. Gegenüber dem üblichen "Ihr seid das beste Publikum-Blabla" kommen die Donots sehr ehrlich rüber. Kein Wunder, denn neben dem ganzen Jubel und Applaus für die Band wird gegenüber der Bühne extra ein Spruchband angefertigt, auf dem "The long drink home" geschrieben ist, und zum Dank gibt es von der Band das Lob "Ihr seid das Stadionkonzert auf unserer Tour". Textsicher ist das Hannoveraner Publikum ebenfalls. So holt Ingo kurzerhand einen Fan auf die Bühne, um ihm ein paar Zeilen am Mikrofon abzugeben, die trotz des mittlerweile hohen Adrenalinspiegels im Publikum und der Hitze nahezu perfekt gesungen werden. Nach dem Song geht es wieder ab in die pogende Menge und es geht weiter mit Songs wie "Stop The Clocks" und "Whatever Happened To The 80’s".
Um sich abzukühlen, bestellt Frontmann Ingo zwischendurch ein Bier an der Theke und verspricht, es selbst abzuholen. Von den Fans lässt er sich vom anderen Ende der Bühne einmal quer durchs Getümmel zum Tresen tragen und wieder zurück und das mit einem Bier in der Hand, welches sogar noch halbwegs gefüllt das andere Ufer erreicht. Alle Musiker machen einen verdammt guten Job, was absolut beim Publikum ankommt. Selbst beim Mandolin oder dem mundbetriebenen Keyboard geht den Jungs nicht die Puste aus und obwohl es mit der falschen Seite ans Mikrofon gehalten wird und man kaum etwas davon hört, ist das Publikum begeistert. Dann wird auch noch scheinbar der Verstärker von Gitarrist Guido überlastet und zerstört, aber das ist eben Punkrock. Man weiß sich zu helfen, unter anderem durch einen kleinen Hiphop-Battle von Ingo und am Ende klingt alles wieder super. Als Zugabe gibt es unter anderem den Song "We’re Not Gonna Take It", bei dem wirklich jeder mitsingt. Nachdem Drummer Eike und Bassist J.D. endgültig die Bühne verlassen haben, kommen Ingo und Guido nur mit einer Akustikgitarre und der Bitte, dass sich alle im Saal hinsetzen, ins Publikum und spielen "Superhero". Ein toller Abschluss zur Show, die das Musikzentrum so aufgeheizt hat, wie garantiert keine andere jemals vor ihr.