Gigahearts Tour - Support: Entwine, Jesus On Extasy
Zum Auftakt der Gigahearts Tour der Dope Stars Inc. in Deutschland fanden wir uns kürzlich in einem kleinen Club namens Logo etwas außerhalb des Hamburger Stadtzentrums ein. Es heißt, das sowohl Jesus On Extasy als auch die Dope Stars große Fans von Entwine seien, und das würde nun auch erklären, warum Entwine (die zugegebenermaßen für mich der Hauptgrund dieses Konzertbesuches waren) auf einigen der Konzerte dieser Tour als Goth-Metal-Brotaufstrich für ein Industrial-Sandwich ausgewählt wurden.
Erst mit reichlicher Verspätung kamen wir am Logo an und bekamen daher nur noch die Zugabe von Jesus On Extasy mit. Nach diesen einigen wenigen Tönen zu urteilen, sollte ich der Airline wohl fast ein Dankesschreiben für die Verspätung zukommen lassen, denn die Zugabe war eine eher schmerzhafte "Fast-Vergewaltigung" eines meiner Lieblingssongs von The Chameleons: Second Skin. Gut, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, und das diese sich an dem Abend eventuell nicht immer so ganz vereinigen ließen, war bei dem stilmäßig eher zusammengewürfelten Line-Up ja eigentlich schon abzusehen. Außerdem tat der Sound im Club, über welchen ich mich an späterer Stelle noch einmal auslassen werde, sicherlich noch sein Übriges, mich zu dieser Meinung zu bewegen.
Im mittlerweile gut gefüllten Saal bewegte sich die Mehrheit anfangs zwar noch etwas schleppend, als die Finnen von Entwine mit ihrem Ersatzgitarristen im Schlepptau die Bühne betraten. Der Durchschnitts-Industrial-Fan, der für die Dope Stars angereist war, konnte mit Entwine vielleicht erstmal nicht ganz so viel anfangen, da der Gig mehr oder weniger als Dope Stars Inc. + Guests verkauft und annonciert wurde. Aber wir sollten uns noch wundern, denn innerhalb weniger Minuten gelang es der Band um Frontmann Mika das gesamte Publikum in ihren Bann zu ziehen. Und die Herzen der nur wegen Entwine angereisten Fans hatten sie ja sowieso schon gewonnen.
Der erste Gig der einwöchigen Deutschland-Tour von Entwine, die sie übrigens auch zum Wave-Gotik Treffen in Leipzig führte, war auch die Premiere für Ersatzgitarrist Janne, den sich die Band von den finnischen Uniklubi-Kollegen mal eben ausgeborgt hatte, da ihr eigener Gitarrist Jaani aus persönlichen Gründen in dieser Woche nicht spielen konnte. Für manche der Fans vielleicht weniger gute News, wolten sie "ihre" Band doch lieber komplett sehen, aber die meisten nahmen das eher spezielle Ausnahme-Line-Up äußerst positiv auf. Und zu Recht, denn Janne, der mit diesen Shows mehr oder minder ins kalte Wasser geworfen wurde, leistete fantastische Arbeit. Er war anfangs schon ziemlich nervös, brauchte aber nur kurze Zeit um aufzutauen und man konnte verfolgen, wie er von Song zu Song sicherer wurde. Entwine klangen zwar immer noch wie Entwine, aber mit seinem Spiel drückte er der Band seinen persönlichen härteren und rockigeren Stempel auf, und speziell die Gitarrensolos in Break Me und dem letzten Song, Refill My Soul waren einfach nur Sahne :)
Die Songauswahl des Abends war eine Mischung aus Fatal Design und diEversity, aber auch je ein Track von Gone and Time Of Despair fanden sich auf der Setlist wieder. Mika war wie immer kaum zu halten, diesmal auch textsicher, und zog sich wohl nicht nur wegen der Hitze im Logo mehr und mehr aus. Die Jägi-Flasche als mittlerweile fast 6. Bandmitglied durfte auch nicht fehlen, genausowenig wie Mika’s Aktionen, seine Bandkumpels hier und da etwas zu necken. Drummer Aksu wurde wie immer geduscht, und da Jaani für die Knuddeleinlagen zwischendurch nicht zugänglich war, machte sich Mika dann halt einfach an Rookie Janne zu schaffen, welcher zum Abschluss auch noch den guten Teil einer Wasserflasche in die Klamotten gekippt bekam. Normaler Service also ;)
Um dem Ende einmal kurz vorzugreifen, kann man auf jeden Fall ohne zu lügen behaupten, dass Entwine das größte und auch begeisterteste Publikum des Abends das ihre nennen konnten, zum trotz dass sie vom Musikstil her bei dem Line-Up eher der Außenseiter waren.
Schon nach kurzer Umbaupause standen die Headliner des Abends, Dope Stars Inc., auf der Bühne. Sänger Victor Love schien im Kontrast ein nicht ganz solches Energiebündel zu sein, wie der Herr der vor wenigen Minuten noch das Mikro in der Hand hielt, aber das war bei der Größe der Bühne auch nicht unbedingt notwendigÂ… Seit vor nicht allzulanger Zeit Keyboarder Grace Khold die Band verließ, (sehr zum Missfallen einiger Fans, wie es scheint, auch wenn man ja "eigentlich gar nicht" nicht nach dem Aussehen geht) komplettiert Gitarrist La Nuit seither das offizielle Line-Up des Quartetts aus dem sonnigen Italien. Zur Verstärkung wurde für die Liveauftritte der Gigahearts Tour noch ein Herr namens Noras Blake für die Keyboards engagiert, welcher sowohl optisch als auch vom Zusammenspiel her bestens in die Band passte.
Wie schon vorher erwähnt, Geschmäcker sind ja verschieden, und während ich mich mit DSI auf CD durchaus noch anfreunden kann – in diesem Club ging's einfach gar nicht (da half auch Bassist und Mädchenschwarm Darin mit Gitzerschal als optisches Sahnehäubchen nicht mehr viel). Was aber nicht unbedingt als Kritikpunkt an der Band aufzufassen ist, denn qualitativ gesehen war die Show echt in Ordnung. Nur ist das Logo für Bands in diesen Lautstärkebereichen einfach nicht gemacht. Der Sound in diesem Club war generell eher bescheiden, auch bei Entwine, aber da diese doch eine Nummer weniger Krach produzierten, war es auszuhalten. Bei DSI halfen dann auch keine Ohrenstöpsel mehr, es war einfach nur noch schmerzhaft für die Ohren. Dies könnte dann auch einer der Gründe dafür gewesen sein, dass das selbst zu Anfang für einen Headliner schon recht spärliche Publikum im Verlauf des Konzerts immer und immer weniger wurde, bis letztendlich grade noch 2 bis 3 Reihen an Fans übrig blieben.
Die Setlist der Dope Stars bestand aus einem gut verteilten Mix der beiden Alben Neuromance und Gigahearts, und die Menge schien speziell bei alten Favoriten wie Rebel Riot und Make A Star mitzugehen. Ansonsten war mir persönlich das Ganze aber wie gesagt doch zu laut und mit der Zeit auch etwas zu eintönig. Für mich stand dann eher Can You Imagine aus dem Set heraus, da es im Vergleich ein doch eher ruhiges und melodiöses Stück ist, welches von der unangenehmen Akustik im Raum auch nicht gänzlich runiert werden konnte.
Der Auftritt der Italo-Industrialer blieb dennoch relativ kurz und um eine Zugabe wurde auch nicht gebeten – folglich gab es auch keine. Ob der Grund dafür nun widerum einfach nur fehlende Zeit war, oder ob das Konzert nicht den erwarteten Zuspruch fand – darüber kann man sich streiten. Fakt ist, dass die wenigen Leute, die letztendlich noch im Publikum verweilten, durchaus eine gute Zeit zu haben schienen und sich an dem Lärmpegel offenbar weniger störten. So richtige Fans halt! ;)
Setlist Entwine
Out of you
Surrender
Chameleon halo
Someone to blame
Bleeding for the cure
Still remains
Frozen by the sun
Bittersweet
Time of despair
Break me
Fatal design
Losing the ground
****
Refill my soul
Setlist Dope Stars Inc.
Beatcrusher
Bang your head
Rebel riot
Make a star
Play 'n' kill
Citizen Xt99
Lost
Theta Titanium
Can you imagine
Self destructive corp.
Defcon 5