Doro

Jubiläumskonzert - 25 Jahre Doro

13.12.2008 ISS Dome / Düsseldorf

Von: Ingrid Silvasi

Doro Düsseldorf

Doro Pesch – seit 25 Jahren Deutschlands erfolgreichste Exportschlagerin, was Heavy Metal betrifft. Nicht umsonst ist sie unsere "Queen of Metal" und daher nur selbstverständlich, dass dieses 25jährige Bühnenjubiläum gebührend gefeiert werden muss. Bereits vor einem Jahr im Dezember 2007 kündigte sie dieses besondere Konzert beim Christmas Metal Meeting in Düsseldorf an und nun ist es endlich so weit: Doro rockt den ISS Dome in ihrer Heimatstadt und es soll eine Riesenparty mit befreundeten Musikern und ihren Fans werden. Drei Vorbands hat die kleine Lady geladen, so dass der 50-Euro-Abend recht früh um 17 Uhr mit Holy Moses beginnt, gefolgt von Leaves` Eyes. Leider verpassen wir beide Bands aufgrund recht chaotischer Organisation mit unseren Pressezutritten. Eisig pfeift der Wind um den ISS Dome während wir auf unsere Einlassgenehmigung warten. Pünktlich zu Arch Enemy können dann wir Teil des Spektakels werden: mit nur fünf Songs bieten die Schweden um die Kölner Sängerin Angela eine knackig-kurze Show, geballt mit kräftigem Grunzen und Fauchen und leider viel zu schlechtem Sound. Kompletter Tonausfall auf der rechten Seite während des ersten Songs lässt die Band nicht unbedingt vor Enthusiasmus und Motivation trotzen...

Ex-Boxsportlerin Regina Halmich kündigt ihre enge Freundin Doro an und gibt die Bühne frei für fast drei Stunden Show. Das, was an Bühnendeko und Lichttechnik bei den drei Vorbands eingespart wurde, wird dafür bei Doro umso großzügiger eingesetzt: eine aufwändige Bühnendeko im Ruinen-Look, ein beweglicher Riesen-Warlock hinter den Drums, viele Kerzen, Lichtkegel, Feuerfontänen und Feuerwerk runden neben Doros tollem Bühnenoutfit im lederähnlichem Look und Schnallen-Top mit tiefen Einblicken das Optische ab.

Mit zahlreichen Gastmusikern sorgt Doro für den optimalen Ohrenschmaus. Kleine Soundprobleme wissen wir zu entschuldigen. Schade jedoch, dass viele ihrer Gäste wie Warrel Dane von Nevermore, Chris Boltendahl von Grave Digger nicht optimal zu hören sind. Pechvogel des Tages ist wohl Axel Rudi Pell, der beim Abgang von der Bühne mit seiner Gitarre voll ausrutscht und sich auf die Nase legt...

Viel hält sich Doro während der Show auf einem in der Mitte angeordneten Laufsteg auf und feuert ständig ihr Publikum durch ihre typischen Handbewegungen zum Mitklatschen an. Das Publikum scheint jedoch oft sehr verhalten – die Tribüne der ISS Dome ist nur halb gefüllt und die Wellenbrecher im Innenraum verteilen das Publikum, um eine gewisse Fülle vorzutäuschen.

Ihre neue Single "Herzblut", die am Tag vor dem Konzert erschienen ist, verspricht eine Hit-Ballade wie "Für immer" zu werden und das kleine Frauenchaos auf der Bühne bei "Celebrate" in der Full Metal Female Version u.a. mit Liv Kristine (Leaves` Eyes), Sabina Classen (Holy Moses), Floor Janssen (After Forever), Veronica Freeman (Benedictum) und Ji-In Cho (Krypteria) ist recht spaßig anzuschauen. Absagen musste U.D.O. leider sein Duett mit Doro zu "Breaking The Law", da er sich in Russland aufhielt.

Setlistmäßig bietet Doro kaum Überraschungen – die großen Hits, die sie immer wieder bei ihren Konzerten singt, sind auch bei diesem Jubiläum Doros Favoriten. Schade... wie wäre es mal mit einem Song von "Angels Never Die"?

Welch hochkarätige Kollaborationen Doro augenblicklich auf die Beine stellt, zeigt sie uns allen mit ihrer Perfomance mit Tarja Turunen, die mal nicht Sopran schmettert, sondern zu "Walking With An Angel" mal die Rockröhre einsetzt. Zum Ausgleich rockt Doro auf Tarjas neuer Platte, so dass "The Seer" an diesem Abend auch nicht fehlen darf – DAS ähnelt allerdings eher einem ziemlichem Gejaule. Bleibt zu hoffen, dass sich das Ergebnis auf Platte besser anhört.

Der erste gemeinsame Auftritt mit Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions wirkt seitens Doro etwas unsicher. Sie scheint sichtlich nervös, hat die Songtexte der beiden Songs "Big City Lights" und "Rock You Like A Hurricane" vor den Monitoren auf dem Boden kleben, dreht aber so richtig erst beim Chorus auf. Sie wird von Klaus Meine glatt an die Wand gesungen...

Und dann der Moment auf den viele gewartet haben: die Vorhänge fallen zu, ein Warlock Videoeinspieler auf repeat wird auf den Monitoren gezeigt bis die Bandbesatzung von 1986 bereit ist mit Doro abzurocken. 'Das waren wir 1986', kündigt Doro die Band an. Niko Arvanitis und Rudy Graf an den Gitarren und Michael Eurich am Schlagzeug werden von Doro-Basser Nick Douglas an sechs Songs unterstützt. Die drei Warlocker sind schnell erschöpft, lassen sich aber ausgiebig vom Publikum feiern.

Der Höhepunkt des Abends scheint jedoch "All We Are" zu sein - als letzte Zugabe werden alle Künstler des Abends auf die Bühne gebeten und performen im Papierschnipselregen mit Doro ihren wohl größten Erfolg. Vor allem Liv Kristine, Tarja Turunen, Sabina Classen und Floor Janssen singen an vorderster Front mit was das Zeug hält. Vor Doro kniend zollen die Künstler auf der Bühne der kleinen Lady am Ende des Songs Tribut und das obligatorische Gruppenfoto zum Ende des Konzertes und das Foto mit dem Publikum dürfen natürlich auch nicht fehlen. Herzlich und fannah wie Doro ist, lässt sie es sich auch nicht nehmen beim Abgang von der Bühne noch einige Autogrammwünsche am Rande der Bühne zu erfüllen und im weißen Bademantel freudestrahlend die Bühne zu verlassen.

Unnötig in die Länge zogen die drei Vorbands den Abend und für Stimmung schienen diese Bands auch nicht zu sorgen – ein Support-Act hätte völlig gereicht, um Doros Gig nicht völlig schlapp und ermüdet erleben zu müssen. Außerdem hätte ich mir lieber ein ausverkauftes Konzert in einer überfüllten Philippshalle gewünscht, dafür aber mit einem besseren Sound und einer Mega-Stimmung – so, wie Doro es eigentlich verdient hätte. Denn trotz leisem "Happy Birthday"-Gesang für Doro aus dem Publikum war DAS keine gebührende Feier.

Mit dem Bus fuhren wir nach dem Konzert zurück zum Düsseldorfer Flughafen und so richtig hat sich niemand der Fahrgäste über das Konzert ausgelassen... ob die Gedanken wohl beim hohen Ticketpreis hingen, der sich für diesen Abend nicht so recht gelohnt hatte? Oder die Erwartungen vieler lagen in Folge von ständiger Vorberichterstattung und großer Werbung für so ein besonderes Konzert extrem hoch und wurden nicht ganz erfüllt...

 

Setlist:
- Earthshaker Rock
- Rule The Ruins
- You Are My Family
- Night Of The Warlock
- Hellraiser
- Always Live To Win - feat. Bobby Blitz (Overkill)
- Above The Ashes
- She´s Like Thunder
- Herzblut
- Für immer
- Burn It Up - feat. Jean Beauvoir und Fire Dancers
- Metal Tango, Drum Solo
- Celebrate (Full Metal Female Version)
- Love Me In Black - feat. Fire Dancers
- Walking With An Angel - feat. Tarja Turunen
- The Seer - feat. Tarja Turunen
- East Meets West – feat. Chris Boltendahl (Grave Digger) und Axel Rudi Pell
- Breaking The Law
- Big City Lights - feat. Klaus Meine und Rudolf Schenker (Scorpions)
- Rock You Like A Hurricane - feat. Klaus Meine und Rudolf Schenker (Scorpions)
-------------
WARLOCK
- Fight For Rock
- Burning The Witches
- All Night
- Midnight In China
- True As Steel - feat. Warrel Dane (Nevermore)
- Hellbound
-------------
- Warrior Soul
- Unholy Love - feat. Honza
- Fight
- All We Are (All-Star)

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