Bis Auf Den Grund Tour 2010
Kurz bevor wir uns selbst in den Mai entlassen, ist es für Dota & Die Stadtpiraten an der Zeit uns mit "Bis Auf Den Grund" zu nehmen. Keine Frage, dass ein neues Album auch eine neue Tour rechtfertigt, zumal es immer ein Erlebnis ist, die Frau mit der Pferdehaar-Struktur, dem charmanten Lächeln und extravaganten Tanz gepaart mit wunderbar lyrischen Texten auf der Bühne zu erleben. So auch heute abend im schönen Bahnhof Langendreer in Bochum. 2006 tourten Dota und ihre Stadtpiraten noch durch Russland, 2009 durch Neuseeland und Samoa.
Während die Liederfee im Vorprogramm solo um die Gunst des Publikums klampft, von Herzen a la Lenkdrachen erzählt und selbstbewusst ihre Liedchen trällert, hat Dota gleich die ganze Piraterie mit an Bord. Mit an Bord auch das neue, inzwischen schon achte und in Eigenregie veröffentlichte Album "Bis Auf Den Grund", das im Laufe des Konzertes aber mehr zur Nebensache gerät. Musik liegt in der Luft und im Mittelpunkt; und so gibt es einen mehr als zweistündigen Abriss der Chroniken der Kleingeldprinzessin. Ihren Spitznamen hat sich Dota Kehr übrigens auf ihren Reisen durch die grosse weite Welt erworben, bei denen sie als Straßenmusikerin ihre Sprachschönheiten gegen Kleingeld zum Besten gab.
Ein Musikshake aus langsamen und rasanten Tönen, aus Bossa Nova, Jazz, Folklore und Swing; aber bis auf wenige Male immer nur in Moll. Doch die Dame, deren Heimat inzwischen wieder Berlin geworden ist, strahlt keineswegs ein Moll-Leben aus, vielmehr propagiert sie mit ihrer Ausstrahlung eine Daseinsberechtigung in Dur. Zwischen rein lyrischen Ergüssen trumpfen vor allem die Stadpiraten durch überragende musikalische Leistung auf, sodass es gar nicht auffällt, dass diese Banausen längst nicht mehr in ihrer Urbesetzung entern. Zwischen heiteren Tanznummern wie dem aktuellen "Ohrsteckermädchen" oder dem etwas älteren "Menschenklone" gibt es auch was für das Herz und mit "Mittelinsel-Urlaub" auch etwas für all die Daheimgebliebenen, denen statt schöner Töne bis vor kurzem nur Asche um die Ohren gesaust ist.
Natürlich liegt es da nahe, dass man auch nach über zwei Stunden lyrischer Leckerbissen den Hals nicht voll bekommen kann; doch auch diese Überseefahrt muss irgendwann ein Ende finden, was sie auf ihrem Höhepunkt dann leider letztlich auch tut.