Inhuman Rampage Tour 2006 / Support: Firewind
DragonForce sind dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Köln - ständig on tour, so scheint es bei dieser Band.... Vormals im Februar als Support-Act für Edguy in der Live Music Hall, diesmal im Underground. Zwar ist die Location damit kleiner, allerdings sind DragonForce diesmal – zum ersten Mal in Deutschland – Headliner!
Während das überwiegend männliche Publikum im Nieselregen draußen ansteht, gesellen sich die Gitarristen Herman Li und Sam Totman zu einigen Fans in den Nebenraum des Underground, um an der Playstation 2 am Guitar Hero gegeneinander anzutreten. Autogramm- und Fotowünsche werden bereitwillig erfüllt. Ich schenke mir die Performance des griechischen Support-Acts Firewind größtenteils, denn ich finde es interessanter als eine der wenigen Frauen an der Playstation 2 im Guitar Hero gegen Sam anzutreten. Hey... wer kann schon von sich behaupten mit Sam Totman Gitarre gespielt zu haben? Er erkennt mich vom kurz vorher geführten Interview wieder und verspricht lachend einem Fan „I´m gonna kick her ass!“. Gar nicht so einfach an den Plastikgitarren mit den farbigen Knöpfen zu hantieren, da sogar die Grundkenntnisse im Gitarrenspiel über Bord geworfen werden mussten. Sam gewinnt natürlich haushoch, was sicherlich nicht am Songtitel liegt (Strutter von Kiss – seine Wahl!), sondern meiner Meinung nach an der Tatsache, dass im Tourbus bereits geübt werden konnte! Das Ergebnis unseres „Battles“ ist bald unter hier zu bewundern.
Kölschtrinkend sehen wir uns dann gemeinsam die letzten Songs von Firewind an. Melodisch angehauchter Powermetal, technisch sicherlich nicht DragonForce´s Level gleichzusetzen, jedoch für Mädels genau wegen des angenehmen Tempos und der attraktiven Bandmitglieder zu empfehlen.
Kurz vor 22 Uhr ist es für DragonForce dann so weit. Nacheinander betreten die sechs Bandmitglieder (der Tour-Bassist ist dabei) die winzige Bühne mit dem kleinen Podest und das „Schreddern“ kann direkt mit „Black Fire“ beginnen! Schon bei diesem Lied beweisen Herman und Sam, dass ihnen in Sachen Schnelligkeit und Technik auf der Gitarre so schnell niemand das Wasser reichen kann. Durstig wird vor allem Sam schnell, der sich immer wieder an den Flaschenhaltern am Mikroständer mit Hilfe eines Strohhalmes mit Kölsch stärkt.
Kleine Lobeshymne seitens Sänger ZP auf Deutschland: “It´s not until you get back to Germany that you know that fucking metal will never die in this place”, was mit großem Jubel honoriert wird. Wie Recht er doch hat.... Daraufhin lässt er sich zur aktuellen Single “Operation Ground and Pound“ vom Publikum anfeuern. Als Kontrast zu ZP´s hohen und klaren Stimme faucht der Bassist bei diesem Song nur so ins Mikro. Plötzlich stellt die Band nach einem Chorus das Spielen ein und Sam zieht über die Sangeskünste des Publikums her und ist hart im Verteilen: „This sucked!“. So feuert ZP das Publikum erneut an und singt den letzten Chorus des Songs mit den grölenden Fans zu Ende.
Die durchweg langen Lieder überzeugen durch ihre hervorragende und ausgedehnte Soli und schnellen Drums, doch es ist endlich Zeit für eine Ballade und ZP verlangt nach Feuerzeugen. Die erste Verschnaufpause für unsere Ohren und „Trail of Broken Hearts“ wird zum Besten gegeben. Es ist etwas ungewohnt, melodische und langsamere Gitarrenklänge von DragonForce zu hören, andererseits unterbricht dieser Song die recht eintönigen, wenn auch technisch hochwertigen „Schredder“-Songs. Die Band zieht ab, um nun Keyboarder Vadim die Chance zu geben, sein Können zu beweisen, was in schneller Videospielmusik ausartet. Bildlich sehe ich bereits Mario Bros. durch das Underground hüpfen...
In gewohnten Klängen geht es mit „Soldiers of the Wasteland“ weiter. Ein Bild für die Götter ist vor allem Sam, der mit seinen Grimassen und wildem Zucken mich am meisten begeistert. Immer wieder stellen sich Herman und Sam auf das kleine Podest, um samt Gitarre in akrobatischen Positionen von der Anhöhe auf die Bühne herunter zu springen.
Mir scheint das Publikum manchmal gehemmt und nicht schnell genug auf Witze und Kommentare seitens der Band zu reagieren - vielleicht liegt dies an der Sprachbarriere, denn nicht immer sind die Bandmitglieder mit ihren starken Akzenten und ihrem Slang einwandfrei zu verstehen, zudem steigt der Alkoholpegel vor allem bei Sam an und lässt ihn noch mehr nuscheln. Lachend bekommt Sam von den anderen Bandmitgliedern Mikrofonhiebe über seine beginnend kahle Haarpracht.
Eine Abkühlung gefällig? ZP, der sich mittlerweile mit verschwitztem, nacktem Oberkörper auf der Bühne präsentiert, sorgt für eine frische Brise, indem er wie eine Fontäne Wasser auf das Publikum spuckt und seine Evian-TetraPaks und Wasserflaschen über den ersten Reihen ausleert. Sogar seine Kollegen versorgt er mit kühlem Nass und hält ihnen Bierflaschen an den Mund. Mit „My Soul will go on“ laufen DragonForce nochmals zur Höchstform auf, bevor sie dankend die Bühne verlassen. Jedoch fehlt noch der Höhepunkt der Show und die Band wird mit DragonForce-Rufen auf die Bühne zurückgeholt. ZP unterteilt das Publikum nun in zwei Seiten – laut Sam in „the cool side“ (natürlich seine Seite) und „the gay side“ (Hermans Seite) – und gegenseitig feuert sich das Publikum zu „Through the Fire and Flames“ an. Und endlich: der erste Hit der Band „Valley of the Damned“ folgt, kaum eine Kehle, die nicht lauthals mitsingt. Gibt es irgend jemanden, der nicht ohne ein Dauergrinsen das Underground nach diesen Gitarrenstrotzenden 90 Minuten verlässt?
Einige Bandmitglieder mischen sich nach dem Konzert unter die noch übrig gebliebenen Fans und staunen nicht schlecht, als Stone Sour von der Live Music Hall ins Underground kommen, um in der Bar noch Tischfussball zu spielen und DragonForce zu begrüßen. Sam ist begeistert „THEY are coming to see US! This means WE are COOL!” und nippt wieder an einer Flasche KölschÂ… Schön zu sehen, mit welch kleinen Dingen ein solcher Rockstar noch zu erfreuen ist!