Dream Theater

Chaos in Motion World Tour 2007 / 2008, Support: Riverside

16.06.2007 Museumsmeile / Bonn

Von: Ingrid Silvasi

Dream Theater Bonn

Hübsch zwischen Kunstmuseum und Kunst- und Ausstellungshalle gelegen, widerfährt dem Konzertgelände an der Bonner Museumsmeile ein Prog-Stelldichein der Extraklasse. Regenschauer und eitel Sonnenschein wechselt sich noch beim Soundcheck vor 16 Uhr ab. Dream Theater sind bereits vor Ort, spielen sich warm und lassen danach ihren Support ans Stimmen der Instrumente und Ausrichten des Sounds.

Die Vier-Mann Kombo Riverside ist wohl selbst überrascht wie positiv und begeistert ihre Musik vom Publikum aufgenommen wird. Unverschnörkelt und nichts pompöses - so gestaltet sich die Musik der New Artrock Band aus Polen. Melodische Gitarren vermischt mit langen instrumentalischen und keyboardlastigen Passagen. Hier und da etwas langweilig, weil nicht so viel "rumgefrickelt" wird wie bei Dream Theater, jedoch deswegen sicherlich nicht qualitativ schlechter, sondern ruhiger und Pink Floyd ähnelnd.
Sänger und Bassist Mariusz wirkt mit seinen Bandkollegen etwas schüchtern und angewachsen auf der großen Bühne. Die Band spielt Stücke wie "Out Of Myself" und "Second Life Syndrome" der 2003 und 2005 erschienen Alben und begeistert auch mit neuen Stücken der geplanten neuen Platte.

Als Abschluss perfekt: "The Curtain Falls". Nacheinander verlassen die Bandmitglieder die Bühne, Gitarrist Piotr, danach verbeugt sich Mariusz am Bühnenrand vor dem Publikum und hält seine rechte Hand dabei auf sein Herz. Tolle Geste, die entsprechend mit Applaus honoriert wird. Drummer Piotr in seinem Celtic Frost Shirt überlässt dem Keyboard die Schlusstakte, bis auch Michal die Bühne verlässt. Schade, all die Rufe nach einer Zugabe gehen im Abbauen der Instrumente unter. Kratzen Riverside etwa am Prog-Thron von Dream Theater?

Als vom Band ein Cello-Intro à la Hitchcock-Thriller läuft, welches das große Spektakel ankündigt, starren wir alle noch gespannter zur Bühne. Und da ist es - das unverkennbare Dream Theater Intro von "Ouverture 1928". Ich vergöttere diese Staccato-Riffs, die ich schon den Vormittag des Konzertes über im Ohr habe. Der anschließende Übergang in "Strange Deja Vu" kündigt ein vielversprechendes Konzert an, obwohl anzumerken ist, dass Frontmann James LaBrie auch stimmlich ins Alter gekommen ist. Drum-Oktopus Mike Portnoy überrascht mit blauem Goatie-Bart, trägt seine obligatorische Kappe und sieht mit der Brille noch sympathischer aus als sonst! Hinter seinem Monster-Schlagzeug sitzt versteckt ein Roadie, der Mike das bewegliche Mikro zu seinen Gesangseinlagen nach vorne schwenkt.

Nach "Panic Attack" erste Begrüßung von James - "The weather is with us, the evening is with us, are you with us?" - klar! Wenn der Meister ruft müssen wir uns nicht zweimal bitten lassen und die neuen Songs "Constant Motion" - James´ "neue" Vocals werden sehr gut angenommen - und "Forsaken" des jüngst erschienenen Albums "Systematic Chaos" werden bereits mitgesungen.

Und dann folgt die Ansage, mit der wohl kaum jemand gerechnet hat - viele sich vielleicht aber gewünscht haben. 15 Jahre ist es nun her, dass Dream Theater das Album "Images And Words" veröffentlichten und zur Feier des Tages kündigt James nichts geringeres an, als das komplette Album zu spielen - und dies auch nur in ausgewählten Städten dieser Tour (wie bereits vormals Anfang Juni in Italien)! Zwei Mädels vor mir kriegen sich vor Freude kaum ein und endlich kommt Schwung in die Bude, kaum eine Kehle, welches das Erfolgsalbum nicht auswendig mitsingen kann.

Bassist John ist seriös und professionell wie immer, lässt sich während seines Fingerpickings nichts anmerken, keine Gefühlsregung, nichts. James ist da fast ähnlich - schlecht abzuschätzen, ob er nun gelangweilt sein Programm abspult oder einfach nur konzentriert bei der Arbeit ist. Portnoy hingegen hat mittlerweile seine Kappe abgenommen und glänzt mit seiner verschwitzten Haarpracht und seinen Drumkünsten. Immer wieder wirft er während seines Spielens die Drumsticks in die Luft oder sogar gezielt in die Hände seiner Fans. Er hält aktiv Kontakt zum Publikum, ruft diesem zu, feuert es mit den Drumsticks zum Klatschen an. Flitzefinger Petrucci wechselt zwischen seinen eigens für ihn angefertigten Music Man Gitarren, welche er eng am Oberkörper hält und so den kleinen Bauchansatz gut kaschieren kann. Nicht nur seine muskulösen Oberarme, sondern auch seine Technik an der Gitarre begeistert. Flitze Finger beweist auch Jordan, der sich immer wieder mit seinen Keyboards dreht und so alle Fans im Blickfeld hat. Auf den Einsatz seines neuen und auch aufgebauten Fingerboards warten wir jedoch vergebens.

Besonders hervorzuheben sind "Surrounded", welches mit einer Einlage von Marillions "Sugar Mice" glänzt und das Gänsehautintro von "Wait For Sleep" mit dem Keyboardsolo von Jordan nur mit James am Mikro. Unter tosendem Applaus geht es danach in den letzten Song "Learning To Live" von "Images And Words". Brav bedankt sich James auf Deutsch - "Dankeschön, take care!" und leitet damit laute Zugaberufe ein. Jordan betritt zuerst erneut die Bühne, Mike hingegen löst Begeisterung schlechthin aus: er hat sich umgezogen und erscheint im Deutschland-Trikot und steht mit einem Feuerzeug bewaffnet hinter dem Schlagzeug, um "Spirit Carries On" anzustimmen. James schnappt sich für seine Gesangspausen eine Schelle und überlässt Petrucci den Lichtkegel in der Mitte der Bühne für sein Solo. Basshaltig und heavy beendet der eher eingängige als technisch versierte Song "As I Am" vom "Train Of Thoughts" Album das zweistündige Konzert. Nochmals Haare geschüttelt, bevor das Konzert recht früh um 21:15 Uhr endet.

Eindeutig ein klasse Konzert mit einer einmaligen Setlist, welche wohl alle zufrieden gestimmt hat. Bleibt trotzdem bei mir der fade Beigeschmack: warum das komplette "Images And Words"? Muss sich solch eine Band auf ein komplettes Album stützen, welches vor 15 Jahren erschienen ist? Befürchtete die Band das Publikum sonst nicht zu Begeisterungsstürmen motivieren zu können? Schade, dass hier und da weitere Raritäten zu kurz gekommen sind, jedoch beehren uns die New Yorker im Herbst mit neuen Shows, dann zusammen mit Symphony X. Mal sehen, was Dream Theater dann für uns im Gepäck haben!

Setlist Dream Theater:
Ouverture 1928
Strange Deja Vu
Panic Attack
Constant Motion
Forsaken
Pull Me Under
Another Day
Take The Time
Surrounded
Metropolis Pt. 1
Under a Glass Moon
Wait For Sleep
Learning To Live
-------------------------
Spirit Carries On
As I Am

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