Tour 2009
Am 15. Mai erscheint endlich das bereits sehnsüchtig erwartete neue Album von Dredg. Vorher gastiert das Quartett für zwei exklusive Konzerte in Deutschland, um die neuen Geniestreiche zu präsentieren, in Berlin und heute in Köln. Doch leider erleben die rund 600 Besucher des Dredg-Konzerts im Gebäude 9 eine derbe Enttäuschung: Die Band, die mit ihrer Mischung aus Alternative und Progressive zu einem ganz eigenen Stil gefunden hat und schon lange nicht mehr als Geheimtipp gilt, wirkt bei ihrem Auftritt in der Domstadt gestresst, unkonzentriert und nicht bei der Sache.
Um Punkt halb zehn treten die vier Musiker ihrem seit einer Stunde erwartungsvoll ausharrenden Publikum gegenüber und beginnen, begleitet von technischen Schwierigkeiten, den Abend mit zwei Songs aus dem neuen Album “The Pariah, The Parrot, The Delusion“. Die gebremste Begeisterung steigt ein wenig mit dem nächsten Titel: Ab Song Nr.3 werden bekanntere Nummern aus dem Album “El Cielo“ zum Besten gegeben, und die Zuschauer spenden zwar nicht überschwänglich, aber immerhin wohlwollend Applaus, so als wollte man seinen lang ersehnten Helden Mut machen und ihnen unmissverständlich zeigen, dass sie in Köln willkommen sind.
Aber der Funke mag nicht so recht überspringen: Das Zusammenspiel der Band ist schlecht. Dredg haben trotz Einsatz von Sequenzern, Loops und Playbacks große Probleme, den monumentalen Sound, den man von ihren Studioalben gewohnt ist, rüberzubringen. Die Zuschauer bekommen an diesem Abend keine Band zu sehen, sondern vier Musiker, von denen jeder für sich seine eigene Interpretation der Songs abliefert. Die Band wirkt ausgelaugt und unentspannt und ist nicht in der Lage, ihr eigenes Material in adäquater Form zu präsentieren. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen, der Auftritt ist unprofessionell und Schülerband-artig. Ähnliches erlebte das Kölner Publikum im Juli 2008 beim Konzert von Death Cab For Cutie: Diese Bands produzieren geniale Studioalben, scheinen sich jedoch mit ihrem intellektuellen Anspruch selbst so im Wege zu stehen, dass sie dem Druck einer Live-Situation nicht standhalten.
Eines steht auf jeden Fall fest: Von Begeisterung, Ekstase oder Enthusiasmus ist im ausverkauften Gebäude 9 wenig zu spüren. Rock’n’Roll ist anders! Um Punkt 22.45 Uhr, nach exakt 75 Minuten, verlässt die Band - einem Fabrikarbeiter auf Schichtdienst nicht unähnlich - ohne Zugaben den Ort des Geschehens. Zynisch klingt es, als sich Sänger Gavin Hayes mit den Worten “See you in June“ von seinem Publikum verabschiedet.
Was ist da schief gelaufen? Hatten Dredg nur einen schlechten Tag? Im Juni gibt es die Chance, sie noch einmal zu sehen. Da spielen Dredg auf diversen Festivals in Deutschland, u.a. bei Rock am Ring. Geben wir dieser so hoch gelobten Band doch im Sommer einfach noch eine zweite Chance!