Dredg

Tour 2008

03.09.2008 Gloria Theater / Köln

Von: Thomas Welsch

Dredg Köln

Im Kölner Gloria sind selbst die Wände mit rotem Samt bestückt. Die Bühne ist eingerahmt von zwei Lampenschirmen, die das ihre zur wohligen Wohnzimmeratmosphäre beisteuern. Seit langem ist das Theater ausverkauft. Beste Voraussetzungen für das Gastspiel von dredg.

Nach kurzem Intro legt das Quartett gleich mit zwei der eingängigsten Songs des letzten Langspielers los. Neben „Ode To The Sun“ wird „Catch Without Arms“ zum Besten gegeben. Damit lässt sich nicht viel falsch machen. Die Stücke bauen nicht eben auf Komplexität und verlassen sich voll auf Gavin Hayes´ Stimme. Ein Fehler, wie ich meine. Wo bleibt der Mut zur Lücke, die Raum schafft für das musikalische Können seiner Bandmitglieder? Auch Songs wie „Same Ol´ Road“ und „Planting Seeds“ können trotz ihrer unbestrittenen Schönheit nicht überzeugen. Zu perfekt, zu schnörkellos. Wer an diesem Abend auf Werke des großartigen Debutalbums „Leitmotif“ wartet, wird nicht einmal mit ein oder zwei Stücken abgespeist. Nein, das Erstlingswerk ist am heutigen Abend mit keinem Lied vertreten. Das ist ein starkes Stück. Stattdessen pathetische Gesten und theatralische Mimik zu nicht gerade tiefschürfenden Songs. Und dabei deutet der Bandname doch irgendeine Art von Tiefgründigkeit an. Fehlanzeige.

Neue Stücke bestärken diesen eingeschlagenen Weg. Während „I Don´t Know“ mit viel Groove noch das Highlight des Sets der Kalifornier darstellt, ist „Savior“ doch wieder Durchschnittskost. Alles nach dem Motto „Hauptsache der Refrain bleibt in den Köpfen hängen“. Diese Gefahr besteht tatsächlich.

Das neue Album kündigt Hayes für Februar an und er verspricht auch, dass sie anschließend auch wieder auf Tour kommen werden. Das Publikum ist erfreut und die Stimmung hält auch beim oft gewünschten und heute gespielten „Jamais Vu“ an. Die Progressive-Schiene haben dredg vor einiger Zeit verlassen, bleibt noch eine weitere Genre-Bezeichnung, die ihnen anhaftet. Artrock. Diese Zuordnung ist dem Quartett bestimmt nicht unangenehm, sie darf sich aber nicht auf Aktionen wie dem Tippen einiger Zeilen auf einer neben Hayes zurechtgestellten Schreibmaschine beschränken. Der Lyriker schreibt ein paar Zeilen und wirft das zerknüllte Papier den erregten Fans der ersten Reihen entgegen. Das wirkt aufgesetzt, ebenso wie die eingespielten Soundcollagen zwischen den Songs.

Mit „Sangreal“ und „Bug Eyes“ steuert die Band zielstrebig dem Ende ihres Auftritts in Köln entgegen. Melancholisch wird das Set beschlossen mit „Triangle“. Während des darauffolgenden Outros, lange nachdem Hayes schon die Bühne verlassen hat, beginnen die Roadies mit dem Abbau. Schlagzeuger und Keyboarder Dino Campanella werden die Drums quasi unterm Hintern weggeräumt. Auch dies ist ein weiteres überflüssiges und aufgesetztes Element, das manche Anwesende dennoch in Verzückung versetzt. Nach einer Einlage mit Elektro-Sticks verlässt schließlich auch Campanella die Bühne. Es scheint kaum jemanden zu stören, dass nach 80 Minuten der Vorhang fällt. Der absoluten Mehrheit der anwesenden Fans, dessen bin ich mir sicher, hat dieser Auftritt sehr gefallen. Ob bedingt durch erfüllte Qualitätsansprüche oder ein bewundernswertes Maß an Genügsamkeit sei dahingestellt.

Wer hätte gedacht, dass der Höhepunkt des Abends bereits um Viertel vor neun die Bühne verlassen hatte: „Long Distance Calling“, die Augen schließen und auf kraftvoll psychedelischen Riffs entschweben.

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