Dredg

Tour 2005 Support: Verdena

03.07.2005 Prime Club / Köln

Von: Norman Teichmann

Dredg Köln

Dredg sorgen momentan ja wirklich für kräftigen Wirbel in der Musiklandschaft. Ihren Einstand gaben sie mit der sehr progressiven „Leitmotif“ CD die sehr vertrackt, aber nicht minder genial daher kam. Mit „El Cielo“ schlug man dann den Spagat zwischen Songs des Kalibers „Schwer verdaulich!“ und „Melodischer Ohrwurm“. Der aktuelle Longplayer „Catch Without Arms“ schiesst sich nun völlig auf die melodischen Parts ein, nie klang die Stimme von Gavin Hayes schöner als auf dieser CD.

Man durfte also einiges erwarten von den Herren Dredg, anscheinend sahen das eine Menge Besucher genauso und deswegen prangte ausserhalb des Prime Clubs ein „Leider Ausverkauft!“ Zettel an der Wand.

Schnell einen Platz in den vorderen Reihen ergattert und gespannt auf den Support aus Italien gelauert der auch schon um 21 Uhr loslegte. Zwei junge Herren, einer an der Gitarre und Gesang, der andere an den Drums und eine hübsche Bassistin betraten die Bühne und liessen es direkt mächtig krachen. Sehr schöner Alternativ Rock, der das Italo Pop Klischee, was diesem Land anhaftet, in der ersten Minute klar vom Erdboden fegt.

Der Sound war leider zu laut eingestellt und dadurch ging einiges von der Stimme des Sängers unter, aber auch so gab es knapp 40 Minuten Rock vom Feinsten. Der zierliche Drummer der Band mutierte nach einiger Zeit zur wilden Bestie und verausgabte sich völlig, unglaublich wo der Kerl die Energie her nahm. Auch das Zusammenspiel aus Gitarre und Bass funktionierte hervorragend und obwohl die Band anfangs sehr schüchtern daher kam, taute man schnell bei dem begeisterten Applaus des Publikums auf.

Danach gab es eine gut 20-minütige Umbaupause und alles rückte eng zusammen um einen besseren Blick auf die Bühne zu bekommen im vollen Haus. Kurz nach 22 Uhr war es dann endlich soweit, die Band aus Kalifornien betrat die Bühne und legte sofort mit „Ode To The Sun“ los. Zu sagen, dass das Publikum nach den ersten Takten völlig ausflippte wäre eine absolute Untertreibung, man fühlte sich wie ein altersschwacher Fischkutter auf stürmender See während die Menge in alle Richtungen gleichzeitig presste, sprang und lauthals mitsang... was für ein Feuerwerk!

Das grandiose „Bug Eyes“, erste Singleauskopplung aus dem neuen Album, setzte dann noch einen oben drauf. Der Sound war besser abgemischt als bei Verdena und angenehm satt und laut, einfach perfekt und kein Vergleich zu dem wabernden Brei, den man noch am Vortag auf der Rheinkultur zu hören bekam. Der Sänger bedankte sich beim Publikum und die ganze Band war sichtlich angetan von dem feurigen Empfang der ihnen im Prime Club geboten wurde.

Mit „Same Ol’ Road“ ging es dann ein wenig ruhiger zur Sache und die komplexen Songstrukturen traten etwas mehr in den Vordergrund. Der Song kam live nochmal eine ganze Ecke besser rüber als auf der „El Cielo“ CD. Auch die Stimme von Gavin stellte seine Darbietung, die er auf den Alben gab, absolut in den Schatten. Nach dem Hören seiner honigsüssen, melodiösen Stimme auf der „Catch Without Arms“ für mich eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Die Songauswahl war absolut perfekt gewählt, nur von der „Leitmotif“ hätte gerne mehr als nur ein Song dabei sein können. In den 80 Minuten gab es dann noch Hits wie „Sanzen“, „The Canyon Behind Her“, „Jamais Vu“ und vieles mehr. Die Stimmung im Club blieb konstant auf sehr hohem Level und man hörte nicht auf, lauthals mitzusingen. Man kam sich einfach vor wie eine riesige Familie und genoss leidenschaftlich zusammen die Musik.

Ein absolutes Highlight kam dann noch zum Schluss als der letzte Song gespielt wurde. Während die ganze Band nach und nach ihre Instrumente abbaute, spielte der Drummer bis zum Schluss konsequent weiter. Selbst als seine Bandkollegen ihm das Drumset abschraubten, liess er nicht locker und nahm einfach den Fussboden als Drumkit, einfach unglaublich.

So ging dann auch ein absolut perfekter Abend zu Ende und ich fiebere schon jetzt dem nächsten Dredg Konzert entgegen. Ich hoffe die Band wird mit ihrem neuen Album jetzt auch ihren grossen, finanziellen Erfolg haben, verdient hätten sie es allemal. Aber auch Verdena haben mich positiv überrascht und ich hoffe, dass man von der Band in Zukunft noch einiges in Deutschland hören wird, vielleicht sogar ein Auftritt als eigener Headliner.

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