Tour 2009 - Support: The Black Box Revelation
Sie spielen weder Death Metal, noch sind sie auch nur im Geringsten so elegant und majestätisch wie Adler. Sie sprangen einst auf die Bühnen dieser Welt, die Jack Daniels Flasche in der einen, die Zigarette in der anderen Hand, die Pilotenbrille auf der Nase und den Schnurrbart darunter, die Hüfte immer am Schwingen und heißer Wüstensand unter den Schuhsohlen. Die Rede ist von den Eagles of Death Metal, für mich momentan ganz klar eine der außergewöhnlichsten amerikanischen Rockbands. Als Fan von QOTSA bin ich natürlich ein wenig gezwungen, alles zu checken, wo der gute Josh Homme seine Finger mit im Spiel hatte, und ich muss sagen, dass EODM zu dem einzigen Projekt gehört, das mich immer wieder ein wenig irritiert. Das mag an dem Porno-chic der Band liegen, am schrägen Gesang oder an den 100 Jahren Drogenkarriere, die man den einzelnen Musikern ansieht. Was immer es auch ist: EODM sind ein Phänomen, und der Besuch ihres Auftritts in Köln damit ein Muss.
Natürlich ist die Essigfabrik an diesem Abend zum Bersten voll. Es ist warm und ein wenig stickig, aber so muss es eben sein. Als Vorgruppe gibt es die zwei Herren von der Band The Black Box Revelation auf die Ohren. Nicht wirklich eine Offenbarung. Ein Mann bedient die Drums, der andere schrabbelt auf seiner Gitarre, die White Stripes Assoziation bleibt natürlich nicht aus, leider auch die Enttäuschung. Für einen Abend mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll ist die Musik doch ein wenig zu verträumt und kopflastig. Es gibt ein paar nette Solo-Einlagen des Gitarristen/Sängers, der sich in seinem langen schwarzen Mantel einen Wolf schwitzen muss, zeitweise scheint so etwas wie Stimmung aufzukommen, aber das Duo lässt schnell wieder dunkle Wolken heraufziehen und versinkt in düsteren Stimmungen. Nee, was wir brauchen ist die Sonne!
Und sie kommt, und zwar in Begleitung von Jesse Hughes, dem sie nämlich aus dem Hintern scheint. Wie kann man diesen Mann anders beschreiben als die Verkörperung des amerikanischen Prolo-Traums? Das lange, an den Kopf gegelte rötliche Haar, die engen Jeans, und der Schnurrbart des Grauens mitten im Gesicht. Mit fetzigen Moves zu einem HipHop-Stück kommt er auf die Bühne getanzt und das Publikum bricht schon jetzt in Gejohle und Liebesbekundungen aus. Seine Kombatanten (die Hoffnung, dass Josh zufällig mit von der Partie sein würde stirbt sehr schnell), Brian „Schmier“ O’Connor, Dave „Onkel Fester“ Catching und Joey „Banana“ Castillo machen das lustige Grusical, das sich jetzt über das Publikum entlädt zu einer der abgefahrensten Shows, die ich in den letzten zwei Jahren gesehen habe.
Was macht EODM musikalisch besonders? Nichts. Originell ist nicht die Musik, sondern das Drumherum. Die Band hat sich ihren Kult-Status, ob man es mag oder nicht, wahrlich verdient, und den hat sie vor allem Jesse Hughes zu verdanken. Man wird nämlich bei all dem prolligen Gehabe und dem vom Publikum beklatschten Auf-Ex-Trinken von Cola (plus x?) den Verdacht nicht los, dass es sich bei diesem Menschen um einen der sympathischsten Sänger dieser Erde handelt. Star-Attitüden sind ihm völlig fremd. Dass er die Band ist, wird spätestens dann deutlich, als er bei der Zugabe einige der Stücke wie z.B. „Cherry Cola“ alleine auf der Gitarre spielt. Rockt total!
Ob solo oder als ganze Band, EODM treten an diesem Abend dem Kölner Publikum gehörig in den Hintern. Dieses schwitzt und pogt und johlt und singt mit, wenn es heißt „Wannabe In L.A.“, „Speaking In Tongues“, „English Girl“, Heart On“ oder „Anything ’cept The Truth“. Letzteres ist übrigens eins meiner Favourites, weil der alte Stoner-Rock-Geist aus ihm spricht und die Nähe zu den Königinnen so spürbar ist. Es wird noch ein Favorit von mir, nämlich „Already Died“, gespielt und das macht den Abend für mich zum Gewinnerabend. Ob EODM jetzt den alten amerikanischen Rock’n’Roll persiflieren oder nicht, sie gehören einfach dazu, und das ist ganz toll so. Mögen sie nie aufhören zu fliegen!