Eastpak Antidote Tour

Eastpak Antidote Tour 2011 - mit A Day To Remember, August Burns Red, The Ghost Inside, Living With Lions

20.10.2011 Docks / Hamburg

Von: Melanie Schupp

Eastpak Antidote Tour Hamburg

Eastpak, eine Marke die durch ihre Rucksäcke und vor allem deren originellen Werbung bekannt wurden, versuchen sich seit einigen Jahren in der Förderung der Musik. Und auch darin haben sie Erfolg, denn die Eastpak Antidote Tour ist Musikliebhabern der Bereiche Punk, Hardcore, Skate und Ähnlichem ein fester Begriff. Dieses Jahr packen sich Eastpak "A Day To Remember", "August Burns Red", "The Ghost Inside" und "Living With Lions" in den Rucksack. "Built To Resist" ist auch hier Programm. Musiker als auch das Publikum erweisen sich an diesem Abend als ausdauernd und hart im Nehmen. Überraschend viele junge Zuschauer ließen sich in diesem Jahr nicht vom relativ hohen Eintrittspreis von 42 Euro abschrecken.

Um 19 Uhr starten "Living With Lions" mit einem einwandfrei abgemischten Sound. Mal melodiös, mal hart am rumschreien, die Band kommt ganz schön ins Schwitzen. Auch das Publikum beginnt mit zu wippen und mit den Köpfen zu nicken. Die Aufwärmrunde des Circle Pits startet - die Jungs in kurzen Hosen müssen erstmal die von der Kälte steifen Gelenke aufwärmen und dann gehts los... es ist schließlich kein Sommer mehr. Nach ca. 35 Minuten Spielzeit hat die Band den Anheizerjob gut gemeistert auch wenn Sänger Jeremy McKinnon etwas niedergeschlagen ist und das Hamburger Publikum als faul bezeichnet. Ja, die Anheizer haben es selten leicht gehabt hierzulande. Doch auch wenn sich das Publikum noch etwas verhalten zeigt ist klar, dass sie nun bereit sind für mehr. Zeit für einen Umbau.

Nachdem sie höchstpersönlich den Soundcheck vorgenommen haben legen keine 20 Minuten später auch schon "The Ghost Inside" los. Das Publikum hängt ihnen von der ersten Sekunde an den Lippen und zeigt sich textsicher. Auch die ersten Crowdsurfer werden abgefangen. Die Securities haben hier leichtes Spiel, sind sie doch mindestens doppelt so breit und schwer wie die jungen Leichtgewichte die da angeschwebt kommen. Auch die Violent Dancer haben sich zusammengetan und es sich in einer Ecke des recht vollen Docks "gemütlich" gemacht. Ein kleines Intro von "Downfall Of Us All" ertönt, das zwischendurch mit dem Sänger Jonathan Vigil auf die Hauptband Appetit macht. Dann gehts rund im Kessel. Die Menge singt bei Songs wie "Overlooked" oder "Destined" so laut mit, dass Jonathan Virgil ihnen nachher respektvoll Applaus spendet. Das Publikum schreit nach mehr doch der Zeitplan ist straff und "The Ghost Inside" müssen die Bühne pünktlich verlassen, um das Feld für "August Burns Red" zu räumen.

Der Uhrzeiger steht auf 20:45 Uhr als der Schlagabtausch stattfindet. Nach dem äußerst peinlichen 90er-Jahre-Eurotrash-Intro "Everybody's Free" von "Rozalla" betreten die Jungs das Rampenlicht. So peinlich das Intro auch sein mochte, es wirkt. Die Menge ist in Partystimmung. Die ersten Töne von "Composure" (und ein Luftsprung von Bassist Dustin Davidson) sind so gewaltig, dass der Gurt des E-Basses reißt und die Hälfte des ersten Songs ohne ihn stattfindet. Doch der Saal bebt. Sänger Jake Luhrs hantiert so wild mit dem Mikrokabel umher, dass man denken könnte es habe ein Eigenleben entwickelt. Doch wie sehr es auch herumschleudert, er fängt es immer wieder geübt auf ohne sich oder andere zu gefährden. Bei "Internal Cannon" klatschen alle fleißig mit. Ein Knäuel aus Menschen, das wie eine Einheit klatscht, springt und aus vollem Halse mitsingt. Nach "Cutting The Ties", "Poor Millionaire" und "Back Burner" hat Frontmann Jake Luhrs im wahrsten Sinne des Wortes ausgespuckt (viel Spass für ADTR mit der verrotzten Bühne). Auch hier kann die Bitte für Zugabe nicht berücksichtigt werden, alles läuft strikt nach Plan.

Die ausgelassene Stimmung der Zuschauer zieht sich auch durch die Umbaupause. Zu "System Of A Down", die vom Band erklingen, singen alle lautstark mit. Um 21:25 Uhr ist es dann auch soweit. Gleich zum ersten Song von "A Day To Remember" geht die Konfettikanone los. Drummer Axel Shelnutt erklimmt die Rampe zu seinem aufgebockten Schlagzeug und auch der Rest der Band stürmt die Bühne. Ab sofort gibt es kein Halten mehr - weder auf noch vor der Bühne. Die Double Bass donnert erdbebengleich daher, während Sänger Jeremy McKinnon wie ein wild gewordener Tiger zu "A Shot In The Dark" und "All I Want" hin und her rennt. Nach "I'm Made Of Wax..." fliegen etliche Rollen Klopapier in die Menge, dabei ist noch gar kein Halloween. Wer braucht schon teure Technik, wenn der Spaßfaktor mit solch simplen Dingen gepusht werden kann? Doch auch die Band bleibt von den Geschossen nicht verschont und wird bombardiert. Es ist der erste Tag der Eastpak Antidote Tour und das merkt man ADTR deutlich an. Die Jungs sind außer Atem und ein wenig "out of shape", was sie auch offen und ehrlich zugeben. Der Gesang war bei vergangenen Konzerten um Längen besser, das lässt sich auch leider nicht kaschieren, indem man verdächtig oft das Mikro gen Publikum hält, um dieses Singen zu lassen.

Ein grünes Maskottchen, das aussieht wie Spongebob der vor Übelkeit grün angelaufen ist, stürmt on Stage und verschießt mit einer Kanone T-Shirts. Danach lässt eine überdimensionale Hamsterkugel Jeremy zu "Homesick" übers Publikum laufen/rollen. ADTR machen Ronald McDonalds alle Ehre indem sie zum vorerst letzten Song "The Plot To Bomb The Panhandle" mit einer Ladung Luftballons das Konzert in einen Kindergeburtstag verwandeln.

Doch dieses Mal werden die Zugabe-Rufe erhört. Jeremy kommt mit einer Akustikgitarre zurück und verspricht noch zwei Zugabe-Songs. Es folgt "If It Means A Lot To Me" und endlich klingt der Gesang auch gut. Lieber erst zur Zugabe als überhaupt nicht. Natürlich darf "The Downfall Of Us All" nicht fehlen und nun regnet es zu allem Überfluss auch noch riesige Wasserbälle. Unterhaltungsfaktor hoch, musikalische Leistung gut, Gesangseinlagen lassen zu wünschen übrig... Würde man die Reihenfolge der auftretenden Bands qualitativ bestimmen, würden ADTR leider nur als Vorband durchgehen.

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