Eastpak Antidote Tour
Eastpak Antidote Tour 2009 mit Antiflag, Alexisonfire, Four Years Strong, Ghost Of A Thousand
15.11.2009 Docks / Hamburg
Von: Melanie Schupp

Die EASTPAK Antidote Tour könnte man (wie auf der Homepage angepriesen) tatsächlich als eine aufsteigende Herbst-Tradition bezeichnen. Auch in diesem Jahr stoppten die Antidote Tourbusse in Hamburg und ließen die Bands “Four Year Strong”, “The Ghost Of A Thousand”, “Alexisonfire” und “Anti-Flag” auf das Docks los.
Der Startschuss fiel mit The Ghost Of A Thousand. Punkrock aus Brighton, der sich auf Dauer etwas eintönig anhörte, der guten Laune jedoch keinen Abschlag tat. Dafür legten sich die Jungs zusehr ins Zeug. Obwohl das Docks noch nicht gänzlich gefüllt war und noch genügend Platz für einen Running Circle bot war die Laune gleich von Anfang an super. Die Gäste schienen lange auf die Antidote Tour gewartet zu haben. Neben Songs des aktuellen Albums "New Hopes, New Demonstrations" durfte natürlich der Hit "Black Art No. 1" des Vorgängeralbums nicht fehlen. Erfreut begab sich Sänger Tom Lacey zum letzten Song nicht nur in den Security Graben – das wäre ja zu einfach gewesen! Nein, er flitzte flink über Absperrung in den vorderen Bereich zwischen die Zuschauer. Angst vor Schweinegrippe? Von wegen!
Und auch die zweite Band des abends hegte keinerlei Berührungsängste. Um 20.10 Uhr füllte sich das Docks zu “Four Year Strong” schon sichtlich. Leider mangelte es hier ein wenig an der Abmischung des Sounds. Lediglich eine knappe halbe Stunde hat die Band aus Massachusetts Zeit zu beweisen, dass sie trotz nicht astreiner Abmischung den Saal überzeugen können. Und das konnten sie. Noch aufgeheizt von der vorangegangenen Show feierten die Leute mit. Keyboarder Josh Lyford schwenkte sein sowieso kaum hörbares Minipiano durch die Luft – eine sinnvolle Zweckentfremdung, denn dies spornte an. Dafür überzeugte er bei seinen Gesangsparts. Ebenso wie seine Kollegen Alan Day und Joe Weiss klangen seine Gesangsqualitäten vor allem bei dem vorletzten Stück “Maniac (R.O.D.)” der aktuellen Scheibe “Rise Or Die Trying” sehr beachtlich. Da ließ der Circle Pit nicht lange auf sich warten. Vom aufgespushten Publikum animiert, sprang Josh Lyford in den Securitygraben und hielt sein Mikro gen Menge.
Dann war auch schon wieder Zeit für die nächste Pause. Das Docks war nun proppenvoll. Es ging auch mit großen Schritten den beiden Headlinern entgegen. Pünktlich um 21 Uhr läutete ein stimmungsvolles Intro aus den Lautsprechern das endliche Wiedersehen (nach 3 Jahren!) mit Alexisonfire ein. Die Vorfreude und Spannung im Saal konnte man fast mit Händen greifen. Es fiel der Vorhang und es war als wären sie nie weg gewesen. Allen voran Bassist Chris Steele schien völlig ausgehungert nach Liveauftritten zu sein. Wie wild rannte er über die Bühne und warf den Fans verrückte Blicke, aus Augen die fast herausquellen wollten, zu. Sehr unterhaltsam und anspornend gaben sich auch die übrigen Bandmitglieder. Vor allem qualitativ präsentierten sich die Jungs in Hochform. Sänger George Pettit hatte wohl wissend gleich auf ein Shirt verzichtet und innerhalb weniger Minuten glänzte sein Körper auch vor Schweiß. Das Publikum war mit Alexisonfire. Zu “We Are The Sound” sang der gesamte Raum lautstark mit bevor die Band mit “Old Crows” fortfuhr. Natürlich verzichtete man bei einer solchen Tour auch nicht darauf Songs den anderen Acts zu widmen. Dann erlosch kurzzeitig das Bühnenlicht. Als es zu “This Could Be Anywhere In The World” wieder angeschaltet wurde, stand plötzlich Christopher Barker (auch Chris #2 genannt) von Anti Flag am Mikro und sang lautstark mit. Ja die Jungs der Antidote Tour schienen sich zu mögen. Und auch die Fans mochten das Ganze und sangen und feierten bei “Except Crime” bis zum Letzten. Und auch die Band gelangte zum Letzen... Allerdings leider zum letzten Song “Accidents”. Doch auch Alexisonfire konnten die Bühne nicht ohne Nahkontakt verlassen und Chris Steel sprang mit Anlauf ins Publikum, das ihn gekonnt auffing.
Das waren schonmal 3 Granaten und die vierte Show stand noch bevor. Bühne frei für Anti Flag. Auch wenn für viele Anwesende offensichtlich Alexisonfire die Hauptband des abends waren, wurde weiter gerockt bis zum Abwinken. Als das dritte Stück der Pittsburgher Punkrocker schon die Hymne “Turncoat” darstellte wurde wieder eifrig mitgesungen. Vermutlich würden einige Fans am nächsten Tag mit Heiserkeit zu kämpfen haben. Doch das war es wert. Das routinierte Set von Anti Flag erschien anfangs ein wenig zu eingespielt und runtergespielt. Doch im Laufe der Show tauten die Musiker auf. Eine etwas merkwürdige Ansprache trug Justin Sane (“This is for all of you who go to a school they hate and who do a job they hate”) zu “The Economy Is Suffering” vor. Doch trotz einiger von dieser Ansprache abgetörnten Gäste, waren die Worte bereits beim Erklingen des ersten Tones vergessen und die ersten Crowdsurfer wurden über die Köpfe gereicht. Zu “The Smartest Bomb” folgte dann auch ein perfekter Running Circle und man sah, dass das Eis endgültig gebrochen war. Doch Justin Sane vergaß wie üblich nicht, die Leute an den Zustand unserer Mutter Erde zu erinnern und riet seinen Fans und allen die es hören wollten, Greenpeace zu unterstützen, bevor “1 Trillion Dollar$” gespielt wurde. Ob die Masse dem Greenpeace-Aufruf folgen würde war unsicher, doch der Aufforderung den Mittelfinger in die Höhe zu recken, kam fast ein jeder in dem Saal nach. Vor Ende des Sets heizte die Punkrock-Coverversion des “The Clash”-Hits “Should I Stay Or Should I Go” noch einmal richtig ein.
Doch das Publikum verlangte nach meeeeehr und schrie nach “Die For Your Government” - und das sollten sie auch bekommen! Und Anti Flag setzten noch die Krönung oben auf: einige Fans wurden zur Drumunterstützung auf die Bühne geordert. Bestückt mit Schlaginstrumenten wie Schellenkränzen, Trommeln und Kuhglocken wurde im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich Krawall geschlagen zu "Cities Burn". Drummer Pat Thetic sprang in den Securitygraben und gab sich einer Runde Shakehands hin. Derweil wurde sein Schlagzeug abgebaut... doch das Konzert war noch nicht zu Ende, sondern das Drumkit wurde mitten im Publikum wieder aufgebaut. Im Publikum sitzend spielte er sein Schlagzeug zu “Power To The Peaceful”! Mehr Fannähe geht nicht und auch Chris #2 räumte seinen Mikroständer in den Securitygraben und spielte nach ein paar Augenblicken vor der Absperrung, crowdsurfend den Bass. Als er sich zurück on Stage verabschieden wollte, war sein Mikrofon bereits ausgestellt. Dies war wohl ein Zeichen und die Band verabschiedete sich von dem abgerockten Publikum. Lediglich Pat Thetic schien sein Platz in der Menge zu gefallen. Er blieb noch eine ganze Weile und stand für Fotos etc zur Verfügung während sich der Saal leerte.
Laut, schweißtreibend, unterhaltsam... Was will man mehr von einer gelungenen EASTPAK Antidote Tour 2009?
Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download