Tomorrow Morning-Tour 2010 - Support: Alice Gold
Dass Mark Oliver Everett alias E. die Band Eels bereits vor 15 Jahren gründete, lässt die Begrifflichkeit "Alter Hase im Geschäft" bestens zutreffen. Und wenn man die dazugehörige Diskografie betrachtet, fügt man doch gleich noch die Bezeichnung "Workaholic" hinzu. Wer nun annimmt, dass sich der Singer und Songwriter langsam mal zur Ruhe setzt oder es zumindest etwas ruhiger angehen lässt, der liegt weit daneben. Die Alben folgen Schlag auf Schlag, und so schüttelt man alleine in diesem Jahr doch einfach mal zwei Scheiben aus dem Ärmel, nämlich "End Times" und "Tomorrow Morning", im übrigen zwei Alben, die im Vergleich zu älteren Alben unterschiedlicher nicht sein könnten. Überhaupt hat sich der Sohn eines Quantenphysikers und einer Schriftstellerin über die Jahre als überaus vielseitig bewiesen, und wahrscheinlich ist eben genau das sein Erfolgsrezept. Jedenfalls schafft er es weltweit mit beiden aktuellen Alben erneut in die Charts, und so wundert es schließlich auch nicht, dass der heutige Eels-Auftritt in der Großen Freiheit 36 in Hamburg ausverkauft ist.
Der Club ist bereits gerammelt voll, als ich eine halbe Stunde vor Konzertbeginn ankomme. Die Vielseitigkeit der Band spiegelt sich auch im Publikum wieder, ein Durchschnittsalter zu bestimmen fällt mir wirklich schwer. Hier trifft man auf zahlreiche Altersklassen, Kleidungsstile und in was man nicht noch so alles kategorisieren kann. Um die Wartezeit zu verkürzen, wurde ein Bauchredner geladen, der das Publikum zusammen mit seinem Plüschvogel Shishi auf eine Zeitreise in die 20er/30er Jahre einlädt und diesem den ein oder anderen Lacher entlocken kann. Um 21:10 Uhr dürfen die Zuschauer schließlich Alice Gold begrüßen, eine junge Singer und Songwriterin, die ihre äußerst kraftvolle Stimme lediglich durch ihre E-Gitarre begleitet. Leidenschaftlich und fast schon wie in einer anderen Welt gibt sie sich ihrer Musik hin und vergisst vielleicht gerade dadurch ein wenig die Kommunikation mit dem Publikum. Als sie scheinbar einen Moment zu sich kommt, wirkt sie sichtlich gerührt von der äußerst positiven Resonanz aus dem Publikum und bedankt sich mit fast schon schüchterner Stimme. Bei manchen Songs fehlt mir ein wenig die Unterstützung einer Band, dennoch schafft es die junge Amerikanerin mich mit ihrer dynamischen Stimme zu beeindrucken.
Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, dass es scheinbar immer voller im Club wird. Je voller es wird, desto ungeduldiger scheint das Publikum zu werden. Mit Pfiffen und Klatschen werden die Eels regelrecht auf die Bühne gefordert. Als schließlich die Lichter erlöschen und ein Intro beginnt, ist der Saal mit so viel Spannung erfüllt, dass man diese nahezu greifen kann. Nach dem fünfminütigen Intro betritt Mark Oliver Everett die Bühne und wird dabei von seinen Fans gefeiert, als habe er seine Leistung an diesem Abend bereits vollbracht. Er trägt einen weißen Overall und wirkt durch seine Sonnenbrille sowie ein Kopftuch, das er bis zur Sonnenbrille runtergezogen hat, fast schon vermummt. Nach vier Songs kommen schließlich auch die übrigen Bandmitglieder auf die Bühne, die alle ebenfalls mit Sonnenbrillen sowie irgendeiner Form der Kopfbedeckung ausgestattet sind. Damit ist die bärtige Bande dann komplett und das ganze fügt sich zu einem entzückenden Gesamtbild, welches zusätzlich durch ein dezentes Lichtarragement unterstützt wird. Viel wird mit dem Publikum nicht gerade kommuniziert. Das nehmen die Zuschauer den sympathischen Rockern jedoch nicht übel. Jede kostbare Minute wird hier immerhin für wundervolle Musik verwendet, und so schaffen sie es schließlich in eineinhalb Stunden eine prall gefüllte sowie äußerst abwechslungsreiche Setlist zu präsentieren. Eine Mischung aus fragilen Balladen und rohem, dahin gerotzten Blues, in jedem Fall verstehen es Mark und Co., die Zuschauer ordentlich zum Rocken zu animieren.
Erstaunlich finde ich, dass insgesamt ganze 15 Mal am heutigen Abend die Gitarre von E. gewechselt wird, was mir schon ein wenig ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. So lang ist ja nicht mal die Setlist einiger anderer Bands. Bei einer Version von George Gershwins’ "Summertime" versüßt er einigen Besuchern den Abend, indem er Eis in die Menge wirft. Zu schade, dass ich oben stehe und mir die Möglichkeit auf diese Leckerei verwehrt bleibt.
Nach knapp einer Stunde und zwanzig Minuten tänzelt E. genussvoll von der Bühne, kommt kurz zurück, um den Zuschauern noch eine Liebeserklärung zu hinterlassen und tänzelt wieder fort, während seine Kollegen den Song noch zu Ende spielen und schließlich auch die Bühne verlassen. Das Publikum denkt aber gar nicht daran, sie einfach davon ziehen zu lassen und so kommen die sympathischen Bärtigen schließlich nach kurzer Zeit zurück auf die Bühne, um einen weiteren Song zu präsentieren. Aber auch nach diesem hat das Publikum noch längst nicht genug, sodass Mark die Bühne erneut betritt und ein "fucking love you" raus haut. Die Zuschauer machen ihm dabei eindeutig klar, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Es gibt einen weiteren Song, danach ist dann endgültig Schluss. Mit "Guten Abend, Gute Nacht" im Hintergrund verlassen die Besucher sichtlich glücklich den Kiezclub. Ein wenig fehlen mir persönlich ein paar Songs der älteren Alben, gerade von der ersten Platte "Beautiful Freak", sie haben mir dennoch einen wundervollen Abend bereitet. Die Eels sind eben unsere "Beautiful Freaks"!
Setlist:
Grace Kelly Blues
Little Bird
End Times
Prizefighter
She Said Yeah (The Rolling Stones Cover)
Gone Man
Summer In The City (The Lovin' Spoonful Cover)
Tremendous Dynamite
In My Dreams
In My Younger Days
Paradise Blues
Jungle Telegraph
My Beloved Monster
Spectacular Girl
Fresh Blood
Dog Faced Boy
That Look You Give That Guy
Souljacker Part I
Mr. E's Beautiful Blues
I Like Birds
Summertime (George Gershwin Cover)
Looking Up
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I'm Going To Stop Pretending That I Didn't Break Your Heart
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Oh So Lovely