Egotronic

Tour 2010 - Support: Emma

27.02.2010 Kulturzentrum Bahnhof Langendreer / Bochum

Von: Jessica Lehmann

Egotronic Bochum

Endstation heute: Bahnhof Langendreer in Bochum. Eine heitere Fahrt durch abstruse Elektro-Welten, gepaart mit denglischem Sprech-Singsang, bieten EMMA aus Essen; als Anheizer für die Berliner Schnauzen von Egotronic machen sie sich zu Beginn noch etwas schlecht als recht, finden aber alsbald in ihre Form und bringen letztendlich den ein oder anderen Unterschenkel zum Schwingen und Swingen. "Am I EMMA or am I not?" ist die Frage, die sich die junge Frontfrau stellt; ebenfalls die erste und eindringlichste Frage auf ihrer Single "Emma Not".

Man versucht sich hier an verqueren Wortspielen, entschuldigt sich für das eigene Englisch und die damit verbundene, sehr eigene Aussprache, während der ein oder andere Zuhörer seine Aufmerksamkeit der jungen Blondine widmet, die nur sehr zaghaft über die Bühne stakst. Klar, dass man von einem Elektro-Duo ein bisschen mehr verlangt. Für das bisschen Mehr sorgt allerdings dann doch noch wer: der nette Herr an den Schaltknöpfen verlangt zwischen den Songs mehr Sound; daraus wird dann aber leider ein "ruhig so laut, dass es nicht mehr zu ertragen ist!" – und das ist das Codewort.

Nach einigen netten Songs gesellt sich doch ein Großteil der Besucher erst einmal in den unterkühlten Vorhof, um sich bei Zigarette und Frost über EMMA hinwegzutrösten, und auf das Highlight des Abends zu freuen: Egotronic.

"Berlin Calling" heisst der Track, mit denen die sehnlich erwarteten Egotronic die Bühne entern und vom ersten Augenblick an Wahnsinns-Feuer und -Flamme versprühen. Nicht zuletzt sammelt die Band auch dadurch Sympathiepunkte, als dass sie aufgrund recht hoher Eintrittspreise (AK 14€) ihr nächstes Konzert in Bochum garantiert für unter einem Zehner geben werden. Löblich. Und so geht es genauso ehrenwert im Set weiter, in dem natürlich Songs wie "Raven Gegen Deutschland" oder "Kotzen" nicht fehlen dürfen.

Interessante Experimente hinsichtlich noch interessanterer Musikmischungen (Gorillaz-Song vs. Frittenbude-Potpourri) und zwei neue Songs des im April erscheinenden Albums verwöhnen die Zuhörer letztendlich bis zum Abwinken. Das geschätzte Publikum äußert seinerseits den Dank in Form von tanzenden Leibern und knisternder Good Vibrations im Saal.

Zum Abschluss kommt es noch zum – scheinbar klassischen - Sturm der Bühne, der dann mit traurigem Blick auf die Uhr und dem damit nahenden Ende des Konzertes von einigen Zugaben gekrönt wird. Trotz recht penibler Türsteher und einem etwas schwerfälligen Anfang mausert sich der Abend damit überraschend doch noch zu einem echten Spektakel.  

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