Eiszeit 2010 - Jahresabschlusskonzert
Kronleuchter aus. Die Bühne wird in blaues Licht getaucht. Jubel empfängt die Musiker von Eisbrecher, als sie am heutigen Dienstag nach Weihnachten die Bühne des Theaters am Tanzbrunnen in Köln betreten... ganz getreu dem Tour-Motto "Eiszeit - es wird kälter" in dickste Winterkleidung gehüllt. Mit "Eiszeit" beginnt der stimmungsvolle Auftakt zu einem fantastischen Konzert, das mit harten Gitarren-Riffs und durchdringendem Bass-und Drumspiel aufzuwarten weiss, aber auch durch eine Menge feucht-fröhlicher Späße und der nonchalanten Art des Sängers Alexander "Alexx" Wesselsky mit Witz und Charme überzeugt.
Eine herzliche Begrüßung später führt Alexx die Fans mit seiner volltönenden, sonoren Stimme auch schon durch weitere Songs wie "Angst?", "Die Bombe", "Willkommen im Nichts" und "Leider", in denen ganz knallhart und ehrlich Themen wie SVV, Depressionen oder starke Gefühlsregungen wie Hass oder Angst besungen werden. Dass die Jungs es auch sentimentaler, aber nicht weniger aggressiv können, zeigen sie spätestens bei "Herzdieb", bei dem auch die vorrangig in Blau und Rot gehaltene Lichtshow effektvoll zur Geltung kommt.
Die Stimmung im Publikum ist bereits ordentlich angeheizt und steigt während "Komm süßer Tod", "Vergissmeinnicht" und "Schwarze Witwe" stetig an. Von klatschenden Händen und solchen, die die berüchtigte "Pommesgabel" formen über bangende Metalheads und tanzende gotische Schönheiten ist im Publikum alles vertreten. Jeglichen Alters. Ein Highlight des Abends ist mit Sicherheit der unplugged gespielte Song "Tränen lügen nicht", bei dem es sich das größtenteils männliche Publikum nicht nehmen lässt, den Refrain mitzusingen. Mit "Die Engel" und "Heilig" folgen dem amüsanten und trotzdem authentischen Beitrag zwei Songs, die wieder mehr Eisbrecher sind. Ständig begleitet durch Jubelrufe und Klatschen aus dem Publikum.
Nun geht alles sehr schnell - Alexx und seine Bandkollegen Noel Pix (Git), Jürgen Plangger (Git), Dominik Palmer (Bass) und René Greil (Drums) bekleiden sich mit Filzhüten und Strickwesten. Es wird ein Gejodel angestimmt, währenddessen Alexx zuerst die bayrische und im Anschluss die nordrhein-westfälische Flagge hisst, nachdem erstere zu großem Unmut führte, nur um daraufhin mit dem Pflichtsong "This Is Deutsch" loszulegen. Alle grenzüberschreitenden Unstimmigkeiten sind verflogen, die Stimmung rockt, das Publikum ist in Wallung. Man merkt, man steuert das Finale an, welches mit "Kinder der Nacht" auch nicht lange auf sich warten lässt. Und mit einem lauten Knall und etlichen Luftschlangen, die in die Menge fliegen, endet das Konzert... Oder doch nicht?
Natürlich lassen sich Eisbrecher nicht lange um eine Zugabe bitten und es werden flugs vier Fässer auf die Bühne gerollt, die während "Amok" von Pix, Jürgen, Dominik und René mit Drumsticks "bespielt" werden. Der großartigen Percussion-Darbietung folgt die tiefgreifende Liebes-Ballade "Ohne Dich", die mit einem überwältigenden Applaus belohnt wird. Nach "Mein Blut" leitet Alexx mit folgenden Worten das große, endgültige Finale des Abends ein: "Sind heute Abend irgendwelche Miststücke anwesend?". Ich habe selten Frauen und Männer erlebt, die nach einer solchen Frage in Jubel ausgebrochen sind.
"Miststück" ist der kraftvollste Song des Abends. Die fünf Musiker geben nochmal alles und satte 10 Minuten lässt Alexx vereinzelt Leute aus dem Publikum in Mikro brüllen: "Du bist ein Miststück!". Nach obligatorischer Goodie-Verteilung, bestehend aus Plüscheisbären und Pleks, verabschieden sich die Musiker und verlassen nach und nach die Bühne... Großartige Songs, großartige Band, geile Stimmung, man verlässt mit Euphorie die Halle. So muss ein Konzert sein!