Autumn Tour 2008 – Support: Jesca Hoop
Herbstzeit ist elbow-Zeit. Seit 2001 kommen die fünf Herren aus Manchester regelmäßig alle Jahre auf kleine Deutschlandreise. Im Gepäck diesmal ihr viertes Album „The Seldom Seen Kid“, das jüngst mit dem „Merury Music Prize“ ausgezeichnet wurde. In UK werden demnächst die ganz großen Hallen gebucht, ein infernales Gastspiel in Londons Wembley Arena steht an! Hierzulande sind die Clubs noch stets dieselben geblieben. Und das ist gut so. Nur sind sie jetzt ausverkauft, sodass mancher am Eingang des Luxor mit langem Gesicht kehrt machen muss.
Als Support haben sich elbow eine ihrer Lieblings-Songwriterinnen eingeladen: Jesca Hoops aus Los Angeles. Die wird dann auch stilgerecht von elbow-Sänger Guy Garvey persönlich vorgestellt - so haben die Leute gleich die nötige Aufmerksamkeit für die ungewöhnlichen Songs der kleinen Frau mit der großen Gitarre. Ihr Gesangstil ist extrem stark vom Rhythmus geprägt, mal verschleppt sie Betonungen und Silben und Töne und Worte, oder sie haucht-kurz-im-Staccato. Ihre Stimme als Instrument fließt über den Akkorden, und Hoops wirkt mit ihren geschlossenen Augen und wilden Melodien leidenschaftlich entrückt – solchen Fluss hat man ähnlich bei Jeff Buckley erlebt. Garvey kommt nach einigen spannenden Songs erneut auf die Bühne und singt mit ihr ein Duett namens „Murder Of Birds“. Gewöhnungsbedürftig und durchaus bemerkenswert das Ganze – und ein schöner Einstieg allemal.
Um 22 Uhr betreten dann die teils deutlich wohlgenährten Herren von elbow die prallgefüllte Minibühne des Luxor, begleitet von drei attraktiven Damen an Geige, Cello und Gesang. Allgemeine Tuchfühlung, Band und Publikum sind sich nah und die Herzen weit geöffnet: elbow-Songs leben vom intensiven Gesang Guy Garveys, der Mann wird von Album zu Album besser und singt und erzählt tolle Geschichten die berühren und in ihrer Poesie und Harmonie kleinen Theateraufführungen gleichen. Augen zu und fliegen, nur selten folgen Melancholie und Erlösung so eng aufeinander. Oder einfach locker flockig und stets beglückend. „Mirrorball“ wird dem neuen US-Präsidenten gewidmet („Today is an important day for world politics. The next song is dedicated to the new president Mr. Obama and to all the people who voted for him“). Aber die Band kann auch anders: Zum Einstieg gab es wunderbar live gespielte Trompetenstöße („Starlings“), später Kinnhaken in „Leaders Of The Free World“ – einst gegen die Achse des Bösen Bush/Blair verfasst und erstmals herrlich veraltet – und als Höhepunkt das echte Groovemonster „Ground For Divorce” – Hölle nochmal ja! „Newborn“ vom Debütalbum ist noch immer das Herzstück und steigert sich in acht Minuten in einen wahren Reigen von Melodieschleifen und Schlagzeuggewitter. Radikal die abschließende Punktlandung. Hymnen haben elbow schon so einige geschrieben, aber keine war wohl so infizierend wie „One Day Like This“ – Köln reckt die Arme und singt lauthals mit. Allgemeine Glückseeligkeit gipfelt in einem Gospelgesang. Dieser Gemeinde tritt man gerne beiÂ… gehet und verbreitet die frohe Botschaft. Aber nur den Guten unter euch, Durchschnittliches für die Massen gibt schließlich schon genug.
Setlist:
01. Starlings
02. Bones Of You
03. Mirrorball
04. Leaders Of The Free World
05. The Loneliness Of A Tower Crane Driver
06. Great Expectations
07. The Stops
08. Ground For Divorce
09. Forget Myself
10. Newborn
11. Weather To Fly
12. One Day Like This
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13. Some Riot
14. Station Approach
15. Scattered Black And Whites