Electronic Beats Festival

Electronic Beats Festival 2010 - mit Moderat, Miike Snow, Major Lazor, Kele, Turboweekend und Little Dragon

20.05.2010 E-Werk / Köln

Von: Karsten Kraemer

Electronic Beats Festival Köln

Manch ein Musikfreund unter uns kennt das "Problem", wenn er ein Festival nur wegen des Auftritts einer bestimmten Band besuchen möchte und diese aufgrund ihres Status als Headliner erst sehr spät zum Zuge kommt.

So ergeht es jedenfalls mir an diesem Abend beim traditionellen EB-Festival der Telekom, welches wie im letzten Jahr im Kölner E-Werk stattfindet und mehrere Acts für wenig Geld (19 EUR im VVK) anbietet. Im Vergleich zum Mai 2009, wo man mit Fever Ray, Phoenix und The Gossip drei bereits damals sehr namhafte Künstler für sich gewinnen konnte, liest sich das Line-Up diesmal allerdings etwas unspektakulärer und auch der Termin unter der Woche erscheint unglücklich gewählt.

Letzteres und der laue Frühsommerabend könnten der Grund dafür sein, warum sich beim Auftakt gegen 20.30 Uhr nur etwa 60-70 Personen im großen Konzertraum des E-Werks verlieren, währenddessen sich etwa die gleiche Anzahl noch vor der Halle und im anschliessenden Biergarten die Zeit vertreibt. Ihnen entgeht souliger Elektropop des schwedischen Quartetts Little Dragon, der stellenweise an ihre isländischen Kollegen Sigur Ros erinnert, wenn auch insgesamt weniger sphärisch und ohne deren melancholische Schwermut. Die drei bärtigen Jungs aus Göteborg nebst ihrer Sängerin Yukimi Nagano, einer Halbjapanerin, haben mit "Machine Dreams" im Oktober 2009 ihren zweiten Longplayer veröffentlicht, nachdem ihr selbstbetiteltes Debütalbum Ende 2007 immerhin den Preis der Deutschen Plattenkritik einheimsen konnte.

Im Anschluss treten Turboweekend aus Dänemark auf, die kurzfristig ins Programm gerutscht sein müssen, nachdem ihr Name bei den diversen Vorankündigungen noch fehlte. Ihr eher rockiger Stil passt meiner Meinung nach nur bedingt zum Motto des EBF und kann einen Großteil des Publikums weiterhin nicht in den Innenraum locken.

Erst gegen halb elf zum Start von Miike Snow füllt sich dieser allmählich. Die amerikanisch-schwedische Formation (wobei spätestens jetzt der skandinavische Einschlag des diesjährigen Festivals offenkundig wird) erlangten Bekanntheit durch Kollaborationen mit Madonna, Kelis und Jennifer Lopez und produzierten unter dem Namen Bloodshy & Avant den Britney-Spears-Track "Toxic", der das bis dahin, kommerziell gesehen, erfolgreichste Lied der Sängerin darstellt. Die Musik dieser Combo mit dem seltsamen Logo (Hase mit Hirschgeweih) ist eine krude Mixtur aus New Wave und Space Disco und fällt für meinen Geschmack über weite Strecken etwas zu poppig aus. Dem Airplay auf zielgruppengerichteten Radiosendern zufolge kennen allerdings einige Besucher ihre Songs und tanzen vereinzelt mit - der Abend nimmt also langsam Fahrt auf.

Es folgt Kele (Okereke), der Sänger und Gitarrist der englischen Indie-Stars von Bloc Party, deren schöpferische Pause er damit verbringt, nun eine Solokarriere zu starten. Der Brite mit nigerianischen Wurzeln nutzt den ansteigenden Stimmungspegel, indem er auch den Dialog mit dem Publikum sucht und somit auch erstmalig die Besucher mit einbindet. Seine gut einstündige Show macht durchaus Appetit auf das Mitte Juni erscheinende Debütalbum.

Um kurz vor 1 Uhr, also gut eine Stunde nach dem ursprünglich angekündigten Zeitplan dann endlich Moderat aus Berlin, der eingangs erwähnte Headliner, auf den ich mich schon den ganzen Abend gefreut habe. Und das Trio wird meiner Erwartungshaltung vollauf gerecht. Vor drei großen Leinwänden, auf denen die künstlerisch wie visuell beeindruckenden Videos zu den jeweiligen Tracks projiziert werden, stehen die Jungs hinter ihren Laptops und erinnern schon allein deshalb an Kraftwerk, die Urväter der elektronischen Musik. Bereits beim Opener "A New Error" wird dank des kraftvollen Sounds die gute Akustik im E-Werk erstmals an diesem Abend voll ausgeschöpft, auch der Rest ihres knapp neunzigminütigen Sets (inklusive zweier Zugaben) ist durchgehend überzeugend. Hier verdient sich diese Veranstaltung zu einhundert Prozent das Attribut "elektronisch".

Zum Ausklang gilt es dann noch einmal zu Dancehall und Crossover Reggae das Tanzbein zu schwingen - wobei mit Switch die eine Hälfte des amerikanisch-britischen Duos Major Lazer wohl auf der Insel geblieben ist. So obliegt es seinem Kollegen Diplo, den Wizard hinter den Turntables zu geben und zusammen mit MC sowie zwei grazilen Tänzerinnen dem Rest der Gemeinde eine angemessene After Hour zu bescheren. Dieser besteht mittlerweile nur noch aus maximal 70-80 Leuten, nachdem eine Vielzahl von Besuchern spätestens nach Moderat den Heimweg angetreten hat.

Fazit: Auch wenn das Preis-/Leistungsverhältnis nach wie vor stimmt beim EBF und gute elektronische Bühnen-Acts rar gesät sind - die nächste Ausgabe darf gerne wieder dem eigentlichen Namen Ehre machen - also mehr Electro und etwas weniger Vocals sprich Pop. Aber auf alle Fälle sollte es nicht mehr an einem Wochentag stattfinden.

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