Elton John

The Red Piano Tour 2008 - Support: Jamie Lidell & Band

26.11.2008 Kölnarena / Köln

Von: Thomas Kröll

Elton John Köln

Elton John bringt seine Las Vegas-Show "The Red Piano" erstmals nach Deutschland. Fast 200 Shows hat der 61-jährige Sir Elton seit 2004 bereits in der Wüstenmetropole von Nevada absolviert und alle waren ausverkauft. Hierzulande stehen aufgrund der riesigen Produktion (für deren Transport 19 Trucks notwendig sind) nur die vier grössten Hallen auf dem Tourplan: München, Hamburg, Berlin und eben Köln.

Die Kölnarena (neuerdings "Lanxess-Arena") ist heute allerdings nicht ausverkauft. Das mag vielleicht am gepfefferten Ticketpreis von bis zu 171 Euro in der Spitze liegen. Da der Innenraum diesmal komplett bestuhlt ist, sitzt man dafür aber auch recht nahe an der Bühne. Das Publikum ist entsprechend gediegen, einige sind mit Anzug und Krawatte erschienen. An den Ständen im Umlauf der Arena gibt es Lachsbrötchen und Sekt. Beim Einlass werden kleine rote Schleifen der Aidshilfe Köln verteilt, gegen eine Spende natürlich. Bei gut 10.000 Fans kommt da hoffentlich eine hübsche Summe zusammen. Schließlich ist am 1. Dezember Welt-Aids-Tag!

Pünktlich um 19.30 Uhr eröffnen Jamie Lidell und seine vierköpfige Band den Abend. Im Sommer war der 30 Jahre alte Brite noch einer der Headliner beim Kölner S.O.M.A.-Festival. Auf seinem aktuellen Album "Jim" mischt er fleißig Soul, Blues und Rock`n Roll mit Electronic-Elementen und Funk. Schon als Lidell in einer Art altenglischer, seidener Pyjama-Jacke und Schlabberhose die Bühne betritt und herumzuzappeln beginnt wird klar, dass er hier heute fehl am Platze ist. Trotz eines für die Vorgruppe erstaunlich sauberen Sounds (lediglich der Gitarrist hat kurzzeitig mit einigen technischen Problemen zu kämpfen) kann die Elton John-Anhängerschaft mit seinem Stilmix inklusive der vielfältigen elektronischen Spielereien reichlich wenig anfangen. Nach sechs Songs und 35 Minuten wird Jamie Lidell mit freundlich-erleichtertem Applaus entlassen. Mehr nicht, obwohl er mehr verdient hätte. Ich finde das Quintett sehr unterhaltsam und überzeugend. Leider bei der falschen Veranstaltung.

Nur 20 Minuten später geht das Licht im weiten Rund erneut aus. Ein Dutzend weißgekleideter Helferlein kommen auf die grosse, glanzlackierte Bühne und enthüllen den neben Elton John zweiten Hauptdarsteller der Tour: Das rote Piano, das auf einem illuminierten Stern steht. Rechts und links gibt es zwei Videoscreens, das Herzstück der Konstruktion ist jedoch eindeutig die 27 Meter breite und 10 Meter hohe Videowand im Hintergrund, auf der für die nächsten 110 Minuten zu fast jedem Song Filmkompositionen des Fotografen David LaChapelle zu sehen sein werden (angeblich teilweise sogar Videos aus dem Privatarchiv des Sirs). Dann folgt die Band und schließlich Elton John, der lässig und mit roter Sonnenbrille zu seinem Instrument schlendert. Über ihm steht in riesigen Leuchtbuchstaben sein Name. "Bennie And The Jets" ist der erste von insgesamt 17 Songs.

Beim folgenden "Philadelphia Freedom" kommt dann erstmals die Videowand zum Einsatz. Sie zeigt Bilder aus den 60er und 70er Jahren mit viel nackter Haut. Im Verlaufe der Show werden sich dort allerlei skurrile Filmchen abwechseln: Sequenzen aus dem Vietnam-Krieg, eine nachgespielte Backstageepisode, in der Justin Timberlake den jungen Elton mimt, Live-Bilder aus der Halle, Tanzszenen, die allerdings eher an Gewaltakte erinnern und wie zur Versöhnung Pamela Anderson, die sich mit einer Federboa halbnackt um eine Stange windet. Zwischendurch fragt man sich, ob man hier bei einer Filmvorführung mit Musik oder doch bei einem Konzert mit filmischer Untermalung ist. Die Fans jedenfalls hören eher andächtig zu, kann sein, dass sie aber auch zu sehr von den diversen Projektionen gefesselt sind. Der Sound ist außerdem etwas zu laut, manchmal überschlägt er sich sogar.

Im Vergleich zu Jamie Lidell herrscht auf der Bühne nahezu Regungslosigkeit. Die Band ist zwar handwerklich perfekt, so wie man es erwarten darf, scheint aber ansonsten auf ihren Plätzen festgewachsen. Elton John intoniert seine Songs ausnahmslos vom Klavierhocker aus und ist dort auch sehr gut bei Stimme. Sein Bewegungsdrang erschöpft sich darin, dass er nach jedem Stück aufsteht, um einen Schluck Wasser zu trinken. Ab und zu erzählt er ein paar lustige Geschichten und stellt die Band vor. Ohne die Videoeinspielungen wäre ich womöglich auf Dauer tatsächlich mal eingenickt. Aber da ist ja auch noch die Musik!

Die Setlist ist vom Feinsten. "Daniel", "Rocket Man" (mit einem schönen Piano- und einem noch schöneren Gitarrensolo von Davey Johnstone) oder das unvermeidliche "Candle In The Wind". Dazu Aufnahmen von Marilyn Monroe, von der dieser Song handelt (und nicht von Lady Di!). Norma Jean Baker wäre in diesem Jahr 82 geworden und wahrscheinlich immer noch eine wunderschöne Frau. Im krassen Gegensatz dazu die eher rockigen "Pinball Wizard" (bei dem eine überdimensionale Flipperkugel auf die Bühne fällt) und "I`m Still Standing". Klasse auch "I Guess That`s Why They Call It The Blues", "Sorry Seems To Be The Hardest Word" und "Tiny Dancer". Auf der Bühne werden riesige Rosenknospen aufgeblasen, dann Bananen, Äpfel, ein Hot Dog, eine Zigarette und ein Eis, über der Bühne baumeln Plastikbrüste, seitlich ragen zwei Frauenbeine in Strapsen herein und gleichzeitig schweben grosse rote Luftballons mit Elton Johns Konterfei durch die Kölnarena. Die Leute haben ihren Spass!

Am Ende herrscht dann doch noch so richtig Betrieb. Bei "Saturday Night`s Alright For Fighting" dürfen etwa fünfzig Fans aus den ersten Reihen auf die Bühne. Das Piano ist im Handumdrehen von einer Menschentraube umringt und Elton John nicht mehr zu sehen. Von der Decke schneit es währenddessen Papierschnipsel. Beim Closer "Your Song" gibt es dann tatsächlich stehende Ovationen bis hinauf zum Oberrang und luftgefüllte Riesenbuchstaben, die uns das Motto des Abends mit auf den Heimweg geben: LOVE!

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