Enter Shikari

Europe 2011 - Support: LetLive + Your Demise

28.09.2011 Gloria Theater / Köln

Von: Daniel Lembke

Enter Shikari Köln

Alle Jahre wieder beehren uns Enter Shikari mit einer Tour durch Europa. So auch dieses Jahr. Und wieder heißt ihr Zwischenstopp in Köln: Gloria Theater. Nach ihrem letzten Live Album "Live From Planet Earth – Bootleg Series Vol.3", das erst dieses Jahr erschien, wollen die Engländer also wieder die Welt erkunden und die Menschen mit ihrer Musik beglücken. Dabei werden sie tatkräftig von den Durchstartern des Jahres letlive. und den alteingesessenen Hardcore-Giganten Your Demise unterstützt.

Den Anfang machen die Amerikaner letlive. Als deren Sänger Jason Butler von der britschen Rock Zeitung "Kerrang" kürzlich zurecht auf Platz 1 der "50 Greatest Rockstars In The World Today" gewählt wurde, war der Aufschrei in der Szene groß. Doch wenn man letlive. einmal live sieht, weiß man, was sich die Engländer dabei gedacht haben. Butler gibt seine Texte nämlich nicht nur auf der Bühne zum Besten, sondern macht auch kurze Ausflüge auf einen Balkon oder liegt singend auf dem Boden. Soviel Power bei einer Vorband hat man selten gesehen und so staunen auch die Zuschauer nicht schlecht, wie er da schreiend und Oberkörper-frei die ganze Bühne erkundet. An dieser Band kommt wohl 2012 niemand mehr vorbei.

Als nächstes geben sich die Hardcorer Your Demise von der Insel die Ehre. Nach den ersten Tanzversuchen bei letlive. sieht das nun hier schon besser aus. Nach mehreren Circle Pits und einer riesigen Wall Of Death steht niemand mehr still. Die Briten überzeugen mit fettem Sound und einem energiegeladenen Frontmann. Ihr letztes Album "The Kids We Used To Be" ist deutlich melodischer als sein Vorgänger und ein Riesenerfolg für die Band. Der Sänger fordert die Menge auf, noch mehr zu tanzen und Spaß zu haben. Einige Sekunden später sind dann auch die ersten Stagediver unterwegs, die sich den Weg zur Bühne freikämpfen. Ein paar Songs später ist der Spuk vorbei und die Zuschauer haben kurz Zeit sich zu verschnaufen, denn als nächstes ist der Hauptact Enter Shikari an der Reihe.

Als pünktlich um 21:15 Uhr die Lichter ausgehen und die Menge anfängt zu schreien und zu toben, weiß jeder: Hier wird gleich etwas besonderes geschehen. Drei riesige Dreiecke auf der Bühne fangen an zu blinken, das große Transparent mit der Aufschrift "If You Stand For Nothing, You Will Fall For Anything" ist nun zum ersten Mal komplett zu sehen, Lichtstrahlen blenden das Publikum und die Strobolichter leisten ganze Arbeit. Die Band kommt mit leuchtenden Instrumenten auf die Bühne. Als die ersten elektronischen Beats anfangen geht die Party los.

Enter Shikari sind deutlich Dubstep-lastiger geworden als noch zuvor und so gibt es die ersten fetten Breaks bei "Motherstep". Die Zuschauer kommen so voll auf ihre Kosten. Die Briten sind für ihre Livequalitäten bekannt, aber das wirklich jeder im Saal so ausgelassen tanzt, habe ich bei einem Konzert selten gesehen. Die Jungs legen mit einem Geballer aus allem was sie haben und mit "Zzzonked" die Messlatte für den Rest des Abends sehr hoch und auch der Synthesizer bei "Hectic" erinnert ein bisschen an Scooter. Beim Klassiker "No Sssweat" wird geschwitzt was das Zeug hält und auch bei "Arguing With Thermometers" wird nicht aufs Thermometer geguckt, sondern die Hitze im Saal steigt und steigt. Auch beim neuesten Song "Quelle Surprise" ist das Publikum textsicher und so schreit jeder, der noch eine Stimme hat, lautstark die Lyrics mit.

Nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Band, die sichtlich Spaß am Geschehen hat, braucht eine kleine Auszeit. Ungewöhnlich für Enter Shikari nimmt dann Sänger Rou die Akustikgitarre in die Hand und gibt seine schöne Stimme im Song "Gap The Fence" zum Besten. Doch viel Zeit bleibt nicht, denn auch dieser Song endet mit einem fetten Break. "Sssnakepit" sollte wohl eher in "Moshpit" umbenannt werden, denn die Drum'n'Bass Parts im Song machen die Menschenmenge zu einem riesigen Pit. Doch leider neigt sich der Abend langsam dem Ende zu. Beim Klassiker "Sorry, You're Not A Winner" von ihrem Debutalbum "Take To The Skies" zeigt sich das Publikum noch einmal klatschsicher und brüllt mit einem lauten "SORRY YOU'RE NOT" die Band an die Wand. Unter lautem Beifall verschwinden die Jungs hinter die Bühne, denn nicht nur sie sondern auch das Publikum sind nach dem letzten Break völlig ausgepowert. Nach zahllosen "ONE-MORE-SONG" Rufen, kommen die vier Briten dann schließlich nochmal auf die Bühne und beenden den Abend mit "Juggernauts" vom 2009 erschienenen Album "Common Dreads". Ein krönender Abschluss!

Abschließend kann man sagen, dass Enter Shikari immer wieder einen Besuch wert sind. Keine andere Band vermischt so viele Musikstile in einem und spricht dadurch auch eine große Menge an. Neben den klassischen Hardcore-Screams und -Growls und den Drum'n'Bass- oder Dubstep-Breaks, scheinen die Engländer den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Dazu kommt die starke Live-Qualität, der klare Sound und die sagenhafte Bühnenshow, die vor allem durch die verschiedenfarbigen blinkenden Lichter und Laser überzeugt. Die nächste Tour geht zwar durch Nordamerika, aber insgeheim freut sich schon jeder auf nächstes Jahr, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass die Jungs dann auch wieder in Deutschland Halt machen. Grund dazu hätten sie ja, denn 2012 erscheint ihr neues Album.

Setlist:

Destabilise
Motherstep/Ship
Zzzonked
Havoc A
Hectic
Return To Energiser
No Sssweat
The Jester
Arguing With Thermometers
Quelle Surprise
Gap In The Fence
No Sleep Tonight
Sssnakepit
Sorry, You're Not A Winner
Juggernauts

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