Enter Shikari

Tour 2010 - Special Guest: Story Of The Year

13.01.2010 Markthalle / Hamburg

Von: Melanie Schupp

Enter Shikari Hamburg

Unterhaltung boten Enter Shikari seit jeher mit ihren energiegeladenen Liveshows. Die Qualität der Klänge, die aus den Boxen tönte, schwankte bislang meist etwas. Doch auf ihrer Tour im Jahr 2010, mit dem aktuellen Album “Common Dreads” im Gepäck, zeigten Enter Shikari musikalische Reife nicht nur auf der Platte. Und die Markthalle in Hamburg durfte sich selbst ein Bild von den verbesserten Livequalitäten machen.

Am 13. Januar war es soweit. Punkt 20 Uhr begann die Show mit dem Special Guest Story Of The Year. Wer allerdings wie wir zu der hart knechtenden, Übestunden ackernden Bevölkerung gehört, und darum knappe 35 Minuten zu spät kam, verpasste die fünf Amerikaner aus St. Louis. Gerade mal die letzten Töne erreichten unser Ohr.

Doch immerhin stand der Hauptact noch aus. Zum Ende der Umbaupause füllte sich der Saal – auf den ersten Blick ließ sich sogleich erkennen, dass dieses Mal einige mehr den Weg zum Konzert gefunden hatten als das letzte Jahr. Erwartungsvolle, junge Gesichter blickten auf die Bühne als auch kurz nach 21 Uhr das Licht gelöscht wurde und ein Intro “Common Dreads” das Nahen von Enter Shikari ankündigte. Großer Jubel brach aus als die Jungs auch schon die Bühne erstürmten und gleich getreu dem Album mit “Solidarity” weiter machten. Frontmann Rou hielt es auch nicht länger aus auf der Bühne und hechtete in den Securitygraben, um sich von dem begeisterten Publikum in die Arme nehmen und durch die Haare wuscheln zu lassen. Und schwups war er wieder on stage um der munteren Menge weiter einzuheizen. Der darauf folgenden Ansage von Frauenschwarm Chris - “this tour ist die schlimmste!” - konnte niemand im Raum zustimmen. Ob die Herren es vielleicht auf ihren Gesundheitszustand oder auf Missgeschicke während der letzten Tage bezogen war nicht auszumachen, die Liveshow an diesem Abend jedenfalls lief von Anfang bis Ende einwandfrei.

Musiker als auch Publikum hatten große Freude am Geschehen und zum Beginn von “Mothership” klatschten alle lautstark den Takt mit. Bei diesem Song fiel zum ersten Mal auf, wie gut Enter Shikari und ihr Mischer-Team die vielen Tonspuren und vor allem das gesangliche Können in den Griff bekommen hatten. Freudig sprang Rou erneut in den Graben und zu “Zzzonked” folgte ihm Chris auf den Fersen, der noch einen oben drauf setze, indem er sich mitsamt seinem Bass in die Leute hineinlegte, die ihm ein mehr oder weniger gemütliches Bett aus Händen, Köpfen und Körpern boten. Und nach einigen Minuten packte es auch Gitarrist Rory, der stagedivend sein Instrument bearbeitete... Spätestens jetzt bekamen die kabellosen Verbindungen der Instrumente einen großen Sinn bei der Sache.

Dann war es Zeit für ein wenig Deutschunterricht. Doch leider starrten Chris nur fragende Gesichter an als er “Sechs Franken für den Bus” wollte. Das nach kurzem Zögern folgende “Bitte?” half leider auch nichts. Eine Korrektur half, doch die Ansage “Sechs Frauen für den Bus bitte” rief auch nicht die erhoffte Wirkung hervor... Zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Vielleicht kam die Message etwas später doch noch an. Doch in diesem Moment wollte das Publikum nur eines, und zwar auf die Ohren. Diesem Wunsch kamen Enter Shikari auch nach und Rou präsentierte seine Gesangsfortschritte bei “No Sleep Tonight” erneut und die Fans sangen aus vollen Kehlen mit. Und noch eine Überraschung hatte Rou auf Lager: bei der nahtlos folgenden Ballade “Gap In The Fence” griff er zur Akustikgitarre und schaffte eine komplett neue Atmosphäre auf der Enter Shikari Bühne. Fast schon auf unheimlich romantisch schwang die Stimmung in der Markthalle um, doch zum Ende kam die Notbremse bzw. das Not-Gaspedal und es wurde zu den in den Vordergrund rückenden Electro-Beats abgeraved.

Nach “Havoc B” war es Zeit das Rätsel des abends zu lösen. Chris stellte den Ersatzdrummer des abends vor, da Rob aus unbekannten Gründen verhindert war. Leider ging auch diese Ansage ein wenig unter, da die Masse völlig euphorisch auf den nächsten Song wartete. Der Schweiß war noch nicht genug geflossen und somit trafen Enter Shikari mit dem gegenteiligen Titel “No Sssweat” nicht direkt ins Schwarze. Und unermüdlich ging es auch auf der Bühne weiter. Gespringe, Purzelbäume mit Gitarre in der Hand, Gerenne, Stage Diving – nur ein paar Aktionen, die den Wahnsinn bei Enter Shikari beschreiben.

Nach “Fanfare For The Conscious Man” verließen die Jungs die Bühne. Doch das Publikum gab ihnen nur kurze Zeit zum Durchatmen, denn es verlangte nach mehr. Die Muskeln waren noch gut aufgewärmt, das Adrenalin strömte noch durch die Adern und somit gab es natürlich das von erster Minute herbeigesehnte “Sorry You’re Not (A Winner)” bei dem die Menge zielsicher klatschte. Einem Zuschauer gelang es sogar durch den großzügigen Securitygraben zu flitzen und von der Bühne in die Menge zu diven. Dies wurde auch mit respektvollen Zurufen kommentiert. Zur zweiten Zugabe schien es endlich auch Rory, der bis dahin eine langärmlige Jacke anbehielt, warm geworden zu sein. Er war also doch menschlich und schwitzte! Ein Wunder, dass er es so lange ausgehalten hatte, denn die Halle kochte! Zum Endsong “Juggernauts” legten alle nochmals richtig los. Eine musik- als auch unterhaltungstechnisch geniale Show kam somit zum Ende.

Doch für Enter Shikari hatte die Nacht noch lange kein Ende. Sollten sie tatsächlich noch in den H1 Club zur Aftershow Party gegangen sein – zu der Chris während der Show unermüdlich das Publikum eingeladen hatte – könnte es durchaus bis in die Morgenstunden gegangen sein... Und wer weiß... Vielleicht sickerte Chris’ merkwürdiger deutscher Satz doch noch durch.

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