Erasure

Tour 2005

28.03.2005 E-Werk / Köln

Von: Heiko Hach

Erasure Köln

Als um ca. 21.20 das Licht im ausverkauften E-Werk ausgeht, springt der Funken zwar direkt über, der Vorhang aber bleibt zunächst noch oben. Ein herzallerliebstes Intro erklingt - sphärisch verschwurbelt, mit leichtem Kinderlied-Appeal und irgendwie ist auch Andy Bells´ Stimme zugegen.

Schliesslich fällt der Vorhang und der Blick wird frei, erstmal vor allem auf Andy. Mittig plaziert, mit enger weißer Hose, entsprechender Weste und einem Traum von Flügeln auf dem Rücken, nimmt er das Publikum sofort für sich ein. Mir springen vor allem seine derben Oberarme ins Auge, nice biceps, Andy. Das Bühnenbild entspricht dem Cover von Nightbird und ist mit mehreren kahlen Bäumen angenehm in Szene gesetzt. Rechts sind die beiden Background-Sängerinnen plaziert und Vince Clark steht „hinten links“ hinter Keyboards & Synthies, ganz cool und abgeklärt – wie denn auch sonst.

Als zweites Stück bringen Erasure Hideaway, dieses alte Stück aus dem Circus-Album ist eine wahre Coming Out – Hymne und wird ganz ohne extra Ansage dargeboten, cooles schwules Selbstverständnis. Nun aber bitte Hits! Die werden auch quasi non-stop geboten und egal Victim- oder in den Chains of love, Erasure lassen uns gesammelt Endorphiene ausstossen. Vermutlich tun sie es uns gleich wenn auch aktuelle Songs wie Breathe gebührend abgefeiert werden. Der Sound ist von Anfang an vom Feinsten, die Stimmung auf und vor der Bühne bestens und Andy Bell ist so gut bei Stimme wie man es sich erhoffte. Überhaupt, Andy Bell, charismatisch wäre wirklich untertrieben und man verzeiht ihm so einiges. Mittlerweile ohne Flügel und Weste, singt der gute im fleischfarbenen Shirt, nicht ohne einiges an Glitter auf der Brust zu tragen. Wie lange er an seiner Choreographie gefeilt hat, weiß kein Mensch. Er tippelt mit kleinsten Schritten über die Bühne, dreht sich um sich selbst, tippelt weiter und wedelt dramaturgisch wertvoll mit den Armen. So was könnte mir sonst keiner vorsetzen, in diesem Fall jedoch bin ich begeistert und damit nicht alleine. Nachdem geklärt ist, dass Blondie sowieso die Besten sind, covern Erasure auch prompt deren Rapture und nutzen dies geschickt um Andy einen Kostümwechsel zu ermöglichen. Der Background singt das meiste und am Ende rapt (!) Vince Clark (!!).

Nach dieser Sensation kommt der Frontmann nunmehr im blauen Anzug mit vielen kleinen bunten Lichtern zurück auf die Bühne und schmachtet Ave Maria. Dass es danach wieder abgehen sollte, weiss auch er und zieht das Tempo mit Breathe of life ordentlich an. Wenn es im Chorus heisst „I want life, life wants me, to breathe...“, bin ich vermutlich nicht der einzige der gerührt ist. Dem Bekanntwerden seiner Krankheit setzt Andy eine, so weit man das beurteilen kann, exzellente Verfassung entgegen, was erfreut und beruhigt. Wie schon früher glänzt er auch heute mit charmant eingesetztem und fast fehlerfreiem Deutsch, mit dem er bei etlichen Ansagen brilliert.

Hit auf Hit geht es weiter und Erasure werden völlig berechtigt abgefeiert. Nach Chorus und Love to hate you ist Herr Bell kurz weg und erscheint pünktlich zu Blue Savannah in nicht allzu viel Textil erneut. Im Intro zu dem Stück noch von zwei großen Fächern im Federnlook verhüllt, sieht man schon bald dass der Sänger nur noch einen goldenen Slip und passende Stiefel trägt. Peinlich oder albern könnte man denken, ist es aber nicht – und dass sich diverse body-fashists evtl. wundern stört zumindest mich nicht im geringsten. Als die beiden Sängerinnen und Vince Clark namentlich vorgestellt werden ist der Beifall vor allem für Letzteren berechtigt frenetisch, die beiden tauschen ein Küsschen aus und Andy tänzelt zurück zum Mikro. Einzig bei Always, dem vorläufigen Schlusspunkt, ist der Sound nicht ganz so gut, was sich im Lauf des Stücks aber bessert.

Unter anhaltend lautem Applaus erscheinen Erasure für etwas magere zwei Zugaben, als aber das bereits öfters lauthals geforderte Oh l´amour das endgültige Ende des Konzertes einläutet, sind wohl alle restlos begeistert, glücklich und zufrieden.

Hat Spass gemacht – war gar ein echtes Highlight, macht weiter und kommt wieder!

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