Festliche Eröffnung der SAP ARENA fest. Ronan Keating, Söhne Mannheims, Silbermond, Peter Maffay, Laith Al-Deen u.a.
3 Tage, 4 Bundesländer, 8 Autobahnen und knapp 30 verschiedene Sänger und Kapellen lautet die Bilanz des Wochenendes. Die SAP Arena in Mannheim wurde an diesem Wochenende feierlich eröffnet und wir dachten uns, dass sei Anlass genug um das Köfferchen zu packen und uns das einmal anzusehen.
Bevor wir jedoch zum musikalischen Teil kommen, zunächst ein Gruß an die Spaßvögel von der hessischen Autobahnpolizei. Mit nichts Bösem im Sinn und uns im Rahmen der Geschwindigkeitsbeschränkungen bewegend, haben wir eine „Verdachtsunabhängige Verkehrskontrolle“ genießen dürfen. Kannte ich bislang auch noch nicht, sollte man aber mal mitgemacht haben. Uns hat´s gefallen und wir haben direkt das Komplettprogramm mit Personalienkontrolle, Wagendurchsuchung und „Adler“ machen gebucht. Naja, offensichtlich brauch ich ein schöneres Auto. Witzig vor allem der Kollege, der mit Rasierklingen unter dem Arm seinen Machterfahrungstrip ausgelebt hat. Langhaarig, mit bösem Blick, wortkarg und den Colt locker im Halfter. Beim Schnüffeln in meiner Zigarettenpackung haben sie nicht die vermuteten Drogen gefunden. Er hätte sie zum Relaxen durchaus mal gebrauchen könnenÂ…
Freitag, 2.9.
Da wir ein wenig mit der Zeit hintendran waren, haben wir nur schnell die Klamotten in unser Hotelzimmer geworfen und sind dann flinken Fußes bzw. heißen Reifens Richtung Arena gestartet. Der Taxifahrer Marke „Schumi“ (nur in schnell) brach mehrere Geschwindigkeitsrekorde und gegen halb Neun waren wir dann an der schicken neuen Halle, die SAP-Chef Dietmar Hopp den Mannheimern und hier im Besonderen den Adlern spendiert hat. Zu den weiteren Erfahrungen dieses Wochenendes gehörte auch ein Sprachkurs. Neben dem südwestdeutschen Universalwort „Ah, Yo“, mit dem man offensichtlich jeden Satz ergänzen oder auch komplette Statements abliefern kann haben wir bei der Suche nach unseren Karten gelernt, dass „Stewart“ wohl der württembergische Begriff für „ahnungslos“ und „Staff“ das Wort für „superfreundlich“ ist. Das waren zumindest unsere Erfahrungen mit dem Hallenpersonal. Auf die Frage „Wo ist denn hier bitte der Presseeingang“ bekam einer der hierarchisch am oberen Ende der Nahrungskette angesiedelten angesprochenen Stewarts den Gesichtsausdruck eines Autos, verharrte einige Sekunden in vollkommener Stasis und gab dann die schonungslos ehrliche Antwort „Ah, Yo, he net“, entließ uns allerdings nicht ohne den weisen Rat: „Do müsse se emol um die Hall drum rum luffe“.
Einige Zeit und etliche Schulterzucker später dann doch erfolgreich an unseren Plätzen angekommen spielten noch die Staatsphilharmoniker Rheinland-Pfalz und als klassischer Klassikbanause (musikalisch absolut hochwertig, aber der Gesang ist mir persönlich einfach zu angestrengt) konnten wir uns dann einstweilen erst einmal mit Pils für schlanke 2,50€ (0,4 l !) grundversorgen.
Gegen viertel vor Zehn schritten besagte Philharmoniker dann wieder zur Tat und auf die Bühne und der für uns interessante Teil mit Ronan Keating konnte beginnen. Die Halle verdunkelte sich und Ronan kam stilgerecht im schwarzen Anzug heraus.
Als erster in der Arena live gespielter Pop-Song wird Loving each day in der Analen eingehen und der glasklare Sound in der neuen Halle verblüffte selbst am Far-End unter dem Hallendach.
Nach The way you make me feel bedankte sich Ronan dann artig für die ihm angebotene Gelegenheit einmal mit einem klassischen Orchester performen zu können und anschließend kam bei If tomorrow never comes dieses auch zum ersten Male richtig zur Geltung. Sehr schön und sehr harmonisch, wie sich hier Pop und Klassik ergänzten.
Zu den weiteren Songs des Abends gehörten I hope you dance, welches er seinem dritten Kind, das wohl noch in dieser Woche geboren wird, widmete und, nicht weniger persönlich, This is your song, für seine vor sieben Jahren verstorbene Mutter. Darüber hinaus spielte er u.a. noch It´s only words, Cat Stevens Father and son und das Duett We´ve got tonight.
Das Mainset beendete Ronan Keating dann mit Live is a Rollercoaster und hier kam auch das erste Mal so richtig Stimmung in der Halle auf. Prinzipiell war diese nicht schlecht, die Premierengäste gehörten jedoch insgesamt eher zum Typus „Sitzpublikum“. Ronan verließ nach diesem Lied die Bühne, ließ sich jedoch durch den begeisterten Applaus nicht lange um die Zugabe bitten, für das er sich noch zwei Gänsehaut-Songs aufbewahrt hatte. Das, was man sich durch den gemeinsamen Auftritt mit den Philharmonikern erhofft hatte, kam bei When you say nothing at all voll zum tragen und den Schlussrefrain überließ er dann dem Publikum. Wirklich, wirklich schön und sehr stimmungs- und effektvoll. Im Anschluss widmete er den letzten Song des Abends, Elvis Presleys In the Ghetto, den Bewohnern von New Orleans.
Ein sehr schönes Eröffnungskonzert mit einer interessanten Kombination von Pop und Klassik, eine brillante Soundqualität und für die heutige Zeit bemerkenswert zivile Getränkepreise sind die Eindrücke, die nach diesem Abend bleiben. Besonders gespannt war ich im Vorfeld auf das Zusammenspiel von Ronan Keating mit den Philharmonikern. Ein gelungenes Experiment, wobei die Songs nicht so „neu“ wirkten wie z.B. bei Metallicas berühmten S&M Auftritt. Hierfür wurde der klassische Anteil einfach zu sehr von den Pop-Elementen dominiert.
Samstag, 3.9.
Nach einer kurzen Nacht stand der Samstag zunächst einmal im Zeichen des Sightseeings. Das kurfürstliche Mannheim mit Schloss, Wasserturm und sehr schöner Innenstadt ist durchaus einmal einen Besuch wehrt und entspannt konnten wir uns somit auf den Abend einstimmen.
Der zweite Eröffnungstag hielt ein Kontrastprogramm zum ersten Abend bereit. Rolf Stahlhofen, neben Xavier Naidoo die zweite Stimme bei den Söhnen Mannheims, moderiert wie schon am Vortag den Abend und auf der Bühne gaben sich Musiker aus der Region sowie „enge Freunde“ die nichtvorhandene Klinke in die Hand, um je nach musikalischer Größe einen oder mehrere Songs zu spielen.
Musikalisch eröffneten Mann´em Soul den Abend, gefolgt von Joana Zimmer u.a. mit I believe. Sie übergab dann an The Flames, die die Gelegenheit nutzten ihren neuen Song Green tambourine vorzustellen. Im Anschluss spielte der in der Karibik geborene Wahl-Schweizer William White, den wir später auch noch einmal bei der After-Show-Party bewundern durften, einige seiner Funk/Soul Stück im Stile eines Lenny Kravitz, bevor der wandelnde Sing-Flummi Nicole von Groove Guerilla die Bühne gekonnt übernahm. Diese wurde dann von der Gruppe W4C aus der Mannheimer PopAkademie abgelöst, die ihre Songs in Söhne-Artverwandter Weise präsentierten um dann das Mikro dann an Cosmo Klein weiterzureichen. Ihm wiederum folgten Emma Landford und anschließend Laith Al-Deen, der an diesem Abend immer wieder einmal auf die Bühne kam, um mit den verschiedensten Künstlern zu spielen. Es war wirklich ein ständiges Kommen und Gehen und Rolf Stahlhofen kam zwischen den Acts immer wieder für die Anmoderationen auf die Bühne. Nun war Paulo Mendonca an der Reihe, bevor Comedian Bülent Ceylan wirklich gut kurzzeitig das Genre wechselte. Bei dem Auftritt der Berliner Gruppe Silbermond hab ich mich dann bei Symphonie mindestens 17mal in Frontfrau Steffi verliebt, bevor mich Joy Flemming dann hormonell auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Musikalisch gehört sie jedoch auf jeden Fall zu den Highlights des Abends. Mit den Jungs von Badesalz folgte dann ein zweiter Comedy-Act, diesen dann Sasha und dann nochmals Mann´em Soul, die in dieser Besetzung wohl nur wenige Tage zusammen proben konnten. Dem Sound merkte man dies jedoch zu keiner Zeit an. Langsam ging es dem Ende entgegen und Mousse T. kam nach dem ersten gemeinsamen Auftritt mit Emma Landford nun ein zweites Mal auf die Bühne. Zu ihm gesellte sich dann noch Roachford und sie spielten einige Songs. Der „singenden Warze“ Peter Maffay, dem ich bislang mit gepflegtem Vorurteil begegnet bin, muss ich hier dann auch einfach Mal Abbitte leisten. Nach seinem Auftritt ist mir nun klar, warum der Mann sich seit so vielen Jahren erfolgreich in dem Musikbusiness hält. Einfach nur eine beeindruckende Show des Alt-Rockers. Ein harter Kontrast folgte daraufhin mit Massive Töne, bevor sich nun auch Xavier Naidoo mit den Söhnen Mannheims die Ehre gab. Wenig verstanden und stark vermisst habe ich hier den Song Meine Stadt. Wann, wenn nicht heute hätte dieser Song auf die Setlist gehört? Nach fast 5 Stunden Konzert-Staffellauf versammelten sich dann zum Abschluss nochmals alle Künstler auf der Bühne.
Nach zwei Tagen Mannheim endete nun ein großes Konzertwochenende mit Abwechslung bis der Arzt kommt. Die vielen verschieden musikalischen Stilrichtungen von Klassik über Rock und Comedy bis hin zu Hip-Hop, Soul und Pop bedienten jeden musikalischen Geschmack, ohne das es überladen wirkte. Hilfreich war hier natürlich der Cut nach dem ersten Tag. Die von Chef Denis gemachten Bilder werden diesen Eindruck bestätigen, wobei die Fotos des ersten Tages, wo wir die Möglichkeit hatten diese aus dem Fotografengraben zu machen, noch schöner die Impressionen vermitteln können. Nichtsdestoweniger Trotz war es eine tolle Eröffnung in einem neuen Klang-Dom und die Reise war es auf jeden Fall wert.
Vielen Dank an Sandra für die nicht selbstverständliche „Taxifahrt“ durch das morgendlich-nächtliche Mannheim und viele Grüße an den Maffay-Fanclub vom Samstag. Ein weiteres Lob auch den schon eingangs erwähnten, sehr freundlichen „Staff“-Mitarbeitern, so macht das ganze noch mehr Spaß.
Mannheim – Bis demnächst!