Eros Ramazzotti

Ali e Radici Welttournee - Support: Yuri da Cunha

19.03.2010 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Ingrid Silvasi

Eros Ramazzotti Oberhausen

"Un immenso show" sollte es werden - eine immense Show -  Der Italo-Liebling aller Deutschen Eros Ramazzotti breitet seine Flügel aus mit seiner "Ali e Radici"-Welttournee und verankert für den heutigen Abend seine Wurzeln in Oberhausen. Italiener und die, die es gerne wären, strömen bei frühlingshaften Temperaturen in die König-Pilsener-Arena, so dass ich mich schon fast in Italien wähne. Zunächst beschert jedoch Support Yuri da Cunha mit seiner Afro-Kombo Klänge zum Hüften wackeln und versetzt uns mit der Gute-Laune Musik in eine andere Welt. Es handelt sich um Kuduro-Musik mit der der aus Angola stammende Musiker Länder wie Portugal und Südafrika im Sturm erobert - ein Gemisch aus Tribalhouse, Technotönen und lateinamerikanischen Einflüssen.

Ganz so professionell und sexy wie bei den beiden kurvigen Tänzerinnen sieht das Hüften-Wackeln und der wilde Tanz im Publikum zwar nicht aus, mit seiner sympathischen Art und der Mischung aus italienisch angehauchtem Spanisch und Portugiesisch zum Publikum sprechend, gelingt es Yuri und der Kombo die Menge sogar zur Massen-Umarmung zu bringen. "Vamos abracar" – umarmt Euch, ruft er das Publikum auf. "Nicht küssen, sondern umarmen, egal, ob ihr euch kennt oder nicht." Hier geht es um Liebe, Frieden und Musik.

Von Liebe handeln auch Ramazzottis Songtexte – ganz so romantisch wirkt die Bühne mit den Schiffscontainern allerdings nicht und zu Beginn des Konzertes wird mit Hafenklängen im Hintergrund einer der Container an Seilen heruntergelassen und von Hafenarbeitern geöffnet. Oh Wunder, Eros sitzt nachdenklich an einem Tisch im Container – wie lange hat er wohl in der Luft baumeln müssen? Mit "Appunti e Note" seiner neuen Platte "Ali e Radici" beginnt er seine Show. Die großen Schiffscontainer lassen sich beiseite schwenken und geben damit den Blick auf eine große Leinwand frei, auf der jedoch überwiegend Hintergrundbilder abgespielt werden und die Songs damit noch mit Bildern unterstützen.

Was nur der Fotograben verrät: mehrere Teleprompter geben dem Sänger Textsicherheit. Kein Wunder, denn er kann auf eine 26jährige Karriere als Sänger zurückblicken, da mag nicht mehr jeder Song 100%ig sitzen. Und heute bietet er dem Publikum einen Streifzug durch seine gesamte Karriere. Unterstützt von den drei hübschen Backgroundsängerinnen Romina, Chiara und Sara (die nicht nur im Hintergrund bleiben, sondern sich auf der ganzen Bühne bewegen) beginnt er bei "Terra Promessa", "Una storia importante" und geht über "Se bastasse una canzone" zu aktuelleren Titel wie "I Belong To You" (ursprüngliches Duett mit Anastacia – hier mit Backgroundsängerin Sara) und "Parla con me" über. Das fast schon episch anmutende "Musica è" wird auf dem Monitor mit einer Innenaufnahme einer Kirche unterstützt. "L´aurora" hingegen wird in einen Sternenhimmel getaucht, die drei Mädels sitzen am Bühnenrand und Eros greift zum Ende des Songs selbst zur Gitarre. Aurora heißt auch Ramazzottis Tochter, deren Name auffällig tätowiert auf seinem Unterarm prangt.

Immer wieder bringt Eros in den Songtexten eine Verknüpfung mit Oberhausen zustande wie z.B. bei "Cuore con le ali" und der Textzeile "prima che ci soffochi la noia si va ad Oberhausen" (bevor uns die Langeweile umbringt, fahren wir nach Oberhausen). Schade für diejenigen, die kein Italienisch verstehen – denn auch alle Ansagen gibt er auf Italienisch zum Besten. Er beweist nach "Un´emozione per sempre" mit einer kleinen Einlage mit seinem Saxophon-Spieler, dass er wirklich nur rudimentäres Englisch spricht - "You play giusto", was soviel bedeuten soll wie "du spielst korrekt". "Come si dice" – wie sagt man?, fragt Eros. "Fica" denkt er sich laut... – die Italiener lachen. Eros versucht sich zu erklären. "The situation is fica". Logo, er meint die 'geile Situation' und nicht die 'Möse'Â…

Zu "L´ombra del gigante" steht auch endlich die Tribüne auf den Beinen – Disco-Sound, etliche Lichtstrahlen und Wolkenkratzeraufnahmen lassen Großstadtfeeling entstehen bevor aus dem Boden der Bühne ein Zugabteil hochgefahren wird und die drei im Abteil sitzenden Sängerinnen mit Eros "Cose della vita" anstimmen. Der stellt sich kurzerhand an den Containerrand und bringt den Container zum wackeln, so dass das Gefühl des Zugfahrens entsteht.

Mit "Questo immenso show" verabschiedet sich Eros mit "Ciao amore ciao" und kommt für Zugaben im roten Shirt zurück – geschickt wirbt er so für sein eigenes Merchandising. Nochmals werden die italienischen Flaggen im Publikum hochgereckt und Pärchen liegen sich in den Armen zu "Più bella cosa", welches Eros mit einer letzten Strophe auf Spanisch vermischt. Die Bandvorstellung verknüpft er geschickt mit dem Zusatz "ringraziano Oberhausen" – die Band dankt Oberhausen und Eros verschwindet mit einem "Ciao – Auf Wiedersehen" im Container und wird wieder hoch in die Luft gezogen. Darauf können wir doch nur sagen: Ciao amore ciao!

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