Tour 2011 - Support: Electric Ocean People
Von der Insel wird mit Hypes mal wieder nicht gegeizt. Esben & The Witch heißt die dreiköpfige Band aus dem wunderschönen Brighton, die ihren Namen von einer dänischen Volksgeschichte abgeleitet und sich mittlerweile nicht alleine mit ihrem außergewöhnlichen "Nightmarepop" einen Namen gemacht hat, sondern ebenso mit den elfenhaften Geschichten, die sie sowohl in ihre Songs als auch in ihre Liveauftritte integriert. Porzellaneulen und viktorianische Lampen, alles mit liebevollem Detail selbst kreiert, zieren in der Regel das Bühnenbild des außergewöhnlichen Trios. Von solchen Sagen will man sich natürlich zu gern selbst ein Bild machen, ein Besuch im Hamburger Molotow heute scheint also unabdingbar.
Der Kellerclub ist wirklich gut gefüllt am heutigen Valentinsmontag. Ausgelassen und entspannt lässt man sich schon von den Electric Ocean People mit auf eine Reise durch ein Meer aus Klängen nehmen. Die zarte Stimme von Sängerin Julia schmeichelt der Ohrmuschel regelrecht und findet schließlich direkt den Weg in die Herzen der Zuschauer. Unterstützt wird sie dabei von drei jungen Herren, die es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, sich leidenschaftlich ihrer Musik hinzugeben. Was insgesamt dabei raus kommt, könnte durchaus als Indie-Electro bezeichnet werden, wobei mal der Indierock mehr dominiert, in anderen Songs dann wieder der Electro. Und eigentlich mögen wir Schubladendenken ja sowieso nicht. Hauptsache das, was im Gehör ankommt, gefällt, und das scheint beim Publikum sichtlich der Fall zu sein. Ein bisschen Routine fehlt der jungen Hamburger Band vielleicht noch, in jedem Fall darf man jedoch darauf gespannt sein, was man von dem sympathischen Quartett noch zu hören und sehen bekommt. Dass nach ihrem Auftritt der Merchandise gestürmt wird und schließlich alle CDs der jungen Band ausverkauft sind, spricht wohl deutliche Worte.
Mystisch wird schließlich um 22.00 Uhr der Auftritt von Esben & The Witch eingeleitet. Es ist dunkel, auf der Bühne erstrahlt lediglich die viktorianische Laterne, Nebel und düstere Klänge umhüllen einen, dass man das Gefühl bekommt, einen Atem im Nacken zu spüren, bei dem man eine Gänsehaut bekommt und sich schließlich die Nackenhaare aufstellen. Dann betreten drei Gestalten die Bühne, die nach kurzer Begrüßung auch schon mit vollem Einsatz auf ihre Instrumente einschmettern, fortan dem Publikum nicht viel Zeit zum Durchatmen lassen. Wie in einem Hexenkessel brodelt es auf der Bühne, was am Ende dabei herauskommt, ist energisch, intensiv und scheint das Publikum regelrecht zu überrollen. Und schließlich ist es zusätzlich das äußere Erscheinungsbild, was sich in das Bild des Dunklen und Mystischen fügt und das Ganze letzten Endes auch irgendwie in einem authentischen Gesamtbild erscheinen lässt.
Mit fast elfenhafter Stimme, die jedoch stark von Hall-Effekten verzerrt wird, schafft es Sängerin Rachel Davies zumindest einen Teil der Zuschauer in den Bann zu ziehen. Bei dem Rest scheint der Funke nicht überzuspringen. Fast verängstigt oder verstört verlassen einige den Saal und so leert sich das Molotow noch bevor das Konzert zu Ende ist. Spätestens jetzt merkt man schließlich, dass die Art der Musik nicht für jedermann gemacht ist. Und obwohl sich ihre Songs definitiv als außergewöhnlich beschreiben lassen, fehlt ein wenig das gewisse Etwas, das sich im Gehörgang festsetzt und den Weg nicht mehr raus finden will. Sympathisch sind die Drei dennoch allemal, und zumindest für die Zuschauer, die sich das Konzert bis zum Ende angeschaut haben, hat sich der Abend wohl gelohnt.