Tour 2011 - Support: Kellermensch + The Pretty Reckless
Fünf Jahre haben sie sich Zeit genommen. 2006 erschien "The Open Door" und erst dieses Jahr kommt das Nachfolger-Album "Evanescence" raus, mit dem die Band endlich wieder auf Tour geht. Am heutigen Freitag besuchen Evanescence die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf und bringen auch zwei Freunde mit, Kellermensch und The Pretty Reckless. Die Halle ist gut gefüllt und das Publikum ist tatsächlich bunt gemischt. Die Sitzplätze scheinen äußerst beliebt und sind rasch besetzt.
Um 19.30 Uhr stehen Kellermensch, eine dänische Rockband, auf der Bühne, die bei dem Publikum nicht unbekannt ist. Kellermensch haben ihr gleichnamiges Debutalbum hier in Deutschland dieses Jahr veröffentlicht. Die Musik der Band ist definitiv Geschmackssache, einigen hat es überhaupt nicht gefallen, andere scheinen sie zu lieben. Dank der Geige und ihrer Stimmung sind die Songs mittelalterlich angehaucht, was nicht jeden anspricht. Die nächste Vorband kommt da besser an. Ob es an dem fast nicht vorhandenen Outfit oder an der Musik liegt, ist schwer zu sagen. 2008 gründen sich The Pretty Reckless, deren Sängerin Taylor Momsen, geboren 1993, als Schauspielerin Karriere macht. Bekannt ist sie unter anderem als das niedliche kleine, blonde Mädchen aus "The Grinch" oder als Darstellerin in "Gossip Girl". Die anderen Mitglieder der Band sind wohl hinzugekaufte Musiker, die braucht Taylor ja, wenn sie so eine richtige Rockgöre sein will, ohne Band geht das nicht. Leider wirkt sie wie ein Try-Hard. So als hätte sie bei Google unter den Schlagwörtern "Hard Rock Groupie", "Nuttiges Outfit" und "Courtney Love" nachgeschaut, wie man sich das Bühnenoutfit, Attitüde und Performance zusammensucht. Das ist leider sehr schade, da Frau Momsen einiges an Talent und vor allem Stimme mitbringt. Das beweist sie bei dem ersten Song "Since You‘re Gone" direkt. Ihre Stimme ist tief, rauchig und klingt nach "15-Jahre-mit-Whisky-und-Zigaretten", perfekt für die Songs der Band. Leider irritiert einen der Blick auf die Bühne. Nachdem die Jacke ihres Outfits fällt, hat die junge Dame nur noch ein Minikleid, ehm, beziehungsweise eher ein längeres Top an, an dem sie die ganze Zeit rumzuppelt, da es sich den Weg nach oben bahnen möchte. Immerhin trägt sie Strapse und ich hoffe auch Unterwäsche, sonst gibt es bald interessante Bilder im World Wide Web zu finden. Im Publikum scheinen einige Fans von The Pretty Reckless anwesend zu sein, denn es wird lautstark mitgesungen und mitgerockt. Taylor Momsen ist nicht allzu wortkarg und animiert das Publikum zum Mitsingen, was sogar klappt. Nach zehn Songs ist ihr Set vorbei und die Band verlässt die Bühne unter großem Applaus. Das Debutalbum "Light Me Up" aus dem Jahr 2010 kann man sich also durchaus anhören.
Nach einer kurzen Umbauphase betreten gegen 21.35 Uhr Evanescence die Bühne und eröffnen ihre Show mit der aktuellen Single "What You Want". Viel machen muss Amy Lee, die Sängerin der Band, nicht, allein ihr Erscheinen auf der Bühne wird mit tobendem Applaus und Gekreische belohnt. An dieser Stelle sollte dann auch Amy’s Outfit erwähnt werden, sie sieht fantastisch aus und rockt die Bühne. Ständig wechselt sie die Seiten, steht am Keyboard und wirkt einfach unheimlich energetisch. Das Set umfast 14 Stücke, unter denen auch "Going Under", "Lithium", "Sick", "Oceans" und "Call Me When You’re Sober" zu finden sind. Die Stimmung ist sehr gut, leider scheint das nur in den ersten Reihen vor der Bühne so zu sein, da der Rest der Masse still herumsteht und gelangweilt auf die Bühne guckt. "My Heart Is Broken" sowie "Lost In Paradise" performt Amy am Piano, sehr gefühlvoll und ergreifend. Mit "Bring Me To Life" endet die Show nach einer Stunde. Die Zugabe umfasst, wie meistens, drei Songs, also knapp 15 Minuten. Leider ist das Konzert mit 1 ¼ Stunde Länge ziemlich kurz, vor allem wenn man überlegt, wann Evanescence das letzte Mal in Deutschland waren. Alles in allem ist die Show jedoch gelungen, auch wenn man sich mehr Interaktion mit dem Publikum hätte wünschen können, da so eine heruntergespulte Show, auch wenn gut gemacht, einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Setlist:
What You Want
Going Under
The Other Side
Weight Of The World
The Change
Made Of Stone
Lost In Paradise
My Heart Is Broken
Lithium
Sick
Oceans
Call Me When You're Sober
Imaginary
Bring Me To Life
---------------
Never Go Back
Your Star
My Immortal