Ezio

Tour 2006

28.11.2006 Die Kantine / Köln

Von: Thomas Welsch

Ezio Köln

Ein Konzertabend mit Ezio Lunedei ist ein bisschen so, als besuche man einen alten Freund. Dieses Gefühl kann sich selbst dann einstellen, wenn man mit seiner Musik und seinen Auftritten noch nicht so lange vertraut ist. Die Gründe hierfür liegen zum einen an ihm selbst, denn er interagiert wie fast keiner sonst in so vertrauter Art mit seinem Publikum und zum anderen an eben diesem, weil es ihm eine so warmherzige Atmosphäre schenkt.

Stellen wir uns also sein Konzert in der Kölner Kantine so vor, als seien wir bei „unserem“ Ezio eingeladen. Es braucht nicht viele Worte um uns gegenseitig zu versichern, wie sehr wir uns aufeinander gefreut haben. Schon bald kommt sein Freund und kongenialer Partner Booga mit hinzu und sie greifen zu den Akustikgitarren. Booga hat kenianisches Blut in den Adern und bildet zu Ezio, dessen Wurzeln in Italien liegen den optischen Gegenpart. Mögen sie sich äußerlich sehr voneinander unterscheiden,... die beiden haben sich vor langer Zeit im englischen Cambridge als Brüder im Geiste und der Musik gesucht und gefunden. Nach drei Songs, unter anderem dem wunderschönen „Steal Away“, das den besten Beweis dafür liefert, dass der Drang aller Anwesenden sich zu dieser Musik im Takt zu bewegen eigentlich nicht noch zusätzlicher Instrumente bedarf, klingelt es schon wieder. Lee, Peter und Lidia machen es sich an ihren Instrumenten bequem und alle legen ohne große Umschweife los.

„Hotel Motel“ vom aktuellen Album „Ten Thousand Bars“ und „Cinderella“ bereiten würdevoll den Weg zum ersten Highlight „Deeper“. Alles tanzt, alle scheinen ihren möglicherweise grauen Alltag hinter sich zu lassen. Und: Alles singt! Ich habe noch nie ein textsichereres Publikum, Verzeihung einen textsichereren Freundeskreis erlebt. Fern ab von halbgarem Refraingegröle übertrifft es sich permanent selbst, so dass Ezio oft gar nicht anders kann, als seinen Gästen das Singen ganz zu überlassen. Und so hat der charmante Gastgeber zwischen den Songs genügend Luft, um seine anderen Qualitäten unter Beweis zu stellen. Vor allem die des Entertainers und Comedians steht ihm äußerst gut. Mit keckem Humor und unterhaltsamen Anekdoten unterhält er die Gäste aufs Beste: „Das ist wohl die Stelle, an der wir einen Hit spielen sollten... – das Dumme ist nur, wir hatten nie einen Hit. Wir sind ein No-Hit-Wonder!“. Na ja egal, dafür dürfen wir uns jetzt mittels einer Abstimmung einen Song wünschen. Nicht „Angel Song“, sondern „Saxxon Street“ macht das Rennen.

Hin und wieder, besonders wenn das Tanzbein wieder mal nicht stillhalten will, wünscht man sich von Ezios und Boogas Bandmitgliedern etwas mehr Leidenschaft. Ein kleines Lächeln oder eine selbstvergessene Hingabe an den Groove kommt höchstens aus Richtung der Drums. Aber das Phänomen „charismatischer Frontmann / blasser Hintergrundmusiker“ gibt es nicht erst seit dieser Konstellation.

„The Further We Stretch“ leitet in die süßeste Werbepause, seit es Schokolade gibt über: Zu den südamerikanischen Klängen von „The Girl From Ipanema“ besingt Ezio all die schönen Dinge, die es am Merchandising Stand zu kaufen gibt. Mit Charme und einer Portion Selbstironie ist selbst das willkommen. Weitere Comedy-Einlagen wie die Jack Johnson Parodie oder der Country Improvisation heitern die Gäste weiter auf. Und es bedürfte gar nicht mehr den wilden Soli des treibenden „Alex“, um die Gäste in Hochstimmung in die Zugabenpause zu entlassen.

Ein schönes Beispiel für die spontane Interaktion zwischen Gastgeber und Gästen bieten die Zurufe während „Holding You Now“, die Vorschläge enthalten, auf welche Art der Refrain zu singen ist. Und so geben Johnny Cash, Lou Reed und gar James Brown (in Gestalt von Booga) ihr Stelldichein. Der bei der zurückliegenden Abstimmung unterlegene „Angel Song“ wird anschließend doch noch gespielt. Das an die Stones erinnernde „Woohoohoo“ schließt die zweite Zugabe und einen wunderbaren Abend ab. Da Ezio ja eingeladen hatte, verwundert es nicht, dass er sich später wie selbstverständlich unter die Gäste mischt. Schön zu sehen, dass er dabei nicht bedrängt wird, sondern hier und da ein ungezwungenes Schwätzchen hält. Wie unter Freunden eben.

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