Ezio

Tour 2008

19.05.2008 Kulturkirche / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Ezio Köln

Ezio und Booga – allein schon diese Kombination ist einen Konzertbesuch wert. Wenn dies noch mit der perfekten Location verbunden wird wie der Kulturkirche in Köln, kann es nur ein optimaler Konzertgenuss werden! Pflichttermin also in meinem Kalender. Außerdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich eher die Gelegenheit nutze Ezio als Duo mit Booga zu sehen und zu hören als mit seiner kompletten Liveband. Die Show ist wie auch in der Kulturkirche intimer, persönlicher, verträumter.

Bereits vor der Show sind Ezio und Booga mit dem Verkauf des Merchandise beschäftigt; Licht und Sound werden von Techniker und Mädchen-für-alles Lee übernommen. Eine Tour bestehend aus drei Personen also! Ezio scheint sehr beeindruckt von der Location und filmt mit seiner Digitalkamera die wartenden Fans in der Kulisse der Kirche.

Es ist noch hell draußen und in der Kulturkirche und der Funke will zu Beginn der Show noch nicht so recht auf das in den harten Kirchenbänken sitzende Publikum überspringen. Die ersten Songs hallen noch nach bis Lee den Sound in den Griff bekommt und Gitarren und Gesang glockenklar sind. Ezio wirkt noch scheu und ehrfürchtig vor der Location und gibt zu: ‚I never thought I would be standing here. I got a feeling that slow songs are kind of cool tonight’. Falsch gedacht… zwar hängen vor allem die weiblichen Fans den Gedanken hinterher, wenn langsame Songs wie „Losing Control“ performt werden und blicken verträumt in der Gegend herum, jedoch werden die rockigeren und bekannteren Songs („Hotel,Motel“, „Angels Song“) mit mehr Enthusiasmus aufgenommen.

An einem neuen Album arbeitend, stellt Ezio einen neuen Song vor, den er als eine Art Country-Song vorstellt. Nach der ersten Zeile jedoch unterbricht er bereits und stimmt erst seine Gitarre nach bevor er und Booga erneut ansetzen. Es ist neu für Ezio, dass das Publikum sitzt – ‚new for me, new for you, we have to get used to it’. Grinsend erfreut er sich an der schönen Lichtshow und blickt den Lichtern hinterher.

Mit zunehmender Dämmerung und Sonnenuntergang kann die Lichtshow auch verstärkt werden und der Altarraum wird zusätzlich beleuchtet. Ich habe das Gefühl, dass die Show immer mehr wirkt, je dunkler es in der Kirche wird. Das Publikum wird langsam warm und die ersten Mitsingchöre zu „When You’re 30 And Confused“ stimmen ein.

Neben den seichten und auch rockigen „Pärchensongs“ finde ich Ezios Interaktion mit dem Publikum toll. Es macht Spaß den Ankündigungen der Songs zu lauschen. So kündigt er den nächsten neuen Song wie folgt an und ich kann mich vor Lachen kaum halten: ‚Each time I play it it’s different, this is a sure sign the song isn’t finished yet. If I play it long enough, I will settle it in shape. That’s scarry!’. Der Song sei desweiteren ein ‘Beziehungssong’, er würde keine Sex Songs mehr komponieren. Außerdem sind mir bereits beim Einlass in den Bänken kleine Hinweiszettel aufgefallen, mit denen man sich mit einer SMS – mit persönlicher Nachricht an Ezio und Booga – für mehr Informationen zur Band anmelden konnte. Aus Jux und Dollerei schicke ich auch einen kurzen Text für den italienischverwurzelten Sänger ab – natürlich auf Italienisch. Mit etwas Glück wird die Nachricht während der Show vorgelesen heißt es noch. Ich glaube nicht so sehr an die Aktion, nachdem Ezio die ersten SMS vorliest. Da heißt es zum Beispiel: ‚Get another haircut, for both of you, Gabi’. Ezio trägt seinen Pony lässig in den Augen.

Einfallsreichtum beweist er bei „Deeper“: für ihn ist es genau der richtige Moment einen Hit zu spielen: ‚fundamental problem: we never had one!’. Aus diesem Grund haben sie Shirts produzieren lassen mit der Aufschrift „Ezio – no hit wonder“. ‘Please buy one!’ fügt er noch an und schnallt sich eine Mundharmonika um. Zum Ende von „Deeper“ erfolgt seinerseits eine Imitation von Elvis und endlich erheben sich die ersten Fans aus den Bänken. Die perfekte Abstimmung zwischen den beiden Gitarren machen das ungleiche Duo aus – „Darkness Is My Friend Tonight“ mit seinem tollen Solo kommt sehr gut an und während Ezio eine Werbepause für den Kauf von Shirts und CD’s einlegt, zückt er bereits sein Handy, um weitere neue SMS abzufragen. „Booga, sing us a song“ und dann tatsächlich meine SMS…. „Ezio, cantaci qualcosa initaliano. Sei fichissimo, bello! Tantibaci da Ingrid“. Spätestens jetzt bin ich überzeugt, dass die Nachrichten auch wirklich ankommen und gelesen werden. Ezio stört sich weniger an meinem Wunsch nach einem italienischen Song, hebt dafür aber meinen Namen besonders heraus. ‚Ingrid, what a nice name’. Gleich zwei Wünsche erfüllt er dann auf einmal. Booga singt solo in seiner tiefen und verführerischen Soulstimme. Seine Gitarre wirkt an ihm wie eine kleine Mandoline, Ezio hingegen brilliert mit seinen perfekten Italienisch-Kenntnissen an „Just To Talk To You Again“, welches er tatsächlich zur ersten Hälfte auf italienisch singt. Grazie, bello!

Anscheinend haben die Jungs heute Nacht genügend Wunsch-Juke-Box gespielt, denn die lautstarken Schreie nach „Saxon Street“ und „Alex“ bleiben unerfüllt, dafür bekommen wir „Higher“ während eines der drei (!) Zugabenblocks als Schmankerl und niemanden hält es noch sitzend auf den Holzbänken. Zum Abschluss des Konzertes singt Ezio „Steal Away“ und erscheint nur wenige Minuten später zusammen mit Booga erneut am Merchandise-Stand. Sie nehmen sich wieder viel Zeit für ihre Fans – zwei Künstler zum Anfassen. Brav bedanke ich mich für die italienische Version von „Just To Talk To You Again“ und lasse die Location noch ein wenig auf mich wirken. Sogar dem zuständigen Pfarrer hat es gefallen, der auf Ezio zugeht und ihm zur guten Show gratuliert. Hoffentlich mit Gottes Segen für die weitere Karriere der Beiden!

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