Tour 2005
Das war Rock n’ Roll. Wer dachte auf der Emo Schiene fahren nur melancholisch angetriebene Langzeitstudenten, der lag fehl. Das wohl beste was die Schweiz momentan an Rock zu bieten hat, kommt aus Lausanne.
Die Vorband Toboggan, ebenfalls aus der Schweiz, begann den Abend mit sehr schlichter, melancholischer Musik. Kein richtiger Einheizer auf das was kommen sollte, dennoch nicht schlecht. Niedlich bedankte sich die Sängerin nach einem gut halbstündigen warmherzigen Set.
Sehr kraftvoll und mit viel Power überfielen dann aber Favez förmlich die etwa 200 Zuschauer im doch eher übersichtlichen Kölner Underground. „Not ready for the wind“ und „The colored machines“ bildeten vom neuen Album „Old and strong in the modern times“ die krachenden Einsteiger. Es folgte ein sehr gut gelunger Mix aus den letzten drei Favez Platten. Das Schweizer Quartett präsentierte sich durchaus gut gelaunt und schob erst mit „Marlon Brando, Porsches, Hondas and me“ eine kleinere - in Klammern - Ruhepause ein.
Mit dem kurzen Statement, dass sie sich immer noch keine Ferraris kaufen und keine eigenen Häuser bauen können, aber eigentlich auch stolz darauf sind auf den kleinen Bühnen der Welt die Musikfreunde zu beeindrucken, schlugen sie mit „The light is coming in“ einen Kracher raus, der auch sichtlich die Zuschauer begeisterte. Einer der etwas melodiöseren Songs vom 2003er Album „Bellefontaine avenue“.
Mit viel Akrobatik und offensichtlicher Freude am Spielen der Songs folgten weitere Highlights wie „It’s always ten to ten“, „The age of wonders“ oder „Times were high“.
Höhepunkt auf ganzer Linie war wohl der auch vom Publikum geliebte Track „Headed for the ocean“, der zu den ruhigeren tragenderen Songs gehört, von Favez aber wie eine Rockhymne zelebriert wurde. Nach „Bleak“ folgte der erste Break. Verständlich das nach diesem Kraftakt die Mannen um Sänger Chris Wicky kurz pausierten.
„I’ve got everything I need“ bildete die Einleitung der Zugaben und zudem ein weiteres großes Highlight. Netterweise erfüllten Favez ihrem Lichttechniker den Wunsch einmal mit in die Saiten zu hauen. Die Gitarren wurden hoch in die Luft gestreckt, gegen die Verstärker gedrückt. „Looking for action“, “Memories of the ones we hate the most”, das Set passte und die Gemeinde im Kölner Underground hatte noch immer nicht genug. Wohl eine eher nicht geplante zusätzliche Zugabe musste herhalten, um das Publikum zufriedenzustellen.
Einige Stücke fehlten mir persönlich im Set, was aber nicht schlimm war, sondern schon jetzt wieder Lust auf das nächste Favez Konzert macht.
Favez sind übrigens noch im April in Deutschland (Hamburg, Berlin, Bielefeld, München, Dresden) unterwegs, bevor es wieder in die Schweiz geht. Wer Emo-Rock mal anders erleben will, sollte die Chance nutzen.