Fish

Clutching At Stars 2007 - Live From Loreley

22.07.2007 Loreley Freilichtbühne / St. Goarshausen

Von: Andreas Weist

Fish St. Goarshausen

Fish auf der Loreley – das ist wie Weihnachten und Ostern an einem Wochenende. Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren (am 18. Juli 1987) wurde hier das legendäre Marillion-Video “Live From Loreley” gedreht, das bei Fans weltweit immer noch Kultstatus genießt. So besinnt sich Fish auf seine Wurzeln und nutzt das zweite “Night Of The Prog”-Festival, um als Headliner am Sonntag Songs des vierten (und für ihn letzten) Marillion-Albums “Clutching At Straws” zu performen und gleichzeitig sein neuestes Werk “13th Star” zu präsentieren. Bezeichnenderweise handelt es sich auch um Fishs 13. Studioalbum (wenn man die vier Marillion-Werke mitzählt) und die Tour trägt den alles umfassenden Titel “Clutching At Stars”. Die Vorzeichen waren also mehr als gut.

Nach The Watch, Merlin Bird, Pendragon und dem Co-Headliner Jethro Tull durfte Fish den sonnigen zweiten Tag des Festivals beschließen. Als Intro gab es überraschenderweise nicht das nostalgische “La Gazza Ladra” von Rossini, sondern die Beatles mit “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” und der Textzeile “It was twenty years ago…”. Dann betrat Fish zu den Klängen von “Slainte Mhath” die Bühne und knapp 5.000 Besucher kamen auf ihre Kosten.

Ich habe schon so viele Konzerte des Schotten gesehen, dass ich mir anmaßen kann, zu behaupten, dass es nicht eines seiner besten Konzerte war. Allerdings gilt es zu bedenken, dass die Band in ihrer jetzigen Zusammensetzung erst zum dritten Mal zusammen spielte. Das relativiert zumindest gewisse Abstimmungsprobleme und den noch etwas gewöhnungsbedürftigen (vor allem dürftigen) Keyboardsound. Ich bin mir sicher, dass dies bis zur Europatour im November behoben sein wird.

Die Marillion-Stücke werden von Fish in einer tieferen Tonlage gesungen. Klar – die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Dennoch tun sie ihre Wirkung – und das Publikum geht bei “Hotel Hobbies” und “Warm Wet Circles” genauso mit wie bei dem wunderschön sanften “White Russian” und dem Knaller zum Ende des Hauptsets “Last Straw”. Dass man das nochmal live erleben durfte. Stimmliche Probleme sind erkennbar, aber vor allem auf die Technik zurückzuführen. So lag Fish zu Beginn des Konzerts oft leicht neben dem Ton, da er sich aus den Monitoren nicht hörte (erkennbar am heftigen Gestikulieren in Richtung Mischpult) – und “White Russian” war im Mittelteil leider eine Katastrophe, über die das Publikum aber milde hinweg sah.
Ein Wermutstropfen bleibt allerdings die Tatsache, dass Fish sein Versprechen nicht wahr machte, das Album komplett zu spielen. Die fehlenden “Just For The Record” und “Torch Song” (ganz zu schweigen von den B-Sides “Going Under” und “Tux On”) hätten den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Es besteht also noch Erweiterungspotential für den Verlauf der Tour.

Aus seinem großen Solokatalog wählt Fish “The Perception Of Johnny Punter” – gitarrenstark gleich zu Beginn, den Mitsing-Klassiker “So Fellini”, das geniale Prog-Stück “Vigil” und die Ballade “Cliché”. Vor allem bei “Vigil” ist Fish voll in seinem Element. Er verlässt die Bühne, steigt über die Absperrung und taucht ein in sein Publikum. Aus der Menge heraus startet er den Song – und alle hängen gebannt an seinen Lippen. Hier liegt seine große Stärke: in der Publikumsnähe und den überraschenden Momenten. Sein Charisma und seine Bühnenpräsenz sind einfach unvergesslich.

Die Band: Neu dabei sind Gavin Griffiths und Chris Johnson, beide ausgeliehen von den Britproggern Mostly Autumn, Foss Paterson, der bereits in den 90ern die Tasten bearbeitete und momentan leider der Schwachpunkt der Band ist, und die langjährigen Weggefährten Steve Vantsis und Frank Usher. Erster inzwischen zum Co-Writer des neuen Albums avanciert, letzterer unglaublich souverän mit dem Solo zu “seinem” Song “Cliché”.

Die neuen Stücke: “Circle Line”, “Square Go”, “Manchmal” (sic!) und “Dark Star” kennt natürlich noch niemand. Aber sie passen sich gut in die Setlist ein. “13th Star” wird ein Konzeptalbum sein – über die Suche eines Mannes nach seiner großen Liebe, dem "13th Star”. Wer Fish kennt, weiß, wie gerne er autobiographische Elemente verarbeitet. So auch hier. Es war eine Hochzeit mit der Sängerin Heather Findlay geplant, die kurz nach Versendung der Einladungen allerdings kalte Füße bekam und den Schotten verließ. Diese emotionalen Momente werden in den Songs verarbeitet und spielen eine große Rolle. Beim Loreley-Konzert geht Fish eher witzig mit der Situation um. Er erzählt, dass Kirche, Brautkleid, Catering etc. gebucht sind. Heiratswillige junge Frauen können sich gerne melden. Einzige Bedingung: das Kleid muss passen.
Überhaupt erfährt man auch gerne mal private Dinge. Die 16jährige Tochter Tara ist im Publikum. Und männliche Besucher werden schon mal präventiv vor Annäherungsversuchen gewarnt.

Nach 125 Minuten geht ein denkwürdiges Konzert mit dem letzten Abfeierer “Incommunicado” zu Ende. Einige Unverzagte geben nicht auf und bewegen Fish klatschend und schreiend auf die Bühne zurück, obwohl die PA schon komplett zerlegt ist. Fish ergreift ein letztes Mal das Wort, bedankt sich und verweist auf die Tour im Herbst. Ein schöner Abschluss.

Es ist noch etwas Arbeit zu leisten vor dem Fortgang der Tour. Aber trotz kleiner Probleme war es ein gelungenes Konzert. Die Daten für “Night Of The Prog” in 2008 stehen auch schon fest. Vielleicht ist der große Schotte ja zum dritten Mal mit dabei.

Setlist:

Intro: Sgt. Pepper
Slainte Mhath
The Perception Of Johnny Punter
Circle Line
So Fellini
Square Go
Manchmal
Hotel Hobbies/
Warm Wet Circles/
That Time Of The Night
Vigil
White Russian
Dark Star
Sugar Mice
Last Straw
------------
Cliché
Incommunicado

Weitere Tourdaten:

FISH - Clutching At Stars Tour 2007
30.10. München Kleine Elserhalle
31.10. L-Dudelange Centre Culturel
14.11. Oldenburg Staatstheater
16.11. Erfurt Gewerkschaftshaus
17.11. Aschaffenburg Colos-Saal
18.11. Köln Live Music Hall
20.11. Mainz KUZ
21.11. Krefeld KUFA
23.11. Winterbach Halle
24.11. Karlsruhe Tollhaus
25.11. B-Limbourg Kursaal
27.11. CH-Pratteln Z7

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