Foo Fighters

Tour 2008 - Support: Flogging Molly

18.06.2008 ISS Dome / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

Foo Fighters Düsseldorf

Dass die Foo Fighters eine der besten und intensivsten Live-Bands sind, die der Planet Rock derzeit zu bieten hat, sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Dass sie auch zu den lautesten ihres Genres zählen wahrscheinlich ebenso. Trotzdem weisen im ISS Dome zahlreiche Schilder darauf hin, dass es zu "einer sehr hohen Lautstärke" kommen kann. Wohl dem, der sich einen Gehörschutz eingepackt hat. Nachdem ich die Band vergangenes Jahr in Oberhausen bereits sehen und vor allem hören durfte, habe ich heute zum Glück an meine Ohrstöpsel gedacht. Überhaupt scheinen die Verantwortlichen in Düsseldorf inzwischen begriffen zu haben, wie man ein Konzert möglichst reibungslos abwickelt. Ich erinnere da nur an das Einlass-Chaos rund um den ISS Dome beim Auftritt von Pearl Jam im Juni 2007. Als wir uns endlich durch den Feierabendverkehr gekämpft haben, ist das eine durchaus erfreuliche Erkenntnis. Zumal das Konzert mit 12.000 Besuchern offiziell ausverkauft ist.

Auf persönliche Einladung von Dave Grohl werden die Foo Fighters von den Folk-Punks Flogging Molly supported. Das Septett, bei dem Skateboard-Legende Matt Hensley das Akkordeon schwingt, kombiniert auf durchaus gelungene Art und Weise Punkrock mit irischer Folklore. Im März erschien ihr aktuelles Album "Float". So klingen Flogging Molly denn auch wie eine Mischung aus The Clash, Pogues und The Men They Couldn`t Hang. Ihr zweifellos vorhandenes Spasspotential will in einer derart grossen Location wie dem ISS Dome jedoch nicht so recht zünden. Nach 50 Minuten werden sie mit höflichem Applaus entlassen und sind schnell wieder vergessen. Besonders angesichts dessen, was noch folgen soll.

Um kurz nach 21 Uhr wird der ISS Dome zur grössten Feiermeile außerhalb der Fussball-EM. Als erste Amtshandlung schreitet Dave Grohl den Laufsteg ab, der durch den Innenraum bis hin zum Mischpult führt und grüsst lässig in die Runde. Er wird ihn im Verlaufe des Abends noch einige Male entlangstiefeln, auch wenn er, wie noch in Oberhausen, diesmal auf einen Ausritt auf die Tribüne verzichtet. Mit "Let It Die" starten die Foo Fighters in ihr Set. Es folgt "The Pretender" und die Halle ist gleich auf 180. Grohl rennt von einem Ende der Bühne zum anderen. Wobei man sowieso immer wieder feststellen muss, dass die Energie und Power, die der Mann live ausstrahlt schlichtweg unglaublich ist. Jeder andere wäre bei diesem (auch stimmlichen) Pensum spätestens nach zwei Konzerten ein Fall für die Sauerstofftherapie. Die Band (u.a. wieder verstärkt vom Ur-Gitarristen und zeitweiligen Nirvana-Mitglied Pat Smear) rockt weiter: "Times Like These", "No Way Back", "Cheer Up, Boys" oder "Learn To Fly" heissen die nächsten Kracher. Auf sieben Videoscreens flimmern allerlei abstrakte Bilder und im Innenraum ist die Hölle los.

Der Sound hingegen ist etwas blechern, doch das stört hier heute kaum jemanden. Grohl brüllt sich durch die Songs, Taylor Hawkins trommelt dazu wie ein Tier und verrichtet an seiner Schießbude Schwerstarbeit. Die Band ist ungemein druckvoll und spielfreudig, was sie bei "Long Road To Ruin", "Breakout" oder "Stacked Actors" eindrucksvoll beweist. "Das waren jetzt acht Songs. Wir spielen noch zwanzig. Es wird eine lange Nacht", heizt Dave Grohl die Stimmung weiter an. Das schaffen sie zwar nicht ganz (am Ende sind es 23 Stücke), aber trotzdem ist ein Konzert der Foo Fighters jedes Mal eine komplette Rock`n Roll-Vollbedienung. Vielleicht liegt auch genau darin das Geheimnis ihres Erfolges. Die Jungs wirken auf der Bühne stets so, als hätten sich gute Kumpels rein zufällig auf ein paar Bier getroffen und dabei spontan beschlossen mal so richtig auf die Kacke zu hauen. Dazu gehört das Gitarrenduell zwischen Grohl und Chris Shiflett ebenso wie ein grossartiges Drumsolo von Taylor Hawkins oder die ausgiebigen Jams zwischendurch. Natürlich darf auch die gewohnt launige Bandvorstellung nicht fehlen, die im Triangelsolo von Percussionist Drew Hester ihren Höhepunkt findet.

Spätestens seit der Akustikscheibe "In Your Honour" ist man von den Foo Fighters allerdings auch leisere Töne gewohnt. Die gibt es in Düsseldorf ebenfalls. "Skin And Bones", "Marigold" (mit der wunderbaren Jesse Green an der Violine) und insbesondere "My Hero" sorgen für eine absolute Gänsehautatmosphäre. Bei "Cold Day In The Sun" übernimmt dann Taylor Hawkins den Gesangspart und mit dem herrlichen "But, Honestly", "Everlong" (Grohl solo), "Monkeywrench" und "All My Life" rockt sich die Band dem Schluss des Mainsets entgegen. Pogokreise ziehen sich durch den Innenraum und der ISS Dome tobt. Der Zugabenblock wird eingeleitet von "Big Me" und endet mit "Best Of You". 12.000 Menschen klatschen, singen, tanzen und feiern sich selbst und die Band.

Nach fast zweieinhalb Stunden geht so ein fulminantes Konzert zu Ende. Es gibt wahrscheinlich niemanden im weiten Rund, der hier nicht noch stundenlang hätte so weitermachen können. Ich persönlich würde mir zwar mal "Friend Of A Friend" live wünschen, aber man kann schließlich nicht alles haben. Auch so werden selbst diejenigen, die bis dahin ihren Hörsturz überwunden haben, mit Sicherheit bei der nächsten Foo Fighters-Party wieder am Start sein. 

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