Tour 2007 - Support: Sportfreunde Stiller
Den Auftakt ihrer Europatour 2007 feiern die Foo Fighters in Oberhausen. Neben dem Konzert übermorgen in München ist dies der einzige Deutschland-Gig (2008 sollen weitere Termine folgen) und so fällt der Zuspruch in der König Pilsener Arena mit etwa 12.000 Fans auch recht üppig aus. Als Vorgruppe fungiert niemand geringerer als die Sportfreunde Stiller. Im Vorfeld habe ich mich zwar gefragt, was denjenigen Promoter geritten haben mag, der dieses Paket gebucht hat, aber letztlich zeigt sich, dass die Kombination funktioniert.
Das Trio genießt einen für den Support Act erstaunlich sauberen Sound. In knapp 35 Minuten sorgen die Sportfreunde mit Hits wie "Alles Roger", "Ein Kompliment", "Ich Roque" oder der aktuellen Single "(Tu nur das) Was dein Herz dir sagt" für gute Stimmung. Zwischendurch spielen sie sogar kurz "Seven Nation Army" von den White Stripes an. Zum Glück wird "54, 74, 90, 2010" ebenfalls nur angedeutet. Das Ding kommt mir nämlich mittlerweile aus allen Körperöffnungen raus. Aber wir sind ja wegen der Foo Fighters hier.
Die gehen dann um kurz nach 21 Uhr mit "The Pretender" vom neuen Album "Echoes, Silence, Patience & Grace" gleich in die Vollen. Ohne Rücksicht auf Verluste geht es nahtlos weiter mit "D.O.A.", "Times Like These", "Cheer Up, Boys" und "I`ll Stick Around". Welch ein Auftakt! Mir klingeln die Ohren. Auch die Fans sind vom ersten Takt an hellwach. Dave Grohl hat sichtlich Spass auf der Bühne. Um ihn herum sind die Nebelmaschinen pausenlos im Einsatz. Nur der Sound ist leider durchgängig etwas matschig. Den gnadenlosen Start erklärt Grohl anschließend so: "Wir spielen einen Song nach dem anderen. Wir haben nur zwei Stunden für 13 Jahre Musik. Also werden wir uns beeilen. Wir spielen neue Songs, alte Songs, uralte Songs und Akustik-Songs". In diesem kurzen Monolog kommt übrigens gefühlte 300 Mal das Wort "Fuck" vor. Aber die Band hält was er verspricht. Und wie!
Es folgen "Long Road To Ruin" und "Breakout", bei dem die Fans teilweise den Gesangspart übernehmen. Obwohl Grohl stimmlich in Topform ist und sich durch das Set singt, brüllt und schreit. Das gilt auch für die anderen Bandmitglieder: Schlagzeuger Taylor Hawkins, Nate Mendel am Bass, Gitarrist Chris Shiflett und zur "Verstärkung" Pat Smear ebenfalls an der Gitarre sowie Rami Jaffee (Keyboards/Akkordeon) und Drew Hester (Percussion). Alle Sieben rocken mit "Learn To Fly" und "The One" weiter, dass es eine wahre Wonne ist. Beim darauffolgenden "Stacked Actors" springt Dave Grohl sogar in den Graben, bahnt sich einen Weg auf den Unterrang, lässt sich von einem gutgebauten jungen Mann auf die Schultern nehmen und zelebriert von dort aus ein minutenlanges "Zwiegespräch" zwischen den Fans und seiner Gitarre. Hammergeil! Anschließend brennt die Band ein krachendes Klangfeuerwerk ab. Die Halle steht Kopf und die Security im Front Of Stage-Bereich verrichtet Schwerstarbeit.
Nach derart für alle Beteiligten schweißtreibender Performance brauchen selbst die Foo Fighters eine Verschnaufpause. Die kommt in Form eines Akustikblocks. Angefangen mit meinem persönlichen Favoriten "Skin And Bones" über "Marigold" bis hin zu "My Hero", bei dessen Refrain die Band Tausende Arme und Stimmen erntet. Während "See You" stellt Grohl dann sehr humorig die einzelnen Musiker vor. Außer Pat Smear und Nate Mendel dankt jeder mit einem kleinen Solo, wobei insbesondere Drew Hester an der Triangel (!) zu glänzen weiß. Das Ganze gerät allerdings ein wenig zu langatmig und nimmt etwas an Spannung aus der Geschichte.
Jedoch nur so lange, bis Dave Grohl auf der E-Gitarre "Everlong" anstimmt und sich mit "Monkey Wrench" und "All My Life" nochmals die Seele aus dem Leib spielt. Damit endet das reguläre Set. Die Stimmung in der Halle ist auf dem Siedepunkt und die Temperaturen ebenfalls (zumindest im Innenraum). Als Zugaben legen die Foo Fighters dann noch "In Your Honor", "No Way Back", eine verlängerte Version von "Aurora" und zum endgültigen Abschluß das grossartige "Best Of You" obendrauf.
Nach etwas mehr als zwei Stunden endet damit ein Konzert auf der Überholspur mit einer Setlist, die kaum Wünsche offen lässt. Na gut, das wunderbar-akustische "Stranger Things Have Happened" vom aktuellen Album hätten sie noch spielen können. Aber sonst? Sonst haben die Foo Fighters an diesem Abend dem Rock`n Roll alle Ehre erwiesen. Und zwar vom Feinsten! Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr. Bis dahin sollte ich auch wieder einigermaßen hören können...