Foreigner

Greatest Hits Tour 2007

13.07.2007 Museumsmeile / Bonn

Von: Thomas Kröll

Foreigner Bonn

Foreigner standen noch auf meiner persönlichen To Do-Liste. Eine jener Bands, die man einmal im Leben gesehen haben sollte. An diesem Abend auf dem Bonner Museumsplatz kann ich also auch hinter ihrem Namen ein Häkchen machen. 2005 war die Band zuletzt in Deutschland. Trotzdem hält sich das Publikumsinteresse heute in relativ engen Grenzen. Optimistisch geschätzte 2.000 Fans sind nur gekommen. Zum ersten Mal erlebe ich den Museumsplatz teilweise abgesperrt. Und das obwohl der Sommer mit aller Macht zum Durchbruch ansetzt und es knackig warm ist. Vielleicht liegt es am Ticketpreis von 42 Euro, vielleicht aber auch daran, dass von der Urbesetzung lediglich noch Gitarrist Mick Jones übriggeblieben ist. Und der geht inzwischen immerhin auch schon auf die 63 zu.

Egal! Diejenigen, die gekommen sind, werden es am Ende nicht bereuen. Zunächst heizen "A Hand Full Of Love" aus Frankfurt/Main kräftig ein. Eine Art AC/DC-Coverband, die allerdings nicht an die Klasse vergleichbarer Kapellen wie beispielsweise Dirty Deeds heranreicht. Wir genehmigen uns lieber derweil in Ruhe ein Bier. Fast mit dem Glockenschlag um 20 Uhr betreten dann Foreigner das Geschehen. Neben Jones sind das Sänger Kelly Hansen (in einer moderesistenten knallengen Spaghetti-Jeans), Jason Bonham, der Sohn des legendären Led Zeppelin-Drummers John Bonham am Schlagzeug, Keyboarder Jeff Jacobs, Bassist Jeff Pilson und Gitarrist Thom Gimbel.

Das Sixpack rockt mit "Double Vision" gleich standesgemäß los. Der Sound ist ausgewogen und schön fett, vielleicht insgesamt ein bißchen zu leise. Bei "Head Games" zeigt Mick Jones erstmals mit einem geilen Solo sein Können. Es soll nicht das letzte Mal an diesem Abend gewesen sein. Die Fans sind begeistert, besonders als dann "Cold As Ice", der erste Foreigner-Hit, folgt. Nicht umsonst heisst die aktuelle Tour "Greatest Hits Tour". Jeff Jacobs haut in die Tasten, dass es eine wahre Wonne ist und Kelly Hansen springt in den Bühnengraben und schüttelt reihenweise Hände. Alle Achtung! Ein überzeugender Auftakt, meine Herren! Das hatte ich mir im Vorfeld deutlich statischer vorgestellt. Insbesondere Hansen ist ständig in Bewegung, animiert das Publikum und ist noch dazu äußerst gut bei Stimme. Eine Stimme die im übrigen verblüffend nach Lou Gramm klingt. Musikalisch sind Foreigner ohnehin perfekt aufeinander eingespielt.

Nach "Blue Morning, Blue Day" darf bei "Waiting For A Girl Like You" geschmust werden. Wer hat früher (oder heute noch) bei diesem Song nicht auch auf irgendwelchen Parties rumgeknutscht?! Oder beim später noch folgenden "That Was Yesterday"? Dazwischen gibt es noch "Dirty White Boy", den ultimativen Foreigner-Rocker. Die Stimmung unter dem Zeltdach ist absolut bestens. "Say You Will" gibt es dann in einer sehr stimmungsvollen Akkustikversion. Anschließend greift Mick Jones ganz tief in die Mottenkiste und präsentiert mit "Starrider" einen Song von Foreigner`s selbstbetiteltem Debütalbum von 1977. "Ich war wahrscheinlich stoned, als ich dieses Lied geschrieben habe", erklärt er dazu. Tatsächlich tendierten Foreigner zu jener Zeit noch hörbar in Richtung Space- oder Prog-Rock. Danach stellt Jones die Band vor, die es sich bei der Erwähnung von Jason Bonham nicht nehmen lässt "Rock`n`Roll" von Led Zeppelin anzuspielen, was zu weiteren Begeisterungsstürmen führt. Mit "Feels Like The First Time" flacht der Spannungsbogen dann etwas ab. Jedoch nur kurz.

"Urgent" (mit einer tollen Saxophoneinlage von Thom Gimbel) sorgt gleich wieder für Bewegung. Foreigner steuern nun auf den Höhepunkt zu. Und der heisst "Juke Box Hero". Das Stück wird förmlich zelebriert. Zunächst gibt es ein futuristisch klingendes Keyboardintro von Jacobs, dem ein fulminantes mehrminütiges Drumsolo von Bonham folgt, das in "Juke Box Hero" übergeht. Am Ende des Songs streuen die Sechs noch "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin ein und gehen ab wie die Luzie. Das ist Rock`n`Roll pur! Alles in allem ziehen sie "Juke Box Hero" so auf eine Länge von gut fünfzehn Minuten. Die Band wird mit Sprechchören in die Pause verabschiedet. Ganz grosses Kino!

Die erste Zugabe ist "I Want To Know What Love Is". Die Fans übernehmen Hansen`s Gesangspart. Mir war das Stück immer ein wenig zu schnulzig. Der letzte Song des Abends ist mit "Hot Blooded" nochmal ein waschechter Rocker. Nach vierzehn Songs und 105 Minuten verabschieden sich Foreigner unter grossem Jubel dann endgültig für heute. Das hat definitiv Spass gemacht! Die Band liefert eine überraschend gute Show ab, versprüht beeindruckend viel Spielfreude und ich denke, jeder der 2.000 geht zufrieden nach Hause. So soll es sein!

Nach Status Quo und Silbermond ist Foreigner für diesen Sommer mein letztes Konzert an der Museumsmeile. Ich (und sicherlich viele andere) würde es sehr bedauern, wenn die Open Air-Reihe aufgrund der bekannten finanziellen Probleme nicht mehr fortgeführt würde. Der Museumsplatz ist einfach eine richtig schöne Location, die sich inzwischen weit über die Grenzen von Bonn einen klangvollen Namen gemacht hat. In jeglicher Hinsicht. Es wäre äußerst schade, wenn es damit nun vorbei wäre. Deshalb sage ich am Ende mal hoffnungsfroh: Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

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