Tour 2009
Wer in Berlin damit rechnet, dass Shows pünktlich anfangen, der wartet leider manchmal ziemlich lange bis sich auf der Bühne etwas tut. Wer sich darauf verlässt, dass Shows unpünktlich beginnen, der wird manchmal eines Besseren belehrt und verpasst so die erste Vorband. Tja, genau so fing der Abend letzten Freitag auch an.
Verpasst wurde At The Farewell Party, allerdings miterleben durfte man Attack! Attack! aus Wales. Allerdings konnte man ganz genau sehen, wegen wem das (teils sehr junge) Publikum an diesem Abend im Knaack war – nicht wegen der Vorband(s). Obwohl Attack! Attack! ein unglaublich und stimmlich einwandfreies Set ablieferten, wollte die Stimmung nicht überkochen. Der teils ziemlich unverständliche walisische Akzent konnte das Publikum auch nicht weiter animieren ein bisschen mehr Begeisterung zu zeigen. Sehr schade – die Band wird leider gnadenlos unterschätzt!
Nach einer Umbaupause, in der man Hip Hop Klängen lauschen durfte, ging das Licht aus und der Saal füllte sich mit einer Menge junger Mädchen – gut ein paar Jungs waren auch da.
Das Intro erinnerte mich persönlich an die Ansagen im Flugzeug – nur ironischer und mit Musik untermalt. Einer der Bandjungs wurde folgendermassen vorgestellt "He hasn't showerd in 5 days" – ob das Intro jeden Tag neu angepasst wird? Die Reihen eins bis drei waren begeistert, als die Band aus Dallas auf die Bühne sprang, sich positionierte und losrockte. Die etwas ältere Generation stand etwas weiter hinten und konnte so, beides – Band und Reihen eins bis drei – gut beobachten. Sänger Jonathan trug zwei (blaue) Laser-Ringe, die er die ganze Show nicht abnahm. Nicht gerade die neueste Erfindung, haben Enter Shikari die Laser-Ring Geschichte schon im letzten Jahr präsentiert.
Songpausen wurden zum Smalltalk mit dem Publikum genutzt, so wurde dem deutschen Teenager beigebracht, dass man in Texas "Howdy" sagt, alle mussten nachplappern und taten es auch. Keyboarder Kent mogelte sich immer wieder ans Mikrofon und erfreute das Publikum mit folgender Anekdote: Er durfte in der Nacht zuvor auf der Autobahn (auf der man keine Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit bekommen kann) den Tourbus fahren. Er hätte einen Rekord im Langsam-fahren (35 mph) aufgestellt. Alles klar! In der nächsten Songpause, wollte er dann wissen, ob man in Deutschland viel amerikanische Filme schauen würde. Habt ihr Twilight gesehen? Habt ihr I Am Legend gesehen? Kennt ihr William Smith? Hat einer von euch Men In Black gesehen? Ähm, ja, ja, ja, ja und ja! Danach stimmt man "Man in Black" an. Gut gecovert, wenn auch hoffentlich nur als Scherz gemeint!
"Hey Brittany", der erste Song der Band, der aus reiner Not geschrieben wurde weil Jonathan (natürlich aus Versehen) einen Startseitenplatz auf purevolume.com erworben hatte. Leider hiess im Publikum keiner Brittany, was sich auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht ändern wollte. In Paris gab es wohl ein, zwei Brittanys und in Köln gleich mehrere männliche Brittneys. Trotzdem wurde der Song gespielt. Unter anderem waren auch folgende Titel Teil des Sets: "Whoa Oh", "Phone Call", "Catastrophe" und "Beakdown".
Und dann hiess es auf einmal, dies sei der letzte Song. Moment mal, schon? Da kommt doch sicher noch eine Zugabe, oder? Leider ging der Abend ohne Zugabe zu Ende – aber da muss das Publikum einfach ein bisschen lauter und interessierter sein – sonst ändert sich das auch bei den nächsten Shows nicht.
Was soll man sagen? Wer unbehaarte Männeroberkörper, Haarbänder, ungeduschte Musiker, Laser-Ringe, lebensmüde Keyboarder, strassbesetzte Logos am Mikrophonständer, gute Musik und lustige Geschichten mag, der sollte beim nächsten Mal auch wieder dabei sein!