Frank Turner

Club-Tour 2011 - Support: Ghost Of A Chance

06.04.2011 Blue Shell / Köln

Von: Marc Brüser

Frank Turner Köln

Man nehme eine kleine, intime Location, eine Menge von ca. 200 Leuten, einen warmen Aprilabend, ein paar Bier, aber vor allem einen spielfreudigen Künstler und seine Unzahl von großartigen Songs. Die Mischung ergibt ein großartiges Konzert, welches einem lange in Erinnerung bleiben wird. So ungefähr könnte man dieses Konzert des ehemaligen Million Dead-Frontmannes Frank Turner in einem einzigen Satz zusammenfassen.

Der britische Songwriter mit arabischen Wurzeln gibt sich nach anderthalb Jahren endlosen Wartens einmal wieder die Ehre in der Domstadt zu gastieren. Austragungsort hierfür ist das – nennen wir es kuschelige – Blue Shell, welches ein Fassungsvermögen von wenigen hundert Leuten besitzt. Nicht umsonst waren die Karten für das Konzert bereits zwei Stunden nach Bekanntgabe des Gigs restlos ausverkauft. Opener für den heutigen Abend ist der aus Mainz stammende Ghost Of A Chance aka Tobias Heiland, welcher mit seinen, für meinen Geschmack leicht zu emotionalen Schmonzetten, trotzdem einen ordentlichen Support abgibt.

Um 20 nach 9 erscheint dann endlich der Mann des Abends. Unter tosendem Beifall bahnt sich Frank Turner seinen Weg durch die Schar von Menschen (einen richtigen Eingang zur Bühne gibt es nicht), um mit "Eulogy" die folgenden 100 Minuten einzuläuten. Neue Songs wie "I Am Disappeared" oder "I Still Believe", einer der besten Songs des Jahres 2010, reihen sich zu Klassikern wie "The Road" oder "Long Live The Queen" nahtlos ein. Es wird gebrüllt, gesungen, gesprungen, einfach alles was das Konzertherz begehrt.

Bemerkenswert sind außerdem die großen Entertainer-Qualitäten von Turner: Von Anekdoten über volltrunkene "Jägermeister Bomb"-Nächte in New Orleans bis hin zum Einbinden einer menschlichen Mundharmonika bei "Dan’s Song" ist alles dabei. Einfach großartig. Ein weiterer lustiger Nebeneffekt ist der durchaus vorhandene Alkoholpegel bei Herrn Turner. Mit Aussetzern und Lachanfällen schürt der Brite jedoch keineswegs den Unmut, sondern sorgt so für eine noch ausgelassenere Stimmung und jede Menge Lacher. Mein persönlicher Höhepunkt ist das Dylan-Cover "Don’t Think Twice, It’s Alright", welches er zusammen mit seinem Support singt, sowie das phänomenale "The Ballad Of Me and My Friends". Fragt nicht warum, aber es hat einfach etwas, wenn 200 Menschen gleichzeitig "And we're definitely going to hell / But we'll have all the best stories to tell" aus vollem Halse singen.

Definitiv war der Abend etwas Besonderes. Eine so ausgelassene, intime Stimmung findet man wirklich selten bei Konzerten. Sicher hat das Blue Shell als Venue einen wesentlichen Anteil daran, aber dies kommt auch nicht von ungefähr. Frank Turner ist ein ganz spezielles Juwel der britischen Musikszene und einfach immer einen Besuch wert.

Setlist:

Eulogy
Try This At Home
I Still Believe
I Knew Prufrock Before He Got Famous
The Fastest Way Back Home
I Am Disappeared
Substitute
Redemption
Dan's Song
COVER
Rod Stewart
Nashville Tennessee
The Next Round
Long Live The Queen
Love Ire & Song
The Road
Jet Lag
Don't Think Twice, It's Alright (Bob Dylan Cover)
Photosynthesis
---------------
I Want To Break Free (Queen Cover)
The Ballad Of Me And My Friends

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