Tour 2010 - Support: Crazy Arm
Wer das Lagerhaus in Bremen kennt, weiß nicht nur, dass es sich dabei um einen Altbau mitten in der Stadt handelt, sondern auch, dass man es mit dem Auto nicht immer leicht hat, in der Nähe einen Parkplatz zu finden, ohne falsch herum in eine Einbahnstraße zu fahren. Dieses Problem macht Frank Turner offensichtlich nichts aus und den zahlreichen Fans, denen er es zu verdanken hat, ein ausverkauftes Kulturzentrum vorzufinden, auch nicht. Frank Turner ist wie für das Lagerhaus gemacht... oder umgekehrt. Und nicht zuletzt spricht hierfür einerseits das ausverkaufte Konzert und andererseits die Stimmung im Publikum. In Tagen von Myspace ist die Vorband und deren Musikrichtung keine große Überraschung mehr auf Konzerten, für die Akustik-Folk-Attitüde des britischen Sängers aber schon. Wer Turner besser kennt, weiß, dass er mit Million Dead anfing, einer Punk- und Hardcore-Band, denen Crazy Arm schon eher entsprechen.
Deswegen ist auch niemand abgeneigt, als diese pünktlich anfangen. Durch die unterschiedlichen Musikgenres hat das Konzert nicht den typischen Vorband – Hauptband Charakter, sondern gerade die Mischung sorgt für gute Laune. Da gerade Samstag ist, ist die Stimmung besonders gemütlich, obwohl man unter der Woche auch mit einer ausverkauften Show hätte rechnen müssen. Die Englandkonzerte sind schon länger regelmäßig ausverkauft und zwar nicht zu unrecht. Aber zurück zu Crazy Arm. Die Stimmung im Lagerhaus ist gut und Song für Song wird sie besser. Mit der Atmosphäre eines klassischen Punkkonzertes verabschiedet sich die Band leider schneller als erwartet und man kann nur hoffen, sie bald wieder hier begrüßen zu dürfen.
Als dann endlich Frank Turner die Bühne betritt, schlägt die Stimmung schlagartig um. Jedoch nicht im negativen Sinne, sondern eher von gut drauf in gemütlich. Musikalisch wird Turner gerne mit Tom Gable von Against Me! und Chuck Ragan von Hot Water Music in eine Schublade gesteckt und wer sich glücklich schätzen kann einen Vergleich mit deren Liveauftritten ziehen zu dürfen, der kann diesen Eindruck bestätigen. Gemütlich, ein wenig melancholisch aber mit einer unglaublich guten Performance setzt Turner sein Konzert fort. "Punkrock Saved My Life" ist der Song, der hier wohl jedem aus dem Herzen spricht. Aber auch die Songs vom aktuellen Album "Poetry Of The Deed" stehen natürlich auf der Setlist und werden gut und gerne angenommen, wie zum Beispiel "Live Fast Die Old" oder "Try This At Home". Die meisten Songs werden zu hundert Prozent von den Fans mitgesungen, versteht man sie ja recht deutlich dank Turners britischem Akzent und der noch nicht (!) vom Whiskey veredelten Stimme. Der wachsenden Fangemeinde gefällt es und vor allem auch die Begleitband macht ihren Job sehr gut, nicht zuletzt deshalb, weil sie einen echt entspannten Eindruck hinterlässt. Nach eigener Aussage macht Turner Musik nach dem Motto "We can be the band we want to hear" aus den Lyrics von "New Wave" von Against Me!. Die Fans sind froh, dass er so ist wie er ist und vor allem hoffen sie am Ende des heutigen Abends, dass er so schnell wie möglich wiederkommt.