Franz Ferdinand

Tour 2009 - Support: Kissogram

14.03.2009 Palladium / Köln

Von: Shirin K

Franz Ferdinand Köln

Keine Band wurde wahrscheinlich so oft mit der Frage gequält, wie sie auf ihren Namen gekommen sei: Franz Ferdinand. Das zeigt aber auch, wie geschickt die Schotten bei der Wahl des Bandnamens vorgegangen sind, denn dieser prägt sich sofort ein. Was natürlich nichts genützt hätte, wären Franz Ferdinand nicht mit einem Hit nach dem anderen in die Ohren dieser Welt einmarschiert: Mit dem Megahit "Take Me Out" fing es vor mehr als fünf Jahren an. Danach ging es für die Jungs immer weiter bergauf. Seit Januar diesen Jahres steht nun das dritte Album der Band mit dem Titel "Tonight: Franz Ferdinand" in den Regalen. Die Kritiker sind sich nicht so ganz einig, ob das gute Ding an die Vorgänger heranreicht, und so ist es vielleicht hilfreich, sich von den Live-Qualitäten der neuen Songs im – ausverkauften – Kölner Palladium zu überzeugen (dies war ein äußerst eleganter Übergang zum eigentlichen Inhalt dieses Berichtes...).

Der Support des heutigen Abends heißt Kissogram. Scheiß Name denke ich, aber was soll’s. Bei Kissogram handelt es sich um drei Berliner mit Frisuren, die ein wenig zu alt für ihre Träger sind. Es gibt Keyboards, Drums – und einen Sänger und Gitarristen mit dem Gesicht eines Unschuldlamms. Er wirkt am Anfang ein wenig schüchtern, taut aber während der halbstündigen Show immer mehr auf, tanzt ums Mikro herum, geht in die Knie, schwingt die Fäuste und hat Spaß – auch wenn der zum Image gehörige gelangweilte Blick nie abgelegt wird. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen experimentellem 80er Pop und düsterem Dark-Wave, gekonnt transportiert – das ist die Kunst – ins zweite Jahrtausend. Und die Musik ist verdammt gut und äußerst tanzbar! Schon bei dem zweiten Song "I Am The Night Before" kann ich es nicht sein lassen mitzuwippen und sehe ein, dass ein schlechter Name noch lange nicht schlechte Musik bedeutet. Wer sich jetzt auf Kissograms Myspace-Seite informiert, sollte sich allerdings nicht von der Songauswahl täuschen lassen. Die Jungs machen mehr als den Plastikpop, den sie auf der Seite anbieten. Ich kann nur empfehlen: nicht entgehen lassen, wenn die Jungs im Mai auf Tour gehen!

Und jetzt zu der Band mit dem viel cooleren Namen. Alex Kapranos, in schwarzen Röhrenjeans und schwarzer Lederjacke betritt die Bühne gemeinsam mit seinen Mitmusikern und erntet erstmal ordentlich Applaus. Bedankt wird sich mit "The Dark Of The Matinée" aus dem Debüt-Album. Das rockt und sorgt sofort für Stimmung, zumal dann noch "Do You Want To" folgt. Das Publikum ist willig und wird mit einem Hit nach dem anderen beglückt, z.B. mit "Walk Away", "Take Me Out" (juhu!), "The Fallen" und "Michael". Franz Ferdinand haben außer ihrer Musik auch noch eine bunte Light-Show und kleine Filmchen mitgebracht, die auf der Leinwand hinter ihnen abgespielt werden (sehr Avantgarde!!). Den Fans gefällt’s. Bei mir aber stellt sich mit der Zeit ein wenig Langeweile ein, obwohl ich FF gerne auch privat höre. Vielleicht liegt es daran, dass Kapranos gesangliche Leistung live nicht wirklich überzeugend ist, oder dass sich die Band hier und da ein wenig verheddert und aneinander vorbeispielt.

Vor allem die neuen Sachen können mich nicht überzeugen. Ein bisschen zuviel Lalalala und musikalisches Gestampfe, zu wenige gute Ideen. Vor meinem inneren Auge entstehen Horrorvisionen von asymmetrischen Frisuren, die energisch von rechts nach links geschwungen werden. Scherz beiseite: Der Abend mit Franzerl droht nach einer halben Stunde schon zu einer müden Britpop-Party mit Klatschen und Lalala-Gesängen zu werden. Bei der Zugabe aber dreht die Band doch noch richtig auf. Aus dem eh schon sehr funkigen "Outsiders" wird eine zehnminütige Version, bei der Band und Publikum gemeinsam die Sau rauslassen. Der Song mündet in einem Drum-Solo, alle Bandmitglieder bewaffnen sich mit Drumsticks und bearbeiten gemeinsam die Trommeln. Ouiii! Getoppt wird diese eindrucksvolle Performance dann nur noch durch den letzten Song an diesem Abend: "This Fire". Eine jammige Version, bei er sich Alex und Nicholas ein kleines Gitarrenduell liefern und das Publikum aus vollen Kehlen "Burn this city" schreit. Erst hier findet der Sänger auch endlich seine außergewöhnliche Stimme wieder. Auf der Bühne entsteht tatsächlich so etwas wie Feuer. Schade, dass der Funke (zumindest bei mir) erst so spät überspringt. Aber den Hardcore-Fans wird die Show allemal gefallen haben. Und nur darauf kommt es ja letztendlich an!!

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