Tour 2005
Franz Ferdinand haben ihr Bandziel klar definiert: "Mädchen zum Tanzen zu bringen!" So soll es auch beim Konzert in Düsseldorf sein und mit dem starken, zweiten Longplayer im Rücken sollte das Ziel auch mehr als erfüllt werden. Der Support Act The Rakes verspricht auch einiges, zumindest wenn man einigen Kollegen glauben schenken darf – „das nächste große Ding“! Na lassen wir uns mal überraschen.
Ich muss schon sagen, dass ich von dem Zuschauerzuspruch schon ein wenig enttäuscht bin. Franz Ferdinand sind ja einer „der“ Bands der Stunde, der Ticketpreis mit knapp 30 EUR ist wohl für die heutige Zeit auch als normal zu bezeichnen und eine passable Vorgruppe gibt es noch obendrauf und was ist? Nix ist! Zumindest gleicht die Philipshalle alles andere als einer ausverkauften oder gar überfüllten Halle, eher im Gegenteil. Die oberen Ränge wurden (zum Glück) mit Vorhängen verhangen, sonst hätte es doch ziemlicht trostlos ausgesehen. Der hintere Teil der Halle füllt sich selbst zu Beginn des Konzertes nicht mehr. Aber gut, dass soll ja das Konzerterlebnis nicht trüben.
Gegen 20 Uhr kommen dann auch The Rakes auf die Bühne und spielen überwiegend Stücke aus ihrem aktuellen Album „Captured/Released“. Das Bühnenbild ist eher schlicht und die Lightshow ist eher nervig und viel zu dunkel, tja und die Musik tut keinem weh. Bei aller Liebe, aber wenn dies „das nächste große Ding“ ist, dann ist der Zustand der heutigen Musiklandschaft mehr als zweifelhaft. Das ist zwar alles nicht super schlecht, aber sind wir mal ehrlich, das haben wir viel, viel besser schon Ende der 70er Anfang der 80er gehört. Aber gut, es hat auch nicht jeder diese Zeit miterlebt oder die entsprechenden Alben im Plattenschrank stehen und diejenigen haben vielleicht etwas Gefallen an dem Set der Rakes. Allerdings auch nur kurz, denn über weite Strecken haben die meisten Songs einfach zu wenig Substanz und die Performance ist einfach zu eintönig.
Wie man es viel, viel besser macht zeigen uns Franz Ferdinand. Die Jungs erfinden das Rad sicher auch nicht neu, aber das wollen und wollten sie ja auch noch nie. Dafür kriegt man eine 1a Show geboten und eine klasse Live-Umsetzung ihrer Songs. Als Alexander Kapranos (Gesang), Bob Hardy (Bass), Nick McCarthy (Gitarre) und Paul Thompson (Schlagzeug) um kurz nach 21 Uhr die Bühne betreten und mit „This Boy“ loslegen gibt es bei den anwesenden Zuschauern kein Halten mehr und ihr persönliches Ziel wird jetzt schon mal wieder erreicht. Doch sind es nicht nur die Mädchen die tanzen, nein die männlichen Besucher lassen sich auch nicht lumpen. Ab dem dritten Song gibt es dann auch die komplette Lightshow und es ist schon erstaunlich, welch großen Sprung Franz Ferdinand gemacht haben. Von der Beleuchtung, des Screens und der Ausstattung der Bühne gehören die Jungs ab jetzt wohl zu den „Großen“. Es folgt Hit auf Hit, denn im Grunde ist jeder FF Song eine potenzielle Single und eben ein Hit. Weiter geht es mit „Come on Home“, „Do You Want To“ „Auf Achse“ und „Well That Was Easy“. Die Halle tobt, die Jungs haben Spaß und eine sehr sympathische Ausstrahlung – ein rund rum gelungenes Konzert.
Franz Ferdinand mussten in der Vergangenheit ja auch öfters mir Plagiatsvorwürfen böser Zungen leben. Wenn man sich den Vierer aber mal live zur Gemüte führt, dann kann man zwar schon Referenzen zu alten Helden wie Joy Divison oder Talking Heads hier und da feststellen, aber trotz allem machen sie ihr eigenes Ding und haben genug Substanz auch in Zukunft noch Gehör zu finden. Bleibt abzuwarten, ob der Hype schon wieder abgeflacht ist und eine feste Fanbasis aufgebaut werden konnte – zu wünschen wäre es den Jungs. Beim nächsten Besuch vielleicht einfach eine kleinere Halle buchen und alles ist gut. Ich kann nur jedem raten sich mal selbst ein Bild von Franz Ferdinand live zu machen – es lohnt sich.